Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wald aus Stahl: Ein Besuch auf der Baustelle des neuen Umspannwerks (mit Bildergalerie)

Auch für die Verantwortlichen ist es etwas Besonderes, die Fortschritte auf der Baustelle zu sehen: Janina Heidl, Marcel Land un
Auch für die Verantwortlichen ist es etwas Besonderes, die Fortschritte auf der Baustelle zu sehen: Janina Heidl, Marcel Land und Jonas Riedesel (von links).

Zwischen Staub, Stahl und Grundwasser entsteht in Dannstadt eine neue Umspannanlage. Ein Baustellenbesuch zeigt, wie viel Technik und Planung hinter der Energiewende stecken.

Schwere Baumaschinen wirbeln Staub auf, Dutzende Betonfundamente stecken in der Erde und metallene Streben ragen skeletthaft auf. Noch ist das Gelände auf Dannstadter Gemarkung ein wenig wüst. Doch für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag entsteht hier ein zentraler Baustein der Energiewende: Eine Umspannanlage, die 380 Kilovolt starke Spannungen in 220 Kilovolt transformieren soll.

„Das ist ein bisschen wie beim Straßennetz“, erklärt Janina Heidl, Projektsprecherin bei Amprion. Die Firma ist eine von vier, die in Deutschland das Höchstspannungsnetz, über das Energie quer durchs Land fließt. Wie mit Autobahnen, Landstraßen und kleineren Zubringern, verhalte es sich auch beim Stromnetz: Um Strom über weite Strecken zu transportieren, nutze man eine höhere Spannung. Für den Endverbraucher müsse sie dann allerdings gesenkt, also umgespannt werden.

Dass Strom heute weiter als früher transportiert werden muss, liegt an der Energiewende. Rheinland-Pfalz etwa erzeugt bereits heute mehr als die Hälfte seines Stroms aus erneuerbaren Quellen, vor allem aus Windkraft. An besonders windreichen Tagen entsteht mehr Energie, als verbraucht werden kann. Hier kommen Umspannanlagen ins Spiel: Sie transformieren die erzeugte Energie auf die benötigte Spannung von 380 Kilovolt und speisen sie in das Übertragungsnetz ein. Der Überschuss wird dann in andere Regionen transportiert.

Anlage in Mutterstadt ist zu klein

Eigentlich gibt es bereits eine Umspannanlage in nächster Nähe, nämlich im benachbarten Mutterstadt. Die ist allerdings in die Jahre gekommen und den Anforderungen eines zunehmend erneuerbaren Energiesystems langfristig nicht mehr gewachsen. Sprich: Sie müsste eigentlich vergrößert werden. Am Standort ist dafür aber kein Platz. Deshalb entsteht in Dannstadt seit Herbst 2025 eine neue Anlage auf rund sieben Hektar Fläche – das entspricht etwa zehn Fußballfeldern. Sie soll Ende 2028 in Betrieb gehen und anschließend die alte Anlage vollständig ersetzen.

