Mannheim
Verkehr rollt wieder durch den Fahrlachtunnel
„Wir sind froh, dass der Tunnel freigegeben werden kann. Vor allem in der Wechselwirkung mit anderen Bauarbeiten hat die Schließung bei vielen Verkehrsteilnehmern zu Herausforderungen geführt“, sagte Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) vor der Wiederöffnung. Die zirka 500 Meter lange Tunnelanlage wurde bis zur Schließung täglich von etwa 60.000 Fahrzeugen genutzt. Sie gilt nicht nur als eine der wichtigsten Entlastungsstrecken für die Innenstadt, die durch den Tunnel verlaufende Bundesstraße 36 verbindet auch die B38a mit der über den Rhein nach Ludwigshafen führenden B37.
Ursprünglich war die Wiedereröffnung bereits für März, also noch vor Beginn der Bundesgartenschau in Mannheim vorgesehen. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten und schlechter Materialverfügbarkeit habe es jedoch Verzögerungen gegeben. Unter anderem 6,5 Kilometer lange, feuerfeste Kabel mussten für die neue Notstromversorgung verlegt werden. „Da wurden wir von den globalen Lieferkettenproblemen getroffen“, erklärte Alex Stork, der städtische Abteilungsleiter für Straßentechnik.
16 Einrichtungen für die Sicherheit
Der Fahrlachtunnel ist nun mit einem neuen Fluchtwegekonzept ausgestattet. Dazu gehören unter anderem eine barrierefreie Fluchttür, Strahlventilatoren, SOS-Stationen und eine hochmoderne Sensorik. Vor allem aber eine neue Leittechnik. „Sie ist das Gehirn des Tunnels, wo alle Fäden zusammenlaufen“, erklärt Projektkoordinator Alexandre Hofen-Stein. Dank automatischer Schranken kann der Tunnel beispielsweise bei einem Brand infolge eines Unfalls gesperrt werden, um das Einfahren weiterer Fahrzeuge zu unterbinden. 16 unterschiedliche Einrichtungen seien nun miteinander verknüpft, um eine gesicherte Eigen- und Fremdrettung zu ermöglichen.
Diesen Blick für das Ganze hätte sich Kurz deutlich früher für den Fahrlachtunnel gewünscht. Die abrupte Vollsperrung im August 2021 brachte zunächst mehr Fragezeichen als Antworten mit sich. Die gutachterlichen Untersuchungen stellten Probleme mit dem Brandschutz sowie Defizite in der Tunnellüftung und den Rettungswegen fest. Die ab 2006 strenger gefassten Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln (RABT) seien nicht sachgemäß verfolgt worden. Von einem „Desaster“ und einem „organisatorischen Gesamtversagen“ war damals die Rede.
„Tunnel wurde ordnungsgemäß erbaut“
So lauteten die Vorwürfe, auch aufgrund fehlender Unterlagen. Doch nun gibt es dank des im Frühjahr ins Leben gerufenen Akteneinsichtsausschusses auch hier etwas Licht am Ende des Tunnels. Über 200 Ordner seien gewälzt und im fünfstöckigen Betriebsgebäude aufgefundene, zunächst als unwichtig erachtete 170 Ordner abermals durchforstet worden. Wichtige Dokumente wie Tüv-Abnahmen oder Prüfungen vom Eisenbahn-Bundesamt seien dort wie fehlende Puzzleteile aufgetaucht und hätten ein differenzierteres Bild ergeben: „Der Fahrlachtunnel wurde ordnungsgemäß erbaut und gewartet. Aber es wurde oft zu kleinteilig gedacht, es hat der Blick für das Ganze gefehlt“, so Kurz. Durch ein früheres Nachrüsten aber hätte die Vollsperrung wohl auch nicht vermieden werden können. Nun aber sei alles auf dem neuesten Stand, auch die Ende April durchgeführte Brandrauchübung erbrachte ein positives Ergebnis.
Abgeschlossen ist die fast drei Millionen Euro schwere Sanierung trotz Wiedereröffnung für Autos und Lkw – für Gefahrguttransporter ist der Fahrlachtunnel wie schon vor der Schließung gesperrt – aber noch nicht. Ab 2026 ist eine vermutlich vier Jahre dauernde Sanierungsphase vorgesehen, auch Eingriffe in die Fahrbahndecke seien zu erwarten. „Gerade deshalb schalten wir bewusst eine Projektsteuerung davor. Die Frage wird sein, wie viel Baustelle abgewickelt werden kann, ohne größere Sperrungen vorzunehmen“, erklärte Stork, während Hofen-Stein versprach, dass Autofahrer nun erst mal drei Jahre Ruhe hätten. Aber auch danach seien keine Voll-, sondern allenfalls Teilsperrungen vorgesehen.