Adventskalender RHEINPFALZ Plus Artikel Von Gastgeschenken, bunten Fahnen und dem Rathausfunk

Marcel Jurkat mit Gaben aus den Partnerstädten.
Marcel Jurkat mit Gaben aus den Partnerstädten.

Der Countdown läuft: Am Jahresende schließt das Rathaus-Center – 42 Jahre nach seiner Eröffnung. Ab 2022 wird der Abriss des 72 Meter hohen Rathausturms eingeleitet. Das schafft Planungssicherheit für den Rückbau der Hochstraße Nord, spart Zeit, Geld und vereinfacht die Entwicklung des Quartiers City West. Wie bewegt Ludwigshafener der Abschied? Heute öffnen wir das Türchen für Marcel Jurkat.

Die Geschenke, gute Gaben aus den Partnerstädten Ludwigshafens, lagerten im Rathaus-Keller. „Es ist gar nicht so einfach, das Rathaus leer zu räumen“, berichtet Marcel Jurkat. Viele Jahre hatte er sein Büro als Protokollchef, Leiter der Repräsentation und Städtepartnerschaft, ganz an der Spitze des Hochhauses. Mit dem Blick aus dem 15. Stock kann man den aus seinem jetzigen Zimmer gleich neben der Post nicht vergleichen. Bald soll der Abriss des Rathaus-Centers beginnen. Um es noch einmal von außen anzugucken, muss er auf den Flur gehen. An das 15. Stockwerk erinnert er sich gern. Doch auch von vielen anderen Geschossen und Aufgaben kann er erzählen. Seit 1990 arbeitet Jurkat in der Verwaltung der Stadt. Als Protokollchef ist er nicht nur für den Ablauf von Besuchen, die Rednerreihenfolge oder Sitzordnung zuständig. Zu seinen Aufgaben gehören auch die Verwaltung der Geschenke sowie die Beflaggung des Rathauses und der städtischen Gebäude.

Im Rathaus nach oben

Für viele Ludwigshafener müssten die Flaggen angesichts des bevorstehenden Abrisses ihres Rathauses auf Halbmast stehen. „Mein Herz hängt am Rathaus“, bekennt auch Jurkat. Mit 14 hat der gebürtige Wormser sich hier eine Briefmarke mit Sonderstempel zur Einweihung 1979 abgeholt. Nach dem Studium der Verwaltungswissenschaften und der Betriebs- wirtschaftslehre, ging es für ihn im Rathaus nach oben, räumlich und auch die Karriere betreffend. Im achten Obergeschoss war er für Wirtschaftsförderung zuständig, im 13. für Schule und Kultur, Organisation und Personalentwicklung betrieb er im zwölften Stock. 2000 war er als persönlicher Referent von Oberbürgermeister Werner Ludwig im 15. Stock angekommen.

Schnelle Fahrstühle

Mit besonderen Gästen ist er den Oberbürgermeisterinnen manchmal aufs Dach gestiegen. Wenn man die Technik-Etagen im 16. und 17. Stock überwunden hatte, konnte man im 18. Obergeschoss auf der Dachterrasse den Blick über Ludwigshafen genießen. Nur wenige Menschen hatten auch Zugang zum 14. Stock. Hier lagen im Tresor so wichtige Dinge wie die Amtskette und das Goldene Buch der Stadt. „Die sind ideell äußerst wertvoll“, erklärt Jurkat, der Hüter und Bewahrer der Stadtinsignien. Gern war er in einem der vier Fahrstühle unterwegs. „Die waren so schön schnell“, erinnert er sich. Trotzdem war man nach einer Fahrt vom Keller bis zum 15. Stock zumeist bestens informiert. „Das war der Rathausfunk“, meint er augenzwinkernd. Vielleicht gab es hier auch gute Geschenktipps zu Weihnachten oder was man Freunden bei einem Besuch mitbringen kann.

Bunte Teppiche aus Sumgait

„Wo soll die Vitrine mit den Gastgeschenken aus dem ersten Stock hin?“, fragte Jurkat sich angesichts des bevorstehenden Abrisses eine ganze Weile. Für die besonders schönen Stücke ist bereits ein Plätzchen gefunden, im Stadthaus am Berliner Platz wird man sie bald bewundern können. Bunte Teppiche aus der aserbaidschanischen Partnerstadt Sumgait liegen auf dem Boden seines Büros. „Im Keller gehen nur die Motten rein“, erklärt Jurkat. Ein Lagerraum für die Geschenke aus dem Keller ist bereits gefunden. Porzellantassen, Handtücher, Tragetaschen oder Schlüsselanhänger aus Pasadena in den USA, Lorient in Frankreich, Havering in Großbritannien, Sumgait, Dessau-Roßlau in Deutschland, Antwerpen in Belgien und Gaziantep in der Türkei befinden sich nun im Hauptpostgebäude. Bildbände und Bücher sind mittlerweile in der Stadtbibliothek, Urkunden im Stadtarchiv, gerahmte Bilder und Fotos hängen im Büro Städtepartnerschaften und auch das Stadtmuseum hat ein paar Geschenke abbekommen. „Im Büro der Oberbürgermeisterin haben sie nichts zu suchen, das muss neutral sein“, meint Jurkat.

Fahnen wehen noch

Weihnachtsgeschenke kaufen die Ludwigshafener meist nicht mehr in den Geschäften des Einkaufszentrums im Erdgeschoss des Rathaus-Centers. Immer mehr Lichter gehen in der Adventszeit rund um das Wahrzeichen Ludwigshafens aus, statt an, doch die Fahnen im ersten und im dritten Stock wehen noch im Wind. „Nein zu Gewalt gegen Frauen“, steht am 30. November auf den acht Fahnen im dritten Stock. Am 25. November war der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Der Beflaggungskalender gibt wichtige Staatstermine wie den Tag der deutschen Einheit, den Verfassungstag von Land und Bund oder den Europatag vor, aber auch gesellschaftlich relevante wie den Tag des Kindes oder den LGBTQ-Tag (lesbisch, schwul, bisexuell transgender und queer). Für jeden Anlass gibt es die richtige Flagge. Wo die bunten Fahnen in Zukunft wehen werden, ist noch ungewiss.

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