Noch sieht das wüste Gelände ein bisschen wie ein Wald aus Stahl aus.
Noch sieht das wüste Gelände ein bisschen wie ein Wald aus Stahl aus.
Manche der Fundamente sind so groß, dass sie vor Ort gegossen werden müssen.
Manche der Fundamente sind so groß, dass sie vor Ort gegossen werden müssen.
Zuerst wird das Stahlskelett zusammengebaut...
Zuerst wird das Stahlskelett zusammengebaut...
... dann wird der Beton gegossen.
... dann wird der Beton gegossen.
Ein großes Problem auf der Baustelle ist das Grundwasser. An manchen Stellen tritt es aus, wie hier in den Spurrillen eines Bauf
Ein großes Problem auf der Baustelle ist das Grundwasser. An manchen Stellen tritt es aus, wie hier in den Spurrillen eines Baufahrzeugs.
Überall auf dem Gelände verlaufen Schläuche. Pumpstationen trocknen den Boden aus, das Wasser wird gefiltert und über einen der
Überall auf dem Gelände verlaufen Schläuche. Pumpstationen trocknen den Boden aus, das Wasser wird gefiltert und über einen der nahen Gräben abgeleitet.
Die kleineren Fundamente sind Fertigteile. Aber auch sie wiegen über zwölf Tonnen.
Die kleineren Fundamente sind Fertigteile. Aber auch sie wiegen über zwölf Tonnen.
Sie werden in die Baugruben gesetzt.
Sie werden in die Baugruben gesetzt.
Noch schauen sie oben aus der sandigen Erde heraus, aber später sollen sie von Oberboden bedeckt werden. Darauf soll wieder Gras
Noch schauen sie oben aus der sandigen Erde heraus, aber später sollen sie von Oberboden bedeckt werden. Darauf soll wieder Gras wachsen.
Die Isolatoren sorgen dafür, dass man keinen Stromschlag bekommt, wenn man ans Metall fast.
Die Isolatoren sorgen dafür, dass man keinen Stromschlag bekommt, wenn man ans Metall fast.
Die Isolatoren werden auf den Metallstreben montiert.
Die Isolatoren werden auf den Metallstreben montiert.
Diese Tore sorgen dafür, dass kein zu großes Fahrzeug unter den Stromkabel durchfährt.
Diese Tore sorgen dafür, dass kein zu großes Fahrzeug unter den Stromkabel durchfährt.
Am Rand der Anlage entsteht noch ein Gebäude für die Technik. Bald kommt noch ein Satteldach oben drauf.
Am Rand der Anlage entsteht noch ein Gebäude für die Technik. Bald kommt noch ein Satteldach oben drauf.

Foto 1 von 13

Falls dann irgendwann nochmal Erweiterungen auf dem Gelände notwendig werden, sei das an diesem Standort möglich, sagt Jonas Riedesel, der die Projektleitung für die elektrotechnischen Teile der Anlage hat. Aber: „Das ist im Moment nicht geplant.“ Geplant sind dagegen zwei große Transformatoren, jeweils neun Schaltfelder für 380 und 220 Kilovolt sowie drei Sammelschienen. Über sie wird der Strom künftig ins Höchstspannungsnetz eingespeist.

Grundwasser ist Herausforderung

Während Riedesel über die technischen Eckdaten spricht, knirscht unter den Schuhen der sandige Grund. Es ist sonnig, der Boden trocken. Es fällt schwer, zu glauben, dass eine der größten Herausforderungen des Projekts das Grundwasser ist. Doch an ein paar Stellen drückt es sich doch durch den Boden und sammelt sich in den Rillen, die die Räder der großen Maschinen hinterlassen haben. „Es wurden Drainagen eingebaut“, erklärt Marcel Land, der für den Hoch- und Tiefbau der Anlage zuständig ist. „Wenn irgendwo gebaut werden soll, muss das Wasser gesenkt werden. Das dauert dann so zwei bis drei Tage.“

Das Grundwasser wird herausgepumpt. Über Schläuche fließt es gluckernd in den Scheidgraben – aber vorher muss es gefiltert und Proben müssen genommen werden. Um sicherzugehen, dass keine Schadstoffe in die Umwelt gelangen. Das Wasser werde natürlich nicht langfristig gesenkt, sagt Land, sondern fließe wieder zurück. Die Betonfundamente sind deshalb gegen Auftrieb geschützt.

Auf der Baustelle piepst es. Erst langsam, dann schneller und schließlich durchgehend. „Eine digitale Wasserwaage“, erklärt Land. Riedesel schaut neugierig zu. In seiner elektrotechnischen Planung spielen solche Werkzeuge keine Rolle – umso spannender findet er den Blick in den Tiefbaualltag. Die meisten der Fundamente sind Fertigteile. Manche sind allerdings so schwer, dass sie vor Ort gegossen werden müssen. Erst wird das Stahlgerüst für den bewehrten Beton gebaut, dann die Schale und schließlich der Beton darauf geschüttet.

300 Kilometer statt 20 Kilometer Luftlinie

Aber nicht nur die Fundamente sind Schwergewichte. Noch schwerer sind die Transformatoren. Die können bis zu 400 Tonnen schwer sein. Dieses Gewicht hält nicht jede Straße oder Brücke aus. Deshalb kümmert sich eine eigene Abteilung darum, den Transportweg zu planen. „Die Trafos für die Dannstadter Anlage werden voraussichtlich per Bahn nach Ludwigshafen gebracht und von dort aus auf der Straße weitertransportiert“, sagt Heidl.

