Ludwigshafen Wühlmäuse und Dreckspatzen
Rheindeiche auf rund 120 Kilometern Länge liegen im Zuständigkeitsbereich der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd. Rund 20 Kilometer davon befinden sich auf Ludwigshafener Gemarkung. Bei der jährlichen Schau des Rheinhauptdeichs sind die Hochwasserschutzbauwerke von den Experten gestern inspiziert worden.
„Bis jetzt hatten wir ein paar Wühlmäuse, aber keine Beeinträchtigung der Deichsicherheit“, sagte Betriebsleiter Normen Karg auf dem Weg von Altrip zur Kammerschleuse am Tor 6 der BASF. Ein beruhigender Befund, schließlich wurde hier seit 2010 viel Geld in den Hochwasserschutz investiert. Alleine 14 Millionen Euro waren es zwischen Altrip und Rheingönheim, rechnet Wolfgang Koch als Leiter der Deichmeisterei vor. Beim Zwischenstopp an der im vergangenen Sommer eingeweihten Rehbachschließe zeigt sich, wohin das Geld geflossen ist. Der Neubau der Schließe hat fünf Jahre gedauert. Zwischen Rheingönheim und Altrip mündet der 29 Kilometer lange Rehbach in den Rhein. Ein großer Deich soll bei Rheinhochwasser das Hinterland schützen. Damit der Rehbach in hochwasserfreien Zeiten in den Rhein abfließen kann, wurde im 19. Jahrhundert die Schließe gebaut – eine schließbare Lücke im Deich. Bei Hochwasser befördert ein Pumpwerk das Wasser aus dem Bach in den Rhein und verhindert eine Überschwemmung des Hinterlands. Die Schließe wurde landeinwärts verlegt und neu gebaut. Eine neue Hochwasserrückhaltefläche über 19 Hektar ist zudem dadurch entstanden. Doch trotz aller neuer Neuerungen: Alles ist am Deich entlang der K 7 nicht in bester Ordnung. Und das liegt nicht an den Wühlmäusen, sondern an Zweibeinern, wie die Vertreter der unteren Naturschutzbehörde als Teilnehmer der Begehung feststellten. „Der Deich ist an einigen Stellen so vermüllt, dass wir ihn nicht regulär mähen und das Gras entsorgen können“, bedauerte Betriebsleiter Karg. „Hier müssen wir eventuell nach anderen Lösungen suchen.“ Insgesamt sei die Situation aber zufriedenstellend. „Wir haben hier in den letzten vier, fünf Jahren viel investiert und sind für ein Hochwasser, wie es etwa alle 120 Jahre vorkommt, gerüstet“, sagte Wolfgang Koch als Leiter der Deichmeisterei. Der umstrittene Polder bei Altrip sei lediglich ein „Zusatzpaket“ als Vorbeugung einer 200-jährigen-Hochwasserkatastrophe. Jedes Jahr wird der gesamte Deich abgelaufen. Rund 45 Kilometer der Hochwasserschutzanlage zwischen Speyer und Bobenheim-Roxheim liegen dabei in Kochs Zuständigkeit. Dabei begehen die SGD-Experten die Strecke nicht alleine, laden auch Anlieger, Kommunen und Nachbarn zur Begehung ein. Forst- und Landwirte sind bei der rund 15-köpfigen Gruppe dabei, die sich von Altrip aus auf den Weg nach Ludwigshafen macht, aber auch Vertreter von Naturschutzbehörde, Wasserschutzbehörde und aus dem Bereich Tiefbau der Verwaltung. „Sie haben darauf einen anderen Blick und können auch Anregungen geben“, erläuterte Koch. Die Spaziergänger sind also echte Experten, die sich gestern von der Rehbachschließe hin zum Kaiserwörthdamm und ans untere Rheinufer an der Kammerschleuse aufmachten. Auf ihrem Weg sahen die Experten vor allem Neubauten der Schutzanlage. „Insgesamt sind wir hier fertig, wollen nur noch die eine oder andere Hecke zurückschneiden“, sagte Karg bei einem der Stopps kurz vor dem Giulini-Deich. „Das machen wir aber erst im kommenden Winter“, sagte er zur Beruhigung der Naturschützer. Obwohl der Rheindeich zunächst einmal ein Zweckbau sei, habe man auch den Naturschutz stets im Blick, meinte er mit Blick auf die geschützte Zauneidechse, die am Rehbach vorkommt oder den Schmetterling Schwalbenschwanz, der für die Wiesenlandschaft am Oberrhein typisch ist. Auch wenn es gestern keinen Grund zur Beanstandung gab: „Die Deichbegehungen sind wichtig. Es ist für alle Beteiligten eine Gelegenheit, im Gespräch zu bleiben“, sagte Koch.