Ludwigshafen Virtuosen am Werk: Gidon Kremer im BASF-Feierabendhaus
Wobei die Lobeshymne auch den beiden ebenfalls aus dem Baltikum stammenden jungen Mitstreitern des Spitzengeigers gelten soll: der litauischen Cellistin Giedré Dirvanauskaité und dem lettischen Pianisten Georgijs Osokins. Zu dritt haben sie – der weltweit gefeierte Altmeister und die beiden jungen Künstler - die Sterne vom Himmel heruntergespielt. Was bei Klaviertrios von Schubert (einem Spätwerk, Notturno in Es-Dur, D 987), bei „Middelheim“, einer klingenden Grußadresse des georgischen Komponisten Giya Kancheli (1935-2019) an ein Krankenhaus, in dem er behandelt wurde, und nach der Pause in Rachmaninows „Trio élégiaque“ in d-Moll geschah.
Im Gedächtnis besonders haften blieben dabei die äußerst fein ausgehörten Tonabstufungen – Klänge im Dämmerlicht oder des Verstummens zum Schluss bei Schubert. Ihnen folgten dann extreme dynamische Kontrastwirkungen bei Kancheli: stille klingende Meditationen, die mit heftigen Instrumentalaufschreien alternierten.
Überragender Vertreter seines Instruments
Dass Virtuosen am Werk waren, braucht bei diesem Anspruch kaum erwähnt zu werden. Andererseits entfaltete sich der kammermusikalische Instrumentaldialog durchweg ebenso lebendig und intensiv wie facettenreich. Mit virtuosen Akzenten wartete dabei vor allem die Pianistin Giedré Dirvanauskaité auf, die, wo es darauf ankam – bei Rachmaninow – wahre Löwenpranken zu zeigen wusste.
Spiritus Rector des Trios war – natürlich – Gidon Kremer, einer der souverän führenden und anregendsten ausführenden Musiker des späten 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Er ist nicht lediglich ein überragender Vertreter seines Instruments, sondern ein musikalischer Denker stets auf der Suche nach Neuem, aufgeschlossen und bereit zum Experiment. Nicht zu vergessen sein bedingungsloser Einsatz für die musikalische Avantgarde. Kremer, der vor wenigen Tagen seinen 78. Geburtstag gefeiert hat, gehört einerseits seit Jahrzehnten zu den authentischsten Vertretern des klassischen Standardrepertoires für Violine und setzt sich andererseits ebenfalls seit Jahrzehnten unermüdlich für die Neue Musik ein. Sein Interesse an Neuem, Unkonventionellem wirkte auch prägend für den Abend im Ludwigshafener Feierabendhaus.