Ludwigshafen Verwegene Läufe

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Joe Gacioch war schon einige Male bei Jazz Lights im Ludwigshafener Haus als Session-Einsteiger zu erleben und hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Grund genug für Christian Scheuber, den amerikanischen Gitarristen nun als Hauptgast mit dessen Kompositionen einzuladen.

Vor zwei Jahren kam Joe Gacioch als Mitglied der U.S. Air Force Band nach Europa, wo er in Kaiserslautern stationiert ist. Vor allem Dixieland spielt er in der Militärband. Sein Herz indes schlägt für moderneren Jazz, und den spielt er exzellent. Einen glasklaren Ton entlockte er im Haus seiner E-Gitarre, samtig glühend. „Close at Home“ hieß eine seiner Kompositionen, worin er zu rasant wirbelnden Soli über schwingenden Walzerrhythmen startete. Pianistin Regina Litvinova brachte mit ihrem Solo gedankentiefe Ruhe in die Nummer und ließ Akkorde nächtlich leuchten. Eine weitere starke Nummer des Gitarristen war „Shadows Fall“. Verwegene Läufe ließ er leicht wie Quellwasser dahinfließen. Und doch ist das, was so unbeschwert dahinsprudelt, schwierig aus den Saiten zu holen. Das war immer wieder an seinem schmerzverzerrten Gesicht zu sehen. Expressiv gespannt waren dabei die Läufe des amerikanischen Musikers und zeugten gleichwohl von schönster Eleganz. Durch einen starken Swing fielen alle Kompositionen des Gitarristen auf. Den Swing bekamen sie durch Gaciochs eigenes Spiel, aber vor allem durch den Schlagzeuger Christian Scheuber, dem dieser Elan sehr entgegenkam. Ein starkes Solo ließ Scheuber aus ihm wachsen. Wunderbar elastisch ließ er die Beats klackern und rumpeln, um sie dann furios aufzurütteln. Sehr stimmungsvoll und inspiriert kamen dann die balladesken Kompositionen, nächtlich entspannt schwebend. Fein verwirbelte Läufe ließ der Gitarrist rasant sich beschleunigen aus ruhevollem Grundpuls heraus. Immer wieder beglückend war das Zusammenspiel von Gacioch mit der Pianistin Regina Litvinova. Feine Verflechtungen der beiden Instrumente hörte man, mit schönen Ornamenten umrankte sie das Spiel des Mitmusikers. Dass in den Karpaten eine Sphinx lebt, ist nicht überliefert, Joe Gacioch aber hat eben dort eine aufgespürt. „Carpathian Sphinx“ lebte von dichten labyrinthischen Verschlingungen, durch die sich der Gitarrist genüsslich wand. Schließlich gab es noch eine Nummer aus seiner Feder, die wie ein Standard klang und das Zeug zum Klassiker hat: „Blue Flamingo“. Eine Komposition, die ebenso gutklingend wie anspruchsvoll und vertrackt daherkam. So wunderbar swingte sie, dass es fast selbstverständlich war, dass Christian Scheuber zwischendurch flotte Disco-Rhythmen zischen ließ. Eine neue Nummer von Christian Scheuber gab es dann im zweiten Teil erstmals zu hören: „Kumm her, Toni“ heißt sie und ist von drei rätselhaften Akkorden inspiriert, die Ritchie Beirach zur Verfügung gestellt hat.

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