Ein Bild und seine Geschichte RHEINPFALZ Plus Artikel Ungewöhnlicher Besuch im Garten

Das Bild des Fuchses in einem Garten auf der Parkinsel entstand vor einigen Tagen.
Das Bild des Fuchses in einem Garten auf der Parkinsel entstand vor einigen Tagen.

Auf der Parkinsel leben einige Füchse. Juan Miranda Moraga bekommt fast täglich Besuch von einem der Tiere. Naturschützer Klaus Eisele weiß, warum sich die Wildhunde anstatt in Wäldern und auf Feldern mittlerweile auch in der Stadt tummeln.

„Der Fuchs kommt fast täglich in meinen Garten. Er wirkt fast zutraulich und hat keine Angst vor Menschen. Wenn ich ihn rufe, guckt er und geht dann weiter“, erzählt Juan Miranda Moraga. Vor ein paar Tagen hat er den Fuchs mittags in seinem Garten fotografiert. „Ich habe kein Problem damit, dass hier Füchse unterwegs sind. Mich erinnert das an meine Kindheit in Chile. In den Anden gab es jede Menge Füchse“, erzählt der 73-Jährige, der 1974 nach dem Militärputsch des Generals Augusto Pinochet aus seiner Heimat nach Deutschland flüchtete. Seit den 1990er-Jahren lebt er mit seiner Frau in einer Wohnung auf der Parkinsel.

Im Spanischen heißt der Fuchs „El Zorro“, sagt Moraga. Der Name wurde Vorbild für eine Roman- und Filmfigur – den „Rächer der Armen“ mit schwarzer Maske, Umhang und Degen. Doch der Zorro auf der Parkinsel ist nach Moragas Schilderung ein friedliches Tier, das man ab und an auch mal auf der Parkstraße laufen sieht. Es überwinde die Zäune in den Gärten problemlos. Im vergangenen Jahr hätten die Füchse Nachwuchs gehabt.

Fünf Jungfüchse

Das bestätigt auch Klaus Eisele, Naturschutzbeauftragter der Stadt. Fünf Jungfüchse sind nach seinen Angaben auf der Parkinsel zur Welt gekommen. Die Jungen seien mittlerweile von Zuhause ausgezogen. Es gebe aber noch mindestens ein Fuchspaar auf der Insel. Dass die Tiere so nahe bei Menschen leben, sei eigentlich kein Problem. Ein Fuchs habe vor einiger Zeit mal Schuhe mitgehen lassen, die im Freien abgestellt waren. „Manche Anwohner sind begeistert, dass es dort Füchse gibt, andere sind verängstigt“, berichtet der Naturschützer. Denn noch immer werde der Fuchs mit der Tollwut in Verbindung gebracht. Dabei komme die durch Tiere übertragene Krankheit seit 2008 in Deutschland nicht mehr vor.

Auch wenn von Füchsen keine Gefahr ausgehe, sollte man Abstand zu den Tieren halten und sie auf keinen Fall füttern, appelliert Eisele an die Anwohner. Auch Katzenfutter, das ins Freie gestellt wird, sollte man nicht aus den Augen lassen, um die Füchse nicht anzufüttern. Denn dann würden sie ihre natürliche Scheu verlieren, immer wieder kommen und könnten zum Problem werden. Füchse fressen Aas, Mäuse oder Ratten. Insofern seien sie für die Menschen auch nützlich, meint Eisele. Man sollte daher kein Rattengift auslegen, denn dies könnten die Füchse über ihre Beutetiere aufnehmen.

Haustiere nicht gefährdet

Sorgen von Anwohnern, die befürchten, ihren Haustieren könne etwas passieren, wenn sie auf die Füchse treffen, zerstreut Eisele. „Katzen oder Hunde sind nicht gefährdet. Für einen Fuchs sind sie zu groß als Beutetier“. Und was sollte man tun, wenn ein Fuchs im Garten auftaucht? „Anwohner sollte die Füchse einfach ignorieren“, rät Eisele. Eine Anwohnerin berichtet, dass ein Fuchs in den Abendstunden durch ihr Terrassenfenster ins Wohnzimmer geblickt habe. Die vor allem nachtaktiven Tiere seien eben neugierig, durchstreifen ihr Umfeld, suchen, wo es Nahrungsquellen gibt, meint Eisele. Wenn sie auf dem Grundstück nichts finden, zögen sie weiter. Die Parkinsel biete mit dem Stadtpark reichlich Platz für die Füchse, die nach Schilderung mehrerer Anwohner in mehreren Gärten gesichtet worden sind.

Die Parkinsel ist nach Eiseles Beobachtungen nicht das einzige Revier im Stadtgebiet, in dem sich Wildtiere aufhalten. Im Kaiserwörthhafen gebe es auch einen Fuchsbau auf dem Gelände einer Firma. In Rheingönheim, Maudach und anderen Stadtteilen seien ebenfalls Füchse gesehen worden. Selbst in der BASF gebe es Wildtiere, unter anderem Feldhasen, Dachse oder Wanderfalken. „Durch die extensive Landwirtschaft in der Vorderpfalz verlieren die Tiere ihre Lebensräume und suchen sich in den Städten neue Reviere“, sagt Eisele. Wie groß die Fuchspopulation in Ludwigshafen ist, lässt sich nun schwer sagen. Einen Hinweis, dass es viele Füchse gibt, liefert die Jagdstatistik. „In der Jagdsaison 2020 wurden in der Gemarkung Ludwigshafen 62 Füchse geschossen, in der aktuellen Saison waren es 79 Tiere“, berichtet Eisele. Die Bejagung der Füchse sei im Gegensatz zu Belgien in Deutschland nicht verboten, es gebe aber Schonzeiten, damit die Tiere Nachwuchs aufziehen können.

Dem Fuchs wird in Märchen und Fabeln nachgesagt, ein schlaues Tier zu sein. Vielleicht gilt das auch für „El Zorