Ringen RHEINPFALZ Plus Artikel VfK 07 Schifferstadt verpasst Titel auf umstrittene Weise

Der VfK 07 Schifferstadt fühlt sich im Kampf um den Titel verschaukelt und jubelt trotzdem.
Der VfK 07 Schifferstadt fühlt sich im Kampf um den Titel verschaukelt und jubelt trotzdem.

Der VfK 07 Schifferstadt gewinnt den Titelkampf auf der Matte, verliert ihn aber am grünen Tisch. Der VfK prüft seinerseits juristische Schritte und feiert trotzdem.

Mit einem peinlichen Paukenschlag endete das Titelrennen in der Rheinland-Pfalz-Liga im Ringen: Meister wurde nicht der VfK 07 Schifferstadt nach seinem 19:16-Sieg im entscheidenden zweiten Aufeinandertreffen am 6. Dezember mit dem VfL 1848 Bad Kreuznach und einem folgenden 40:0-Heimsieg im letzten VfK-Saisonkampf am Samstag gegen den ASV Mainz 88 II, sondern sein Gegner von der Nahe – wegen eines angeblichen Regelverstosses. Demnach hätte in Bad Kreuznach im letzten Einzelkampf der 16-jährige Schifferstadter Musa Günes nur antreten dürfen, wenn er das für Jugendliche vorgeschriebene Mindestgewicht von 71,1 Kilogramm in der 75-Kilo-Freistilklasse auf die Waage gebracht hätte.

Hat er aber angeblich nicht. Günes wog laut Wiegeliste nur genau 70,0 Kilogramm – also 1,1 Kilogramm weniger als erforderlich. Seinen Kampf gegen Mohammad Abou Samra gewann er nach deutlicher Punkteführung nach 3:35 Minuten mit einem Schultersieg. Doch der wurde ihm wegen seines zu geringen Körpergewichts aberkannt – auf einen Protest der Bad Kreuznacher hin. Damit endete der Mannschaftskampf nicht 19:15 für die Schifferstadter (die damit die Kreuznacher in der Tabelle überholt hätten), sondern wurde in einen 20:15-Sieg ihres Gegners umgewandelt.

Irritationen beim Wiegen

VfK-Trainer Erol Bayram versteht die Welt nicht mehr: „Günes schafft als Jugendlicher gegen einen Erwachsenen einen Schultersieg und wird zum Verlierer erklärt – und so verliert unsere Mannschaft ebenfalls: Da ist man doppelt bestraft ...“ Wie konnte es zu den Irritationen durch das Wiegen vor dem Kampf in Bad Kreuznach kommen? Bayram: „Als wir in Schifferstadt losfuhren, hatte Günes ein Körpergewicht von 70,6 Kilogramm. In Bad Kreuznach hat er noch zwei Flaschen Mineralwasser getrunken und damit sicherlich die geforderten 71,1 Kilogramm erreicht.“ Doch an der Waage amtierte keiner – wie eigentlich zu erwarten – des dreiköpfigen Kampfgerichts mit Mattenpräsident Jürgen Hoffmann (Illingen/Saar), Kampfrichter Mathias Schöfer und Punktrichter Sascha Christ (beide Thaleischweiler): Die Eintragungen der Athleten-Körpergewichte wurden wechselseitig von VfK-Trainer Bayram und dem Kreuznacher Coach Karl-Heinz Helbing vorgenommen. Bayram: „Von den drei Kampfrichtern hat wohl hinterher keiner auf das Wiege-Protokoll geschaut und neben den Personaldaten der Ringer das Gewicht von Günes zur Kenntnis genommen ...“

Das sahen auch die Verantwortlichen der Arbeitsgemeinschaft Ringen (Arge) Rheinland-Pfalz so. Vizepräsident Marvin Scherer (Schifferstadt) und Sportreferent Jürgen Hoffmann, der auch dem Kampfgericht in Bad Kreuznach angehörte, teilten dem VfK Schifferstadt schriftlich mit, dass der Einsatz von Musa Günes „wegen Kindeswohlgefährdung“ nicht zulässig war. In dem Schreiben räumen sie ein, dass aus nicht erfindlichen Gründen keiner der Verantwortlichen des Kampfgerichts auf diesen Tatbestand aufmerksam wurde. VfK-Chef Thorsten Libowsky stellt fest: „Die Schuldigen an dem Ganzen gehörten dem Kampfgericht an – doch die gehen straffrei aus ...“

Aufsteigen will keiner

Wie geht es nun weiter? Der VfL 1848 Bad Kreuznach hat nach Angaben der Schifferstadter ein Schlichtungsgespräch oder einen Wiederholungskampf abgelehnt. Die Kreuznacher liegen in der Tabelle nach zehn Kämpfen deshalb mit 20:0 Punkten an der Spitze vor dem VfK 07 Schifferstadter mit 16:4 Punkten. Von der Meisterschaft haben sie außer dem Titel nichts, denn sie dürfen wegen ihres Rückzugs aus der zweiten Bundesliga zwei Jahre lang nicht wieder aufsteigen. Auch die Schifferstadter hätte bei einem Titelgewinn „außer der Ehre“ nichts: Sie wollen aus finanziellen Gründen auf keinen Fall in die Bundesliga aufrücken und sind damit zum dritten Mal hintereinander „nur“ Vizemeister. Ob es möglicherweise einen juristischen Weg aus diesem Tohuwabohu gibt, will Libowsky nun von einem sportgerichtlich erfahrenen Rechtsanwalt klären lassen.

Der letzte Saison-Heimkampf der Schifferstadter vor 180 Zuschauern gegen die Bundesligareserve des ASV Mainz 88 geriet zur Farce – aus unterschiedlichen Gründen. Die Mainzer Bundesligamannschaft musste in der deutschen Eliteliga am Samstag im „Kellerduell“ bei der RKG Freiburg antreten (sie gewann mit 18:16 Punkten und schaffte damit den Klassenerhalt) und benötigte daher auch Alternativen aus der zweiten Mannschaft.

Mainzer Notaufgebot

Deshalb erschienen die Rheinhessen in Schifferstadt nur mit Ringern in sieben Gewichtsklassen – obendrein hatte ein weiterer Athlet Übergewicht. Der Mannschaftskampf endete deshalb satzungsgemäß mit einem 40:0-Sieg des VfK 07 Schifferstadt. Hinterher wurde im Phönix-Clubhaus gefeiert: „Wir sind auf der Matte Meister geworden – das war uns diese Feier wert,“ urteilte Libowsky.

Sieger ohne Kampf wurden Müslüm Duran, Marc Fischer und Alperen Tokgöz. Als Schultersieger gingen Tolgahan Karatas nach 2:23 Minuten gegen Sorin Gorpin, Kevin Lehr (0:50 min gegen Ali Sajad Rajabi) und Cuma Akgün (1:15 min gegen Dokugan Kiral) von der Matte. Technisch überlegener Sieger gegen Aria Ahmadi war nach 4:50 Minuten Maxim Perpelita. Ohne Wertung blieb der Kampf Ferosedin Soltani gegen Lev Lovin und Yunus Apaydin erlitt gegen Vladislav Boberskis nach 4:30 Minuten eine Schulterniederlage. Schon nach wenigen Sekunden gab Musa Günes gegen Thomas Weber auf: Der 16-jährige Schifferstadter hatte zuvor einen Bänderriss erlitten und muss nach Vereinsangaben operiert werden.

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