Adventskalender RHEINPFALZ Plus Artikel Vom geheimen Schlüssel und einer undichten Fassade

Thomas Breier, langjähriger Mitarbeiter des Ludwigshafener Baudezernats, lebt heute in Bad Dürkheim.
Thomas Breier, langjähriger Mitarbeiter des Ludwigshafener Baudezernats, lebt heute in Bad Dürkheim.

Der Countdown läuft: Am Jahresende schließt das Rathaus-Center – 42 Jahre nach der Eröffnung. Ab 2022 wird der Abriss des 72 Meter hohen Rathausturms eingeleitet. Das schafft Planungssicherheit für den Rückbau der Hochstraße Nord, spart Zeit und Geld und vereinfacht die Entwicklung des Quartiers City West. Was sagen Ludwigshafener dazu? Heute öffnen wir das Türchen für Thomas Breier.

Als langjähriger Mitarbeiter des Baudezernats hat Thomas Breier etliche Geschichten in und um das Ludwigshafener Rathaus-Center erlebt. Zu Beginn seiner Berufstätigkeit im Jahr 1973 war das Baudezernat allerdings noch im Stadthaus Nord untergebracht. Und für dieses besaß Breier lange Zeit einen Schlüssel – unerlaubterweise, wie er offen zugibt. Schuld daran sei der Flächennutzungsplan gewesen, erzählt der heute 78-Jährige und schmunzelt. „1975 hat die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) angemahnt, dass Ludwigshafen noch keinen Flächennutzungsplan hat. Und plötzlich standen mein Vorgesetzter und ich vor der Frage: Wie macht man denn so einen Plan?“

Dass die Angelegenheit sehr viel mit Flurwinden, Feldhamstern oder auch Wünschen der BASF zu tun hatte, habe er damals schnell gemerkt. „Zudem musste das Ganze von vorne bis hinten ja auch Hand und Fuß haben, denn jeder Stadtrat liest das und muss darauf basierend auch Entscheidungen treffen“, sagt Breier. Und so kam es, dass er sich damals die Nächte im Stadthaus Nord um die Ohren schlug, weil insgesamt 200 Seiten Flächennutzungsplan fertig werden mussten. „Es verstößt natürlich gegen das Arbeitsrecht, wenn man bis nachts um 3 Uhr im Büro ist, deshalb habe ich es niemandem erzählt.“ Wo Breier den Schlüssel her hatte? Wie so oft im Leben haben die berühmten „Beziehungen“ eine entscheidende Rolle gespielt. „Ich kannte den Hausmeister“, verrät der 78-Jährige, „er kam wie ich aus Sachsen-Anhalt, und wir haben uns angefreundet.“

Bauliche Probleme beim Rathaus-Center

Spätestens im Jahr 1979 hatte sich die Sache mit dem heimlichen Schlüssel allerdings erledigt, denn in diesem Jahr ist das Baudezernat laut Breier ins Rathaus-Center umgezogen. „Mein neuer Arbeitsplatz war im dritten Stock – und zwar so lange, bis ich 2008 in Rente gegangen bin.“ Dass das Ludwigshafener Rathaus am Ende jetzt kaum älter als 40 Jahre wird, erachtet Breier als eine „Katastrophe“. Was viele Bürger nicht wüssten: „Die Fläche der Stadt Ludwigshafen ist aufgeschüttet – hier liefen früher Rheinarme entlang.“ Insbesondere für Hochhäuser sei das ein nicht unerhebliches Problem, weil daraus bauliche Probleme resultieren können, merkt Breier an.

Das Rathaus-Center sei zum Beispiel aus Beton und Stahl gebaut. „Aber die Fassade ist eine aus einzelnen Elementen bestehende Metallfassade, in die die Fenster eingelassen sind. Wenn sich da irgendetwas verschiebt, und sei es nur wenige Millimeter, wird die Fassade undicht“, erklärt Breier. Tatsächlich seien im Rathaus-Center über die Jahre kleine Lücken zwischen den Metallelementen entstanden, was dann zur Folge gehabt habe, dass die Klimaanlage irgendwann nicht mehr richtig funktionierte.

Wo kommen die Mäuse her?

Dass die „Hülle“ des Rathaus-Centers aus vielen Einzelteilen besteht und das Gebäude gleichzeitig auf aufgeschüttetem Gelände gebaut wurde, hält Breier noch heute für eine schlechte Entscheidung. Ob Lücken zwischen den Metallelementen der Rathaus-Center-Fassade auch schuld daran sind, dass es beim Baudezernat im dritten Stock mal Mäuse gab? Ganz sicher ist sich Thomas Breier da nicht, aber diese Geschichte soll mit dem nächsten Adventskalendertürchen erzählt werden.

Das Rathaus-Center wird ab 2022 abgerissen.
Das Rathaus-Center wird ab 2022 abgerissen.
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