Ludwigshafen Verwüstete Heimat
Wir schreiben das Jahr 1643: Am Donnerstag vor Michaeli, also am 28. September, verlässt die ganze Gemeinde mit Sack und Pack Dannstadt – und wohl auch Schauernheim.
Alle suchten sie Schutz hinter den Mauern der benachbarten Städte Speyer, Frankenthal und Worms. Die genaue Datierung ist dank des umfangreichen Berichtes des Dannstadter Gerichtsschreibers Johann Nikolaus Dengler bekannt. Seine Schilderungen notierte er am ersten wieder in Dannstadt stattfindenden Gerichtstag am 13. November 1660 ins überlieferte Dorfgerichtsbuch. Ursache für die Flucht der Bewohner Dannstadts und Schauernheims war der seit 1618 tobende Dreißigjährige Krieg, in dem die Pfalz einer der Hauptkriegsschauplätze war. Spanier, Schweden, Kaisertreue, sie alle zogen durch die Pfalz. Kontributionen, Einquartierungen, Beschlagnahmungen und Verwüstungen führten nicht nur in Dannstadt und Schauernheim zu einer Verarmung der Bevölkerung. Denn neben den Soldaten mussten auch das mitziehende Vieh – egal ob Schlachtvieh, Reit- oder Zugtiere – sowie die im Tross befindlichen Soldatenfamilien, Handwerker, Knechte, Mägde und Truppenhändler, so genannte Marketender, versorgt werden. Zum Fluch Dannstadt-Schauernheims wurde damals die eigentlich segensreiche Lage, da die großen unbeweglichen Heere des 17. Jahrhunderts meist großen Flussläufen folgten. Erstmals flohen die Dannstadter 1622 vor den Drangsalierungen in das befestigte Speyer, kehrten aber bereits im Frühjahr 1623 wieder zurück – und fanden große Verwüstungen vor. 1634 trieben sich schwedische und kaiserliche Truppen ständig über den Rhein hin und her, die Bevölkerung wurde ausgebeutet, gequält, das Land verwüstet. Deshalb war es auf Dauer sicherer, hinter Mauern einen gewissen Schutz zu suchen. Aber auch hinter den Schutzwällen war das Leben nicht einfach. Im völlig überfüllten Speyer wütete gleich nach der Flucht die Pest. Ein Auskommen als Tagelöhner, Handlanger oder Bettler war schwer zu finden, Hungersnöte taten ihr Übriges. Und so kehrten 1650, zwei Jahre nach dem Westfälischen Frieden, der den Dreißigjährigen Krieg beendete, nur fünf Familien nach Dannstadt zurück. Vor dem Krieg hatten hier noch 155 Einwohner gelebt. Die Rückkehrer fanden allerdings ein zerstörtes Dorf vor, wie das aus der Zeit erhaltene Schatzungsregister von 1652 belegt. Häuser lagen in Schutt und Asche, Scheunen waren niedergebrannt und Felder verwüstet. Verzeichnet sind im Schatzungsregister sieben Bauern, zwei Witwer, ein Weber, zwei Tagelöhner, der Schul- und Gerichtsmeister Nikolaus Dengler, Vater des obengenannten Gerichtsschreibers, und zwei Witwen, insgesamt rund 15 Haushalte mit 50 bis 60 Personen. Schauernheim lag zu dieser Zeit sogar noch ganz öd und leer, wie der Schaffner zu St. Lambrecht, Johann Georg Antz, in einem Bericht von seiner Inspektionsreise zu den Gütern des ehemaligen Klosters Lambrecht dokumentierte.