Ludwigshafen Venus und Adonis in der Unterwelt

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Erstmals wagte sich der Kammerchor Altrip, angeregt durch seine Dirigentin Caitlyn Bowman, an die szenische Aufführung einer Oper. Gespielt wurde die Barockoper „Venus und Adonis“ von John Blow. Der spanische Regisseur Guillermo Amaya hatte die das Werk mit jungen Solisten und dem Kammerchor im Bürgerhaus „Neuer Hof“ in Neuhofen auf die Bühne gebracht.

John Blow schrieb Ende des 17. Jahrhunderts das etwa einstündige Maskenspiel „Venus and Adonis“, das als erste englische Oper gilt. Blow hat „Venus and Adonis“ im expressiven Stil der barocken englischen Madrigalkunst komponiert. Im Prolog singt der Liebesgott Cupido, begleitet von Schäferinnen und Schäfern, über Liebe, Treue und Untreue. Die Haupthandlung dreht sich um die Göttin Venus und ihren Geliebten, den schönen Jüngling Adonis. Venus schickt Adonis auf die Jagd, obwohl dieser lieber bei ihr bleiben würde. Adonis kehrt schließlich zu Venus zurück, von einem Eber tödlich verwundet, und stirbt in ihren Armen. Guillermo Amaya verlegt die Handlung in die Gegenwart, in ein Unterweltmilieu. Cupido und Adonis sind Mafiosi in schwarzen Hosen, weißen Hemden und Borsalino. Venus ist eine mondäne Gangsterbraut, die sich mit ihrem Adonis und dem Hausfreund Cupido auf einem protzigen Bett räkelt. Adonis könnte so am Ende auch an einer Schusswunde sterben. Die Schäferinnen und Jäger sind hier die Bedienungen in einer verruchten Kneipe, in der der Chor das entsprechende Publikum darstellt. Ein solcher Regieansatz macht durchaus Sinn, da bei schon Blow die Handlung allegorisch auf die damalige Gesellschaft bezogen war. Der Kammerchor Altrip bot bei seinem Musiktheater-Debüt eine glänzende Leistung: Es wurde stets klar und präzise gesungen, obwohl man nicht wie üblich schön brav nach Stimmen geordnet stand, sondern stimmlich gemischt aufgestellt sang, sich nicht am Nachbarn orientieren konnte und dabei auch noch agiert werden musste. Dazu hatte man auch keine Partitur vor sich, sondern musste auswendig singen. Die beiden Hauptdarsteller haben ebenfalls keine Opernerfahrung, sie studieren an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg, singen in Chören oder solistisch bei Oratorienaufführungen, aber sie bewältigten ihre anspruchsvollen Parts bestens wie auch die schauspielerischen Anforderungen. Carmen Buchert (Venus) gefiel durch ihren angenehm getönten, ausdrucksvollen, die Koloraturen sicher meisternden Sopran, der Bass Nikolaus Rentrop (Adonis) war ihr ein ebenbürtiger Partner, wartete mit vollem, sonorem Material und vokaler Sicherheit auf. Der Altus Thomas Nauwartat-Schulze ist schon als Schauspieler und Sänger an der Freilichtbühne Mannheim etabliert. Er agierte mit großer, geradezu köstlicher Gewandtheit und sang den anspruchsvollen Part des Cupido virtuos. Ansprechend auch die jungen Stimmen von Anna Vogt, Teresa Wojcik, Kevin Breitbach und Nathan Huey als Schäferinnen und Schäfer. Zuverlässig begleitete das Heidelberger Händelorchester. Ein Sonderlob gebührt Dirigentin Caitlyn Bowman. Jochen Welsch hat aus einer Bühnenmusik von Blows Schüler Henry Purcell swingende Jazz-Nummern gemacht und zwischen die Opernszenen eingeführt. Die Combo mit Daniel Buch (Saxophon), Markus Kölbl (Klavier), Lukas Hatzis (Bass) und Jonas Meder (Schlagzeug) spielte begeisternd auf.

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