Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Waldhof kämpft gegen Müll: Platzwart Ewald sorgt für Ordnung im Viertel

Dieter Ewald sorgt als Platzwart rund um den Seppl-Herberger-Platz für Sauberkeit und Sichtbarkeit.
Dieter Ewald sorgt als Platzwart rund um den Seppl-Herberger-Platz für Sauberkeit und Sichtbarkeit.

Im Waldhof stemmt sich ein Mann gegen die Vermüllung: Dieter Ewald sorgt für mehr Sauberkeit am Seppl-Herberger-Platz. Er setzt auf Gespräche statt auf Sheriff-Posen.

Dieter Ewald muss nicht lange warten. Kaum macht er es sich nach getaner Arbeit auf dem Seppl-Herberger-Platz bequem, kaum sind Kippenstummel und Kronkorken aufgelesen, da laufen ein Vater und ein Sohn vorbei, die eine Bierflasche und eine Coladose einfach auf dem Gemäuer abstellen, oder ein Jugendlicher, der seinen Eisstiel achtlos wegwirft. „Dann gehe ich auf die Leute zu und sage ihnen, dass es so nicht geht!“, sagt der 62-Jährige. Als Platzwart im Waldhof-West sorgt er für Sauberkeit und eine neue Sichtbarkeit in einem Stadtteil, der mit einer enormen Vermüllung zu kämpfen hat.

„Ich weiß, am Montag sieht es hier schon wieder ganz anders aus“, sagt Ewald mit Blick auf einen gepflegten Platz. „Nach dem Wochenende liegen hier wieder Dosen, Deckel und Kippen herum.“ Und doch betrachtet er seinen Einsatz nicht als Sisyphusarbeit, sondern als wichtigen kleinen Schritt, auf den der nächste folgt. Ganz so wie der Straßenkehrer Beppo aus „Momo“: Man darf niemals an die ganze Straße auf einmal denken.

Von Armut geprägt

Die Straßen im „Alten Waldhof“, wie das Viertel genannt wird, waren einst für dort aufwachsende Fußballstars wie Sepp Herberger und Otto Siffling bekannt. Inzwischen ist der frühere Arbeiterstadtteil von Armut und Arbeitslosigkeit geprägt. Wilder Sperrmüll sammelt sich auf den Gehwegen. Hausmüll häuft sich nicht nur neben den schwarzen Tonnen in den Hinterhöfen an, sondern wird auch auf der Straße abgestellt. „Das zeigt, dass Leute in beengten Wohnverhältnissen leben, es gibt zu wenig Mülltonnen für die Bewohner, die Abfallwirtschaft hat Mühe, hinterherzukommen, und eine Sogwirkung entsteht: Müll zieht Müll an“, sagt Tobias Vahlpahl, Geschäftsführer des Mannheimer Quartiermanagements.

Auch mit Ablagerung von Gewerbe- und Industriemüll hat das Viertel inzwischen zu kämpfen. Alte Autoreifen, 27 Fenster mit Rahmen oder 30 Kubikmeter Dämmwolle werden in Nacht- und Nebelaktionen einfach „entsorgt“. „Das hat sogar schon den Wertstoffhof vor Probleme gestellt, das ist gesundheitsgefährdend und nichts zum Lachen“, sagt Vahlpahl. Eine Bürgerinitiative wurde gebildet, Maßnahmen sollten ergriffen werden. Dieter Ewald ist da ein erster Schritt.

Mehrere Tage im Einsatz

Mehrmals die Woche geht der Platzwart die Straßen auf und ab, liest Müll auf oder informiert den Mängelmelder. Passanten und auch Transporter hat er schon auf frischer Tat ertappt, vor allem aber ist er zu einem Gesicht geworden. Als „Sheriff“, der sich breitbeinig hinstellt, sieht er sich aber nicht: „Man muss ganz normal mit den Leuten reden“, findet er und bezeichnet sich eher als eine Art „Hausmeister des Viertels“, da er sich auch um kleinere Instandhaltungsarbeiten kümmert.

Möglich gemacht hat die Initiative sein Chef Heiko Jäger, der einen Malerbetrieb auf dem Waldhof führt und laut Vahlpahl der „geborene Sozialarbeiter“ ist. Da die Lohnkosten seines neuen Mitarbeiters teilweise vom Jobcenter getragen werden, stellt ihn der Malermeister seit Jahresbeginn anteilig und kostenfrei als Platzwart für den Seppl-Herberger-Platz zur Verfügung.

Ort mit Tradition

Der Platz soll Treffpunkt und Ort der Identifikation sein. Auf dem angrenzenden Schulhof trat der spätere Weltmeister-Trainer von 1954 („Wunder von Bern“) wohl zum ersten Mal gegen das runde Leder. Doch selbst der Ehrenplatz war zuletzt vor Vandalismus und Vermüllung nicht sicher.

„Wo bereits Dreck liegt, legt sich noch mehr Dreck hin. Das kann aber auch Ratten anziehen. Also ich habe es lieber schön“, sagt Ewald und blickt über den Platz. Ganze drei Mülleimer befinden sich in unmittelbarer Nähe. „Was braucht man denn noch? Soll ich es den Leuten noch um den Hals hängen?“, fragt er und schiebt hinterher: „Manche wollen das Müllproblem auf Ausländer abschieben, aber auch Deutsche lassen ihren Dreck einfach liegen, alle machen die gleichen Fehler“, betont er.

Viele Gelegenheitsjobs hatte Ewald in seinem ausgefüllten Berufsleben. Ohne Ausbildung, aber mit Kran- und Gabelstaplerführerschein habe er sich so „durchgeschlagen“. Auf dem Bau, im Baustoffhandel, in der Logistik, bis er zuletzt in die Arbeitslosigkeit rutschte. Zunächst auf 150-Euro-Basis näherte er sich seinem jetzigen Arbeitgeber an. Und füllt die Rolle als Platzwart und ewiger „Waldhof-Fan“ nun mit Stolz aus.

Zur Sache

Das Platzwart-Projekt ist auch Teil der Quartiersarbeit, die von der Dietmar-Hopp-Stiftung mit 250.000 Euro finanziert wird. Die Arbeiterwohlfahrt will ihre Gemeinwesenarbeit im Waldhof ausbauen und neue Impulse für das Zusammenleben vor Ort umsetzen.

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