Handball
War 2021 ein gutes oder schlechtes Jahr für die Eulen?
Jahresrückblicke sind so eine Sache. Woran misst man, ob das Jahr gut oder schlecht war? An der Punktausbeute? An der Entwicklung? Wie aber misst man eine Entwicklung?
Die Eulen Ludwigshafen sprechen häufig von Entwicklung. Was für eine Entwicklung hat die Mannschaft in diesem Jahr genommen? Fakt ist: Die Mannschaft ist nach vier Jahren Bundesliga abgestiegen. Cheftrainer Ben Matschke wechselte zum Bundesligisten HSG Wetzlar. Für ihn kam Ceven Klatt von den Rimpar Wölfen. „Wir hatten noch nie so ein anstrengendes Jahr für den Kopf. Es war ein unfassbar schwieriges Jahr“, sagte Maximilian Haider, Kreisläufer und Vizekapitän der Eulen Ludwigshafen, nach dem 34:26-Sieg gestern gegen den TV Emsdetten. Alle Spieler seien reifer geworden. Sie haben aus den Rückschlägen lernen können. „Da war der Abstieg in letzter Sekunde. Wir kannten das nicht. Wir wussten nicht, wie wir damit umgehen sollen. Wir wussten auch nicht, wie man damit umgeht, wenn der Trainer nicht mehr an der Seitenlinie steht, der sonst immer dort steht“, kommentierte Haider.
Ceven Klatt hat einiges verändert. Die Mannschaft musste sich auf neue Ansprachen, auf neue Abläufe, auf neue Trainingsmethoden einstellen. „Wir haben gelernt, mit neuen Situationen im Klub umzugehen. Wir mussten lernen, mit einem neuem Trainer umzugehen. Das ist eine riesen Umstellung. Manche kannten nur Ben Matschke“, betonte Haider.
„Wie eine Achterbahnfahrt“
Deshalb kam dem 25 Jahre alten Kreisläufer die Zeit ab Sommer wie eine Achterbahnfahrt vor. Die Mannschaft sei zu Saisonbeginn mit hohen Erwartungen in die Runde gegangen. „Vielleicht wirkte unser Auftreten etwas überheblich, aber das waren wir nie“, betonte Haider, „dann bekamen wir einen Schlag ins Gesicht mit den ersten Auswärtsspielen. Die haben uns gezeigt, dass wir in Liga zwei angekommen sind.“ Es folgten Aussprachen, viel wurde geredet. „Jeder hat seine Probleme zurückgestellt. Wir sind näher zusammengerückt“, erzählt Haider. Jedenfalls zeige die Kurve nach oben und außerdem sei nach oben hin noch ganz viel Platz. Daher sei er optimistisch, dass es im neuen Jahr besser wird. „Ich sehe großes Potenzial in Team. Wir stehen als Mannschaft zusammen. Egal, wer weggeht, wir haben ein Teamgefüge. Wir haben immer einen Prozess im Team. Wir haben es so geschafft, dass wir am Ende der Runde den besten Handball spielen. Daran glaube ich auch diese Saison“, betont Haider.
Der Glaube an den Fortschritt beflügelte Haider im letzten Saisonspiel des Jahres. Fünf Tore erzielte der Kreisläufer gegen Emsdetten. Viele dieser Treffer fielen nach Zuspielen von Jan Remmlinger. „Was ganz, ganz wichtig ist, ist seine Führung im Angriff. Er schafft es auf dem Spielfeld zu steuern. Das ist die große Stärke von Jan. Er sieht, was funktioniert und was nicht, wo wir anpacken müssen“, sagte Haider.
Jan Remmlinger wollte dieses Lob nicht zu hoch hängen. „Meine Leistung wird daran gemessen, wie viele Tore wir als Team schießen“, sagte er nach dem Erfolg gegen Emsdetten und äußerte sich ebenfalls zum bisherigen Saisonverlauf: „Wir haben auswärts nur ein Spiel gewonnen und zu Hause nur eines verloren. Das müssen wir besser machen. Das unterscheidet eine wirkliche Spitzenmannschaft von einer guten Mannschaft.“
Der 27 Jahre alte Spielmacher sieht noch weiteres Verbesserungspotenzial. „Die Einstellung und das Kämpferische müssen auf demselben Niveau sein. Das ist noch unser größtes Problem“, hadert Remmlinger: „Wir schaffen es auswärts zu selten, richtig zu fighten. Zu Hause haben wir die Möglichkeit, mit den Zuschauern im Rücken, alles richtig auszuspielen. In Rimpar waren 100 Fans mit dabei und da haben wir es geschafft, zu gewinnen. Auf Dauer ist es eine Sache des Kopfes. Aber wir spielen schon anders als zu Saisonbeginn. Wir haben paar Spieler, die noch nie in der Zweiten Bundesliga gespielt haben.“