Ludwigshafen Vom Dachdecker bis zum Landschaftsgärtner

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Gleich 158 Jubilaren hat der Bezirksverband Rheinhessen Vorderpfalz der IG Bau für ihre langjährige Treue gedankt. Paul Delnef aus Mainz und Werner Klippel (Nieder-Wiesen) brachten es dabei jeweils auf stolze 70 Jahre bei der Baugewerkschaft. Zehn Jubilare sind seit 65, zwölf seit 60, und gleich 26 seit ebenfalls schon stolzen 50 Jahren mit dabei.

„Ich würde jederzeit wieder in die Gewerkschaft gehen“, sagte Paul Delnef. Er engagierte sich jahrelang als Vorstandsmitglied und erlebte bei vier Gewerkschaftstagen unter anderem 1996 die Vereinigung der IG Bau-Steine-Erden und der Gewerkschaft Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft zur heutigen IG Bau. Heute ist sie die fünftgrößte Einzelgewerkschaft Deutschlands. „Vom Dachdecker bis zur Landschaftsgärtnerin decken unsere Mitglieder ein breites Branchen-Spektrum ab. Hier kommt ein enormer Erfahrungsschatz zusammen“, sagte der Bezirksvorsitzende Manfred Kaltenbrunner, der in seiner Rede die Jubilare bei der Feierstunde in Oggersheim am Samstag zu einer gemeinsamen Zeitreise durch Politik-, Gesellschafts- und Gewerkschaftsgeschichte eingeladen hatte. „Vor 70 Jahren hatten wir zum ersten Mal seit der Zerschlagung der Gewerkschaften wieder 1. Mai-Kundgebungen abgehalten“, erinnerte er an den Wiederbeginn der Gewerkschaftsarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg und der Diktatur des Nationalsozialismus. 1946 war auch das Eintrittsjahr der beiden ältesten Jubilare. Es war auch das Jahr des Ausstandes der Kohlearbeiter im Hungerwinter. Die jetzt seit 65 Jahren aktiven Mitglieder traten 1951 der Gewerkschaft bei, die damals Zusatzrente und Schlechtwettergeld auf den Weg brachte. 1956 war das Jahr der Kampagne „Samstags gehört Vati mir“ für eine kürzere Wochenarbeitszeit, woran sich die 60-jährigen Mitglieder erinnern konnten. 1966 (50 Jahre Mitgliedschaft) war das Richtfest für das Gewerkschafts-Schulungs- und Erholungsheim in Steinbach im Taunus. 1976 (40 Jahre Mitgliedschaft ) enthielt die neue Arbeitsstättenverordnung erstmals Mindestanforderungen, traten Jugendarbeitsschutzgesetz und Mitbestimmungsgesetz in Kraft. 1991 (25 Jahre Mitgliedschaft), dem Jahr des Golfkrieges, setzten sich die Gewerkschafter nicht nur für den Frieden ein, sondern forderte ein Schnellprogramm für den Aufbau Ost nach der Wiedervereinigung, vor allem massive Investitionen in preiswerten Wohnraum für alle und die Infrastruktur. „Geschichte wiederholt sich“, meinte Kaltenbrunner dazu und verwies auf die aktuelle Wohnungsbaupolitik. Den langjährigen Mitgliedern dankte er für ihre Treue und für ihre über Jahrzehnte gelebte Solidarität im Kampf für die Gesellschaft. „Wir Arbeitnehmer haben Werte, die uns verbinden und das ist nicht Geld, sondern es ist die Solidarität“, sagte Kaltenbrunner. Diesen Gedanken müsse die Arbeitnehmerschaft weiter in die Jugend tragen. „Wir müssen uns auf unsere gemeinsame Stärke besinnen“, forderte er. |env

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