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Volker Stiltz feiert den FSV Schifferstadt
Auch wenn man Volker Stiltz nicht kennt, weiß man sofort, wer er ist. Denn der 55-jährige Fan des Landesligisten FSV Schifferstadt fällt auf. Erst recht, wenn man sein Umfeld mit einbezieht. Volker, seine Frau Regina und die 17 Jahre alte Tochter Maxine, stechen einem an diesem sonnigen, aber doch kühlen Sonntag in Fußgönheim ins Auge. Während fast alle anderen Besucher mit Jacken in eher gedeckten Farben das Spiel des heimischen ASV gegen den FSV Schifferstadt verfolgen, trägt die Familie Stiltz einheitlich Blau und Weiß. Und kurz bevor die Partie beginnt, wird eine riesige blau-weiße Fahne mit Flammen und einem symbolisierten Totenkopf gehisst.
Keine Frage, das müssen eingefleischte Fans des Landesligisten sein. Nicht nur am Verein Interessierte, sondern schon etwas mehr, wie Volker Stiltz erzählt. Vor Jahren war das noch anders. „Wir sind auch begeisterte Fans des 1. FC Kaiserslautern. Aber regelmäßig auf den Betzenberg zu fahren, wurde uns zu aufwendig. Mit dem FCK waren wir in ganz Europa unterwegs. Wir haben viel erlebt, aber es war auch sportlich eine Leidenszeit mit Abstiegen“, berichtet der Mann im blauen Kapuzenpullover, der mehr als 1000 Partien der Lauterer gesehen hat.
Geld kommt Projekten zugute
Gesucht wurde nun ein Verein in der unmittelbaren Umgebung. Und was lag da näher, als mal beim FSV vorbeizuschauen – zumal die Familie Stiltz seit rund 30 Jahren in Schifferstadt wohnt. „Wir kannten die Wirtsleute, einige Mitglieder und Sportvorstand Klaus Sabel“, sagt Volker Stiltz. Vor etwa acht Jahren wurde er vorstellig und fragte, ob er und seine Familie für die restlichen Begegnungen der Saison 2016/17 eine Dauerkarte erwerben könnten. Die gab es für 20 Euro, Frauen zahlten damals keinen Eintritt. Das war der Anfang einer großen Liebe zu dem als bodenständig geltenden Fußballclub, der für Zusammenhalt, Kameradschaft und Gemeinschaftssinn steht.
„2019 haben wir mit Gleichgesinnten den 13aaa Fanclub gegründet“, verdeutlicht Stiltz. Dieser Fanclub zählt inzwischen über 100 zahlende Mitglieder, was den Mitgründer nachvollziehbar stolz macht. Ein Großteil dieser Gruppe ist auch Mitglied beim FSV, aber auch andere haben sich der Fan-Vereinigung angeschlossen. 13 Euro beträgt der Jahresbeitrag und nimmt Bezug auf Gründungsjahr und Spitzname des Vereins (13er) – 23 Euro zahlen Familien. „Das eingenommene Geld wird komplett reinvestiert und kommt Projekten des FSV zugute“, erzählt Stiltz.
Im Besitz eines speziellen Autos
Das ist gut angelegtes Geld. Dafür wird beispielsweise ein Spielturm für Jugendliche und Kinder auf dem Gelände errichtet oder es werden die Kosten für die Mülleimer rund um den Sportplatz übernommen. Zudem wurden 500 Schweißbänder bedruckt.
Volker Stiltz stammt aus der Region Kusel. In der Jugend spielte er beim SV Konken und später als Libero beim FV Kusel in der A-Klasse. Seine Verbundenheit zum FSV lebt er sichtbar aus. Neben Jacken und T-Shirts in den Vereinsfarben hat er ein ganz spezielles Auto, auf dessen Seitentüren der Schriftzug „13aaa Fanclub on tour“ prangt. Außerdem wurde ein sechs Meter langes Banner mit dem Vereinsemblem und dem Begriff „Blue army“, also blaue Armee, bedruckt.
Das Wochenende der Familie richtet sich nach dem FSV aus. Auch zu Auswärtsspielen wird gefahren, unabhängig davon, ob diese Reise in der Mainzer Kante, nach Alzey oder in die Südpfalz führt. Egal, ob erste, zweite, dritte oder vierte Garnitur, ob Kinder- oder Jugendteams: „Wir haben jede Mannschaft schon gesehen, auch wenn es mitunter schwierig ist, alles unter einen Hut zu bringen. Vorrang hat aber die Landesligaelf“, erzählt Stiltz, der auch im Wirtschaftsausschuss des Vereins tätig ist.
Ein Fußballschuh mit Ehrenplatz
Man müsse schon etwas bekloppt sein, das alles abzudecken, sagt er. „Der FSV ist uns ans Herz gewachsen und hat bei mir, meiner Frau und unserer Tochter einen extrem hohen Stellenwert. Die Entwicklung des Vereins ist super, der Teamgeist faszinierend“, betont der 55-jährige Schlosser, der dank seines handwerklichen Geschicks auf dem Vereinsgelände öfter mal selbst mit anpackt. Zu der Familie gehört auch der im Saarland lebende Sohn Phillipp (20). Sie alle bekommen für ihr Engagement auch viel zurück. Sei es Einladungen zu Meisterfeiern, Essensgutscheine oder Trikots, die ihnen geschenkt werden.
„Wir sind akzeptiert, alle kommen auf uns zu. Als Sören Hengstberger zum FSV wechselte, hat er sich uns vorgestellt, und Tobias Grätz mögen wir wegen seiner Herzlichkeit besonders“, so Volker Stiltz. Die Kellerbar im Hause Stiltz ist dem Club gewidmet. An der Wand hängen unzählige FSV-Trikots sowie Shirts von Aufstiegen der diversen Teams. Ein Ehrenplatz hat ein Fußballschuh von Innenverteidiger Fabian Klein. „Den hatte er beim Elfmeterschießen gegen Steinbach an, als es um den Aufstieg in die Verbandsliga ging“, erinnert sich der 55-Jährige. Bis ins Wohnzimmer hat es das von der „Ersten“ unterschriebene Mannschaftsfoto geschafft. Dass weitere Erinnerungsstücke hinzukommen, gilt als sehr wahrscheinlich.
Die Serie
Wer seinen Verein vorbehaltlos unterstützt, bei Nässe und Kälte neben dem Platz steht oder einfach sich engagiert, steht im Mittelpunkt dieser Serie.