Wochenspiegel RHEINPFALZ Plus Artikel Von Rathaus-Träumen und rastlosen Osterhasen

Ach du dickes Ei!
Ach du dickes Ei!

Was uns diese Woche im Stadtgeschehen aufgefallen ist.

Berliner Platz: Neue Hoffnung

Passend zum Osterfest findet in Ludwigshafen derzeit eine passionierte Debatte über die Zukunft des „Metropol“-Lochs statt. Nach fast zehnjähriger Leidensgeschichte könnte sich etwas auf dem Berliner Platz tun und diese im Stadtbild klaffende Wunde geschlossen werden. Ein Investor aus Freiburg hat Interesse angemeldet und bietet an, dort ein Rathaus zu bauen. Nach langem Stillstand und vielen falschen Versprechungen macht sich Hoffnung in der Stadt breit. Nicht nur die Stadtspitze und die Politik freuen sich über diese vorösterliche Überraschung. Die Bürgerinitiative „Lebenswertes LU“ sieht in dem Rathaus-Projekt eine Chance, den ganzen Platz neu und attraktiver zu gestalten. Die Vorschläge sind durchaus überlegenswert: Kein Autoverkehr mehr, eine von den Straßenbahngleisen getrennte und großzügigere Bushaltestelle, mehr Grün und Aufenthaltsqualität. Das alles könnte zu einer „Wiederauferstehung“ des Südpols der Innenstadt führen. Für reichlich Gesprächsstoff dürfte auch nach Ostern gesorgt sein.

Ruchheim: Osterhase im Dauereinsatz

Wie gut, dass Ostern aus zwei Feiertagen hintereinander besteht. Diese Auszeit wird der Osterhase brauchen, wenn er heute in Ruchheim durch ist. In aller Früh, um 8 Uhr, kann er bereits dem Landtagsabgeordneten Gregory Scholz assistieren, wenn der in der Ortsmitte Schokoladenexemplare seiner Spezies verteilen will. Der Sozialdemokrat unterstützt seinen Genossen Michael Hwasta, der bei der anstehenden Kommunalwahl Amtsinhaber Dennis Schmidt das Ortsvorsteheramt streitig machen will. Mit den süßen Präsenten wolle man den Ruchheimern „eine kleine Freude bereiten“. Ob das der leibhaftige Osterhase beim Anblick angeknabberter Schokoladenohren seiner Artgenossen genauso empfindet, sei dahingestellt. Viel Zeit, um sich in Phantomschmerzen zu ergehen, bleibt ihm ohnedies nicht. Am frühen Nachmittag muss er weiterhoppeln auf die Vogelwiese. Dort werden mehrere Hundert Besucher erwartet, um den Nachwuchs auf Eiersuche zu schicken. Einen roten Schokohasen besitzen die Kleinen bestenfalls schon aus der Vormittagstour. Gastgeber des vergnüglichen Nachmittags auf der grünen Wiese sind Ortsvorsteher Schmidt und sein CDU-Ortsverein. Wer von österlichem Süßkram schon genug hat, kann alternativ in eine Bratwurst vom Grill beißen. Bis zur Kommunalwahl sind es zwar noch ein paar Wochen, aber bis dahin ist den erwachenden Wahlkämpfern jede Gelegenheit willkommen, beim Wahlvolk von morgens früh bis abends spät Appetit zu machen auf den Wahlgang. Nach so viel Schokohasen und Ostereiern sind wir gespannt, was sie sich zu Pfingsten einfallen lassen. Wie wusste schon Bertolt Brecht treffend: „Pfingsten sind die Geschenke am geringsten“.

Wahlkampf: Mit verschiedenen Zungen

Wenn Weihnachten das Fest der Liebe und Ostern das Fest der Hoffnung ist, dann kann man Pfingsten wohl als das Fest der Verständigung bezeichnen. Bisher ist dieses Fest von der Süßwarenindustrie und dem Kommerz glücklicherweise noch nicht vereinnahmt worden. Es böten sich allenthalben auch nur Fremdsprachenlexika zum Verschenken an. Schließlich konnten an Pfingsten die Jünger Jesu plötzlich mehrere Sprachen sprechen und der multikulturellen Gesellschaft in Jerusalem predigen – und alle Menschen verstanden sie. Von diesem Wunder sind wir in Wahlkampfzeiten leider gerade ziemlich weit entfernt. Alle Kommunalpolitiker melden sich derzeit zu allem zu Wort und hoffen damit, ihre Anhänger hinter sich zu vereinigen. Der Heilige Geist oder eine andere göttliche Eingebung ist bisher nicht über die Jünger der Parteien gekommen. So werden sie bis zum Wahltag weiter mit verschiedenen Zungen sprechen.

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