Ludwigshafen Verdi, Walzer, Feuerwerk

Mit einer Galavorstellung hat das Mannheimer Nationaltheater den Ausklang der Spielzeit gefeiert: Im Ehrenhof des Mannheimer Schlosses vor kurfürstlicher Kulisse boten Solisten und Orchester des Theaters unter Alois Seidlmeiers Leitung Bekanntes und Beliebtes aus Oper und Operette. Und zum Finale kreierten die Pyrokünstler Renzo Cargnelutti und Thomas Fischer ein Feuerwerk.
Mit der Veranstaltung unter dem Titel „Schloss in Flammen“ nimmt das Nationaltheater auf die höfische barocke Tradition des Feuerwerks Bezug, das an Europas Fürstenhäusern seit dem späten 16. Jahrhundert mit großer Begeisterung und aufwendigem Prunk zelebriert wurde und nicht selten Millionenbeträge verschlang. Heute ist das billiger zu haben, dabei genauso unwiderstehlich wie damals: Der Ehrenhof war jedenfalls beinahe bis zum letzten Platz besetzt; die Zuhörerzahl hätte schätzungsweise für wenigstens zwei volle Häuser im Nationaltheater genügt, und die Stimmung war prächtig. Bekanntlich sind bei Freilicht-Veranstaltungen die Sitten wesentlich lockerer als in Theater- und Konzertsälen, man konnte sich im Schlosshof erfrischen während der Darbietungen, und auf den hinteren Plätzen ohne Stühle, den „Picknick-Plätzen“, ließ es sich bequem einrichten. Dort trug zum bunten Bild auch die originelle, zum Teil an die Barockzeit anspielende Kostümierung einiger Besucher bei. Entscheidend für die gelöste Atmosphäre war freilich Christian Chako Habekosts Mitwirkung als Moderator, die ebenfalls schon zur Tradition der Saisonabschluss-Gala des Nationaltheaters gehört. Der ist bekanntlich Kabarettist, Musikperformer, Autor und Kurpfälzischer Original, dazu noch Dr. phil. mit besonderer Zuständigkeit für die örtliche Mundart. Wie gewohnt erwies er sich auch diesmal als äußerst gewandter, origineller Entertainer. Einige seiner bizarren Aperçus waren ausgesprochen geistreich, wobei er großherzig Komplimente an alle Mitwirkenden verteilte und die Zuhörer unablässig zum Beifall ermunterte. Zu erfahren war dabei auch, dass die 1720 abgeschlossene Errichtung des Mannheimer Schlosses 40 Jahre beansprucht hat, fast so viel wie jetzt für die Restaurierung der Rheinbrücken und der Straßenbahnschienen benötigt werde. Den Kodex des strengen Ernstes beim klassischen Konzert will Habekost nach eigener Aussage mit seiner launigen Moderation aufbrechen. Das gelingt ihm bestens. Dafür hatte allerdings auch schon die Programmgestaltung gesorgt, denn der erste Teil des Abends war vollständig der Wiener Operette gewidmet mit Werken von Johann Strauß (Sohn), Carl Millöcker und Leo Fall. Nach der Pause war dann italienische Oper angesagt, mit Ausschnitten aus Werken von Verdi, Rossini, Mascagni und Catalani. Wobei sicherheitshalber auch da zwei volkstümliche Nummern eingeschoben wurden: Luigi Arditis „Kusswalzer“ und Salvatore Cardillos neapolitanisches Lied „Core ’ngrato“ (undankbares Herz). Den Aufführungen lässt sich durchweg ansehnlicher Standard bescheinigen. Unter der feurigen und eleganten Leitung des zum Ende der kommenden Spielzeit (wie auch Generalmusikdirektor Ettinger) scheidenden ersten Kapellmeisters Alois Seidlmeier spielte das Nationaltheater-Orchester konzentriert und mit intensivem Nachdruck. Bei den sängerischen Beiträgen seien Sung Has musikalisch und stimmlich beeindruckende Interpretation von König Philipps Monolog aus Verdis „Don Carlos“, Vera-Lotte Böckers bravouröser Ziergesang (Arditti und Adele aus der „Fledermaus“), Martin Muehles prachtvolle Tenorstimme („Eine Nacht in Venedig“ und „Core ’ngrato“) und Raymon Ayers′ eleganter Vortrag von Figaros Auftrittskavatine aus Rossinis „Barbier von Sevilla“ besonders hervorgehoben. Renzo Cargneluttis und Thomas Fischers spektakuläres, farbenprächtiges, brillantes Feuerwerk zu Franz von Suppés Operettenouvertüren zu „Ein Morgen, ein Mittag und ein Abend in Wien“ und zu „Leichter Kavallerie“ faszinierten vor allem durch ihre perfekte Synchronie mit der Musik. Und als Zugabe folgte natürlich Edward Elgars Marsch „Pomp and Circumstances“.