Ludwigshafen Von Berufswechseln, Baukästen und „Bimbes“

Unschuldsengel: Die Weihnachtspost aus Ludwigshafen wird wieder einmal vermisst.
Unschuldsengel: Die Weihnachtspost aus Ludwigshafen wird wieder einmal vermisst.
Liebes gutes Christkind,

ich freue mich so auf das neue Jahr. Du hast es bestimmt im Himmel mitbekommen, das pfeifen gewissermaßen ja die Engel von den Wolken: Ich höre nach 16 Jahren als Oberbürgermeisterin meiner Heimatstadt auf, für die mein Herz immer schlagen wird. Endlich habe ich wieder ein Privatleben. Du bist mir während meiner Amtszeit still und treu zur Seite gestanden, und dafür möchte ich Dir danken. Du hast viele meiner Wünsche erfüllt und mir geholfen, die Geschicke meiner Heimatstadt, der Metropolregion und des Deutschen Städtetags zu lenken. Leider haben dies die Stadtgesellschaft und besonders die Landesregierung nicht ausreichend zur Kenntnis genommen. Deshalb kannst Du meinen letzten Weihnachtswunsch als OB bestimmt nachvollziehen: Ich wünsche mir von Dir, dass der wunderbare Film über meine Amtszeit, der bei meiner Abschiedsgala im Pfalzbau lief, als Eröffnungsfilm beim Festival des Deutschen Films auf der Parkinsel läuft. Die 1000 Gäste im Pfalzbau waren begeistert. Und ich glaube schon, dass mein Bilanzfilm hat das Zeug hat, um den Publikumspreis beim Festival zu gewinnen. Herzlichst, Deine Eva L. Glückauf Christkind, ich danke Dir vielmals, dass Du mir meinen Herzenswunsch vom vergangenen Jahr erfüllt hast: Ich bin ab Januar die neue Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen. Ich freue mich wahnsinnig. Das ist der verdiente Lohn von zwei Jahren harter Arbeit. Ich werde jetzt meine Ärmel hoch- und die Stadt umkrempeln. Dafür brauche ich Deine Hilfe. Gemeinsam mit Dir will ich mutig an der Zukunft Ludwigshafens arbeiten. Im Europaparlament war mir die soziale Gerechtigkeit besonders am Herzen gelegen. Wusstet Du, dass 59 Prozent der Praktikanten in Europa für ihre Arbeit nicht bezahlt werden? Bei mir hat’s das nicht gegeben. Und als „OB-Praktikantin“ wird’s das zum Glück auch nicht geben – ich werde als politische Beamtin ordentlich besoldet. Doch das wird nicht reichen, um alle meine Versprechen zu erfüllen. Deshalb wünsche ich mir von Dir zu Weihnachten ein Füllhorn: Dann bekommt die FWG ihr Kombibad, für die Grünen gibt’s bessere Nahverkehrsangebote und neue Radwege, die GAG kann dann 3000 neue Wohnungen bauen. Und ich kann Vereins-, Baustellen- und Bürgerbeauftragte in der Verwaltung finanzieren. Deine Jutta S. Liebes Christkind, mit „Bimbes“ hab ich nichts am Hut, auch wenn ich jetzt bei der CDU in Ludwigshafen eine wichtige Rolle spiele. Und damit sind wir schon beim Thema: Helmut Kohl. Der Kanzler der deutschen Einheit hat mich meinen Wahlsieg bei der OB-Wahl gekostet. Ich habe mich von meinen Parteifreunden dazu überreden lassen, kurz vor der Wahl den Antrag im Stadtrat zu stellen, die Rheinallee in Helmut-Kohl-Allee umzubenennen. Alles kein Problem, die Bürger freuen sich darüber, haben sie zu mir gesagt. Und dann? Ist ein Proteststurm losgebrochen. Eine echt ueble Sache. Keiner wollte in einer Straße wohnen, die nach Kohl benannt ist. Eine bittere Pille. Da hilft mir jetzt nur noch himmlischer Beistand: Es muss sich doch im 500 Kilometer langen Ludwigshafener Straßennetz ein Plätzchen für unseren „Helle“ finden. Ich zähle bei der Suche auf Dich – wir sind ja beide Christdemokraten, oder? Dein Peter Ue. Sehr geehrtes Christkind, kurz und bündig: Ich wünsche mir von Dir einen großen Baukasten. Damit kann ich alle Varianten meiner Projekte als Baudezernent vorab durchspielen, und dann klappt das bei der Ausführung künftig auch besser. In letzter Zeit ist beim Tiefbau und den Hochstraßen ziemlich viel schiefgelaufen, aber das lag überhaupt nicht in meiner Verantwortung. Und die Bürger glauben mittlerweile, dass ich meinen Laden nicht im Griff habe. Das ist Quatsch. Und das weißt Du ganz genau, denn Du hast ja den Überblick über alles, was sich hier auf der Erde abspielt. Dein Klaus D. Hallo Christkind, wir zwei schreiben nur noch gemeinsame Wunschzettel, weil zwischen uns kein Blatt Papier passt. Wir wünschen uns erneut von Dir, dass endlich diese unselige Debatte über Ämtermauschelei aufhört. Einer von uns hat dem anderen brüderlich seinen Job als GAG-Chef überlassen und der andere hat dafür die Parteifreundin des künftigen Altvorstands zu seiner persönlichen Referentin gemacht. Ist da was dabei? Nein! Wir haben bei der Chefstelle ein kostspieliges Auswahlverfahren vermieden. Und von den über einem Dutzend Bewerbern für den Job der Vorstandsreferentin war die Constanze einfach am besten qualifiziert. Außerdem kennen wir sie ja schon bestens. Übrigens: Wenn Du unseren Wunsch berücksichtigst, haben wir für den Rest des Jahres auch noch einen Job für Dich. Du bist ja nur ein Saisonarbeiter. In diesem Sinne, Wolfgang van V. & Ernst M. Liebes Christkind, ich wünsche mir von Dir einen Goldesel. Ich habe ein Loch auf dem Berliner Platz gegraben und muss dort noch das „Metropol“-Hochhaus bauen. 70 Millionen Euro soll das kosten. Aber leider ist mir das Geld ausgegangen. Die Leute hier in Ludwigshafensagen schon, mein Projekt wäre mehr „Metro“ als Südpol-Magnet. Ich brauche dringend himmlischen Beistand, sonst wird das nichts mehr. Dein Günther T.

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