Ludwigshafener Geschichte(n) RHEINPFALZ Plus Artikel Von Artischocken bis zum Aluminium

Die Gebrüder Giulini gründeten die erste chemische Fabrik in Ludwigshafen, die Ende des 19. Jahrhunderts dann nach Mundenheim in
Die Gebrüder Giulini gründeten die erste chemische Fabrik in Ludwigshafen, die Ende des 19. Jahrhunderts dann nach Mundenheim in die Nähe des Rheins verlegt wurde.

Wenn heute einer „zum Italiener“ geht, meint man damit den Besuch einer Gaststätte mit mediterranen Spezialitäten und südländischen Namen wie „Bella Capri“. Vor vielen Jahrzehnten, als Zuwanderer aus Italien in der Kurpfalz eher Seltenheitswert besaßen, hatte der Begriff eine ganz andere Bedeutung.

Damals ging man zum Einkaufen von Mandeln, Feigen und Oliven, Südweinen und Gewürzen in ein Kolonialwarengeschäft – zum „Zitronenkrämer“, den Spezialisten für derlei exotische Dinge. Doch die Italiener, die in die Pfalz auswanderten, waren dort auch wegen anderer Talente gefragt – etwa als Architekten, Baumeister und Eisproduzenten, Chemiker, Unternehmer oder Kaufleute.

Nachhaltige Spuren seiner beruflichen Tätigkeit in der Kurpfalz hat auf jeden Fall Franz Wilhelm Rabaliatti (1716-1782) hinterlassen, einer der bedeutendsten Barockbaumeister der Kurpfalz. Er wirkte am Schlossbau in Mannheim, Schwetzingen und Birkenau mit, stand auch für die prächtige Jesuitenkirche und die Mannheimer Sternwarte am Reißbrett und plante Kirchenbauten in Maudach, Mutterstadt, Nußloch, Gleisweiler und Pleisweiler.

Aluminium-Könige

Um diese Zeit sorgte auch Peter Anton Berizzi im südpfälzischen Berg für Aufschwung, als er eine Mühle übernahm, die er zu einem landwirtschaftlichen Zentrum für die Getreidebauern aus der Südpfalz, dem Nordelsass und rechtsrheinische Gemeinden ausbaute. Die Mühle wurde vor wenigen Jahren stillgelegt – ebenso wie die mit großen Ambitionen erbaute Aluminiumhütte der Industriellen-Familie Giulini in Ludwigshafen-Mundenheim. Dabei galten die Giulinis lange Zeit europaweit wegen ihrer technischen Pioniertaten als „Könige des Aluminiums“

1823 gründeten Paolo Francesco und sein Bruder Giovanni Battista die „Gebr. Giulini GmbH“, die erste chemische Fabrik Ludwigshafens auf dem Gelände des heutigen Hack-Museums für die Herstellung von Schwefelsäure, die 1893 in den Süden der Stadt nach Mundenheim verlegt wurde. Der in Mannheim geborene Gründersohn Georg Giulini (1856-1954) wollte dank seiner erfolgreichen Forschungen schon früh einen internationalen Aluminium-Konzern schmieden – doch dann kam ihm der Erste Weltkrieg dazwischen. Die folgenden Generationen blieben „dran“ - und scheiterten am Ende krachend.

Mit hohen Strompreisen kam das Aus

Der in Heidelberg wohnende Udo Giulini, promovierter Jurist und auch Bundespolitiker, stampfte auf seinem Gelände am Mundenheimer Rheinufer eine hochmoderne Aluminiumhütte aus dem Boden, die nach erfolgreichen Jahren zwischen die Mühlsteine mächtiger Energiekonzerne geriet: Als diese die Strompreise überproportional anhoben, kam für das energieabhängige Unternehmen das „Aus“ - auch Bundeskanzler Helmut Kohl konnte seinem Parteifreund Udo Giulini nicht helfen. Der Ludwigshafener Industrielle saß von 1965 bis 1972 für die CDU im Bundestag und war obendrein von 1974 bis 1979 Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Pfalz.

Andere italienische Wirtschaftsbosse mit Sitz in der Pfalz arbeiteten auf niedrigerer Ebene – aber überaus erfolgreich. Der in Landstuhl geborene Kaufmann und Politiker Joseph Benzino (1819-1899) war zudem einer der größten Kunstmäzene seiner Zeit: Seine wertvolle rund 150 Bilder große Gemäldesammlung vermachte er 1903 posthum dem Gewerbemuseum Kaiserslautern – daraus entstand die überregional bedeutsame Pfalzgalerie. Kein Wunder, dass der Benzinoring in Kaiserslautern und ein Park in Kusel heute seinen Namen tragen.

Eis-Dynastie aus Speyer

Wer in den 1920er- und 30er-Jahren in der Kurpfalz „beim Italiener“ ein Eis genießen wollte, setzte sich meist in eine der Eisdielen der Bertolinis – die gab es in Speyer, Neustadt, Landau, Germersheim, Kaiserslautern, Heidelberg, Weinheim und Bruchsal. Gegründet hatte diese Kette 1925 Florino Bertolini, der aus der Nähe von Triest stammte, nach Speyer umsiedelte und ursprünglich auch mit Südfrüchten handelte.

Nachfahre Udo Giulini war auch CDU-Politiker,
Nachfahre Udo Giulini war auch CDU-Politiker,
Arbeiter bei Giulini.
Arbeiter bei Giulini.
Die „Kutt“ trugen früher viele Giulini-Arbeiter.
Die »Kutt« trugen früher viele Giulini-Arbeiter.
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