Menschen aus der Stadt RHEINPFALZ Plus Artikel Uwe Zäpernick leitet eine Parkinson-Selbsthilfegruppe

Uwe Zäpernick
Uwe Zäpernick

Als Uwe Zäpernick vor neun Jahren die Diagnose „Parkinson“ erhielt, hat ihn das ziemlich aus der Bahn geworfen. Mittlerweile hat der 76-Jährige gelernt, mit der unheilbaren Krankheit zu leben. Eine wichtige Aufgabe gibt ihm Kraft: Als Vorsitzender einer Selbsthilfegruppe unterstützt er andere Betroffene. Es werden immer mehr.

„Was Morbus Parkinson ist, das kann jeder nachlesen. Wie es sich anfühlt damit zu leben, das müssen wir den Menschen erzählen.“ So steht es auf der Internetseite des Bundesverbands der Deutschen Parkinson Vereinigung geschrieben. Uwe Zäpernick hat einiges über sein Leben mit der Krankheit zu erzählen.

Als dem Mittsechziger im Jahr 2013 ohne Vorwarnung von einem Arzt auf den Kopf zugesagt wurde, dass er offensichtlich an Parkinson erkrankt sei, habe ihn diese Erkenntnis wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen, berichtet der 76-Jährige. Dabei habe er schon vorher bemerkt, dass er nicht mehr so beweglich war wie früher. Aber an Parkinson hatte er deshalb nicht gedacht. Ein Facharzt habe ihn dann eingehend untersucht und den Verdacht des anderen Mediziners bald bestätigt.

Krankheit schreitet voran

Für Uwe Zäpernick tat sich damit zunächst ein schlimmer Abgrund auf. „Ich war sehr betroffen“, schildert er seine damalige Lage. Aber mithilfe guter Ärzte und seiner Familie hat sich der Vater zweier erwachsener Söhne, der in seinem Berufsleben an der Krankenpflegeschule am Marienkrankenhaus unterrichtet hat, wieder gefangen. Obwohl die Krankheit über die Jahre immer weiter fortgeschritten ist. Parkinson ist nicht heilbar. „Man kann nur die Symptome behandeln“, erklärt Zäpernick. Er berichtet von einem Auf und Ab, jeder Tag sei anders.

Im Jahr 2018 nahm er dann Kontakt mit der Parkinson-Selbsthilfegruppe in Ludwigshafen auf und wurde auch bald Mitglied des Vereins. Den Austausch mit anderen Betroffenen und das Gespräch über vielerlei Probleme wie Schlafstörungen oder auch Erfahrungen mit Medikamenten seien für ihn sehr wichtig gewesen. „Das tut mir gut“, hat der Oggersheimer erfahren.

Telefondienst etabliert

Weil ihm die Selbsthilfegruppe schnell eine große Stütze wurde, übernahm er 2019 sogar den Vorsitz, sicherte damit den Fortbestand der Gruppe und hat seither eine interessante Aufgabe, die sein Leben bereichert. Obwohl gerade pandemiebedingt keine Treffen im Oggersheimer Vital-Zentrum stattfinden können und die Programmplanung erst mal ziemlich auf Eis liegt.

Für die rund 90 Mitglieder und knapp 25 Aktiven der Selbsthilfegruppe haben Uwe Zäpernick und seine Mitstreiter einen Telefondienst eingerichtet. Außerdem verfasst er regelmäßig Rundbriefe. „Das ist eine sinnvolle Aufgabe“, meint er zufrieden.

Bewegung hilft

Über seine Krankheit sagt er nach fast einem Jahrzehnt: „Ich leb’ damit.“ Er sei froh, in einem städtischen Raum wie der Metropolregion zu Hause zu sein, weil es hier gute Ärzte und Kliniken gebe. Patienten, die auf dem Land lebten, hätten es da deutlich schwerer, weiß der Vorsitzende.

Besonders gut tut ihm regelmäßige Bewegung. Daher geht Uwe Zäpernick auch regelmäßig zur Krankengymnastik. Außerdem beschäftigt er sich mit Modellbau, um seine feinmotorischen Fähigkeiten zu trainieren. „Damit kann man den Verlauf der hinterlistigen Krankheit verzögern.“

Kontakt

Nähere Informationen und Kontakte zur Ludwigshafener Parkinson-Selbsthilfegruppe gibt es im Netz: www.parkinson-ludwigshafen.de.

Zur Sache: Parkinson

Parkinson gehört nach Angaben der Deutschen Parkinson Vereinigung zu den häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems und ist in hohem Maße altersabhängig. Mit der Zunahme der allgemeinen Lebenserwartung ist deshalb das stetige Ansteigen der Erkrankung sicher und vorhersehbar. Die Forschung geht davon aus, dass sich die Anzahl der Parkinson-Erkrankungen in den nächsten 20 Jahren weltweit verdoppeln wird. Derzeit wird nur die Zahl der sogenannten erfassten Parkinson-Erkrankungen registriert. Sie liegt in Deutschland bei etwa 250.000 bis 300.000 Personen. Die Inzidenz wird mit 16 pro 100.000 Einwohner angegeben. Das bedeutet, dass in Deutschland jährlich rund 13.000 neue Parkinson-Erkrankungen hinzukommen.

Zur Sache: Deutsche Parkinson Vereinigung

Der Bundesverband Deutsche Parkinson Vereinigung ist nach eigenen Angaben ein Selbsthilfe-Verein, der 1981 gegründet wurde und heute zu den größten Patienten-Organisationen in Deutschland zählt. Insgesamt drei Landesverbände, elf Landesorganisationen und 450 Regionalgruppen und Kontaktstellen setzen sich für die Belange von Parkinson-Erkrankten und deren Angehörigen ein. Vorrangiges Ziel ist es, die Lebensumstände von Parkinson-Patienten und deren Partnern zu verbessern. Als wesentliches Anliegen betrachtet es die Vereinigung, Patienten mit Informationen zu versorgen und das Selbstbewusstsein der Betroffenen nachhaltig zu stärken. Mit Nachdruck werden alle Aktivitäten unterstützt, bei denen die kreativen Potenziale der Patienten angesprochen und gefördert werden.

Prominenter Patient: Die an Parkinson erkrankte Box-Legende Muhammad Ali entzündete im Olympic Park in Atlanta die Flamme für di
Prominenter Patient: Die an Parkinson erkrankte Box-Legende Muhammad Ali entzündete im Olympic Park in Atlanta die Flamme für die Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City. Am 17. Januar hätte er seinen 80. Geburtstag gefeiert. Ali starb im Juni 2016.
x