Ludwigshafen
Viel Protest gegen Schließung der Stadtteilbüchereien
Viele Zuhörer sind bei den öffentlichen Sitzungen des Mundenheimer Ortsbeirats sehr selten. Am Donnerstagabend jedoch waren neun Bürger gekommen, die gerade ein Thema besonders umtreibt: die von der Stadtverwaltung auf einer langen Sparliste ins Gespräch gebrachte Schließung der Stadtteilbüchereien in Mundenheim und in Oppau. Damit sind die Bewohner gar nicht einverstanden, das wollen sie verhindern, wie sie nach der Sitzung erklärten. Dass der Ortsbeirat sich mit seinem Votum gegen die Schließung geschlossen auf die Seite der Bürger stellte, quittierte eine Sprecherin mit Dankesworten.
Für die SPD-Fraktion im Mundenheimer Ortsbeirat hatte zuvor Holger Scharff berichtet, dass er gerade viel Zuspruch für den Erhalt der Bibliothek aus der Bürgerschaft bekomme. Die Einrichtung werde sehr gut genutzt, und zwar ganz besonders von Kindern und Jugendlichen. Einige Kinder machten in den Räumen ihre Hausaufgaben. „Die Bürger wollen sie, die Schüler brauchen sie, wir wollen unsere Bibliothek behalten“, forderte der Sozialdemokrat.
31.000 Euro sollen eingespart werden
Das sehen die Christdemokraten im Ortsbeirat genauso. Wilhelma Metzler als Sprecherin der CDU schloss sich der Argumentation von Scharff an und ergänzte: Die beabsichtigte Schließung sei ein falscher Weg. „Wir lehnen das ab.“
Ortsvorsteherin Anke Simon (SPD) erläuterte, dass die Stadtteilbibliothek eine wichtige Anlaufstelle für die Kitas und Schulen sowie für die Kinder im St. Annastift in Mundenheim sei. Das lasse sich auch durch die Besucherstatistik belegen. Die Einsparsumme von 31.000 Euro stehe in keinem Verhältnis zu dem Schaden, der durch die Schließung der Einrichtung angerichtet werden würde, bilanzierte Simon.
Elternvertreter appellieren an Politiker
In einem offenen Brief hatten sich schon am Mittwoch Mundenheimer Elternvertreter an den Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Stadtrat Ludwigshafen und an die Fraktionssprecher von SPD und CDU im Ortsbeirat Mundenheim gewandt und für den Erhalt der Bibliothek plädiert. Darin hieß es: „Mit einiger Freude haben wir gesehen, dass Sie, Herr Daumann, die Online-Petition gegen die Schließung der Stadtteilbibliotheken unterschrieben haben, und dass Sie, Herr Scharff und Frau Dr. Metzler, sich mit Ihren Anträgen zur morgigen Ortsbeiratssitzung für den Erhalt der Bibliothek bei uns im Stadtteil aussprechen.“
Die Elternvertreter hoffen demnach sehr, dass auch der Stadtrat am 15. März entsprechend abstimmen und die drohende Schließung der Bibliothek in Mundenheim und Oppau damit dann wieder vom Tisch sei. „Allen, die sich dafür einsetzen, dass es in Mundenheim gute Bildungschancen für Kinder gibt, würde damit ein großer Stein vom Herzen fallen“, betonen die Sprecher der Elterninitiative, zu der die Schillerschule Mundenheim, die katholischen Kitas St. Sebastian 1 und 2 und die Kindertagesstätte Madenburgstraße zählen.
Petition im Netz gestartet
Eine Unterschriftenaktion gegen die Schließung der Stadtteilbibliotheken hat Jürgen Soltau angestoßen, der nach eigenen Angaben ehrenamtlich in der Friesenheimer Bücherei arbeitet. Der Erhalt dieser Einrichtungen sei für ihn eine Herzenssache, sagt er. „Denn ich sehe doch bei jedem Dienst, wie wichtig die Bibliothek für die frühkindliche und außerschulische Bildung der Kinder und für die Förderung des Lesens ist.“
Daneben unterstützten die Bibliotheken in besonderer Weise die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Soltau hat beobachtet, dass diese deutsche Kinderbücher für ihre Kinder ausleihen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Das sei gelebte Integration. Die besondere Bedeutung der Bibliotheken zeige sich auch daran, dass ein Großteil der Besucher aus sozial schwachem Milieu komme und sich ersatzweise den Kauf der Bücher nicht leisten könne. „Aus all diesen Gründen dürfen die Bibliotheken nicht weggespart werden“, meint der Friesenheimer.
Jürgen Soltau hat im Netz eine Petition gegen die Schließung der Bibliotheken gestartet: https://www.openpetition.de/!zqsvv. Dort seien schon 1500 Unterschriften gesammelt worden.