Mannheim
Von Q6Q7 auf die Planken: Was eine dänische Lifestylekette in Mannheim erfolgreich macht
Für Q6Q7 ist es ein schmerzvoller Abgang, für die Planken dagegen eine Bereicherung: Die dänische Einzelhandelskette Søstrene Grene hat angekündigt, das Mannheimer Quartier zu verlassen. Das Unternehmen will am 20. Februar auf der nur einen Steinwurf entfernten Einkaufsmeile einen Laden mit neuem Konzept eröffnen. Das Sortiment besteht aus Wohnaccessoires, Kleinmöbeln, Bastelartikeln, Spielwaren, Küchenutensilien, Schreibwaren und vielen weiteren Produkten. Die Schlagworte Interieur und Lifestyle dürften das, was das Geschäft im Angebot hat, ganz gut beschreiben.
Auf der Fläche im Quadrat P7 präsentierte früher der Fußball-Drittligist Waldhof Mannheim sein Sortiment. Seit Oktober 2025 verkauft der Verein Trikots und Co. in der Plankenhofpassage. Bis Sommer des vergangenen Jahres hatte die Warenhauskette Galeria den Laden auf den Planken übergangsweise für saisonale Sortimente genutzt. Der bekannten Mannheimer Einkaufsstraße, deren glorreiche Zeiten schon etwas zurückliegen, dürfte der neue Mieter an dieser exponierten Stelle gut tun.
Eine besondere Zielgruppe
Doch warum kehrt die dänische Einzelhandelskette Q6Q7 den Rücken? „Der Standort war supererfolgreich. Søstrene Grene wollte eine größere Fläche, aber die konnten wir nicht bieten. Wir hätten sie gerne behalten“, sagt Q6Q7-Quartiermanager Hendrik Hoffmann. Solche Wechsel seien in einem Einkaufszentrum eine natürliche Fluktuation und völlig normal. Einen langfristigen neuen Mieter habe man für die Fläche noch nicht, „aber sie wird nicht lange leer bleiben“. Übergangsweise könnte eine Pop-up- beziehungsweise Entertainment-Fläche dort entstehen. Aktuell gibt es bei den Ladenflächen in Q6Q7 vier Leerstände.
Die Eröffnung auf den Planken kündigt Søstrene Grene für den 20. Februar an. Mit 470 Quadratmetern soll der neue Laden mehr als doppelt so groß sein wie die bisherige Filiale in Q6Q7. „Wir sind sehr gerne in Mannheim, und unser Store in Q6Q7 war äußerst erfolgreich. Umso mehr freuen wir uns, unsere Kundinnen und Kunden künftig in einem größeren Geschäft mit unserem sensorischen Store-Konzept begrüßen zu dürfen“, so Unternehmenschef Mikkel Grene, der auch Mitinhaber von Søstrene Grene ist. Er bezeichnet Mannheim in einer Mitteilung als „lebendige Stadt mit vielen Studierenden“ und ist optimistisch, mit dem neuen Konzept besonders diese Zielgruppe anzusprechen.
Was hat es mit dem Konzept auf sich?
Das neue Konzept von Søstrene Grene setzt auf ein intensives Erlebnis, in dem die dänische Glückphilosophie „Hygge“ im Mittelpunkt steht. Der Begriff beschreibt ein Lebensgefühl von Geborgenheit, Wärme, Entspannung und Genuss im Alltag. Der Trubel der Einkaufsstraße vor der Tür soll drinnen im Idealfall schnell vergessen sein. Das Ladenlayout erinnert an einen Irrgarten. Skandinavisches Design und wechselnde Themenwelten sollen Kunden neugierig machen. All das sei von der Idee der Stadt inspiriert, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Breitere Wege sollen an Boulevards, schmalere an kleine Gassen erinnern. Hohe Regale würden das Bild von Wolkenkratzern aufgreifen.
Søstrene Grene macht es sich nach eigenen Angaben seit 1973 zur Aufgabe, Schönheit und Freude in den Alltag zu bringen. Das Familienunternehmen wird heute von der zweiten Generation nach den Gründern vom Hauptsitz in Aarhus, Dänemark, aus geführt. Die Geschäfte werden auf Joint-Venture- oder Franchise-Basis betrieben. Die Kette verfügt weiteren Angaben zufolge über 380 Filialen in ganz Europa und betreibt derzeit Onlineshops in 15 Märkten. Die erste deutsche Filiale eröffnete 2016 in der Hamburger Innenstadt. Seitdem ist das Unternehmen nicht nur in Deutschland auf Wachstumskurs. In Lüneburg eröffnete im November des vergangenen Jahres die 100. Filiale hierzulande. Dort sollen vor allem viele junge Frauen schon vor der Ladenöffnung Schlange gestanden haben.