Der Bau unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben. Amprion hat den Antrag nach Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) bereits Ende 2023 bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd eingereicht. Auch die Leitungen, die in die Anlage hineinführen, müssen angepasst werden – dafür läuft ein eigenes Planfeststellungsverfahren bei der SGD Nord, das inzwischen eingereicht wurde. „Das sind auch bei uns zwei unterschiedliche Abteilungen, die aber eng zusammenarbeiten“, sagt Riedesel. Auch wenn die Anlage bereits gebaut wird, die Leitungen aber noch nicht einmal genehmigt sind: Alles ist so geplant, dass es gemeinsam fertig werden soll.

Auch ökologische Vorschriften sind streng. Das gilt nicht nur fürs Wasser – und sei mit ein Grund für die langen Genehmigungsverfahren, sagt Heidl. „Aber der Bau hat eben auch große Auswirkungen.“ Am Rand des Geländes ist ein Erdwall aufgeschüttet. Der soll die Baustelle aber nicht abschirmen, sondern dient der Lagerung. „Das ist guter Oberboden“, erklärt Land. Noch schauen die Betonfundamente aus dem sandigen Boden heraus, später wird das Gelände wieder aufgeschüttet – mit der vorher entnommenen Erde. Dann wird alles wieder grün.

Für Verantwortliche ein besonderer Moment

Auch für die Projektverantwortlichen ist es besonders, das Voranschreiten der Bauarbeiten zu sehen. „Es ist schön zu sehen, wenn es tatsächlich losgeht und man sieht, was man lange nur am Schreibtisch geplant hat“, sagt Riedesel. Am Rand der Anlage entsteht ein Gebäude für die Technik, mit Rechenzentren und drei Arbeitsplätzen. Die Anlage soll nicht dauerhaft besetzt werden, sondern nur für Wartungszwecke.

Rundherum nimmt die Anlage weiter Form an. Bagger und Kräne arbeiten im Minutentakt, Geräte zum Vermessen stehen bereit. Durchschnittlich etwa 30 Personen arbeiten derzeit auf der Baustelle. Manche der metallenen Streben bilden Portale. Andere sehen ein bisschen aus wie Kerzenständer mit schwarzen Spiralen darauf. „Das sind die Isolatoren. Sie sorgen dafür, dass man keinen Stromschlag bekommt, wenn man unten ans Metall fasst“, erklärt Riedesel. Wegen der hohen Spannungen sind auch Abstandsvorschriften auf dem Gelände sehr wichtig. Denn man müsse das leitende Metall nicht einmal anfassen, um einen Schlag zu bekommen, sagt Land. Die Spannung kann auch als Blitz durch die Luft wandern.

Keine Stahlseile mehr für Segelflieger

Auch auf manche Nachbarn wirkt sich das neue Werk aus. So beispielsweise auf den Segelflugplatz. „Sie mussten ihre Schleppseile von Stahl auf Nylon umstellen“, erklärt Projektsprecherin Heidl. Denn ein Stahlseil – also ein Stromleiter – sollte besser nicht versehentlich in das Umspannwerk fallen. Ein anderes Thema, das die Umgebung betrifft, ist der Lärm der Transformatoren. Sie werden später in Richtung der Straße stehen, wo er weniger ins Gewicht fällt. Zusätzlich sollen Schallschutzwände dafür sorgen, dass die Lärmbelastung im Umfeld möglichst gering bleibt. Man sei um ein gutes Miteinander mit den Nachbarn bemüht, sagt Heidl.

Bis dahin bleibt auf der Baustelle noch viel zu tun. Noch ragen die Stahlstreben wie Gerippe in den Himmel, noch liegen Schläuche, Kabel und Schotter wild durcheinander. Doch in ein paar Jahren wird hier kaum noch etwas an die Baustelle erinnern. Dann fließt der Strom aus den Windparks der Region über Dannstadt in weit entfernte Städte – und die Anlage, die heute noch wie ein Rohbau wirkt, wird zu einem unsichtbaren, aber unverzichtbaren Teil der Energiewende.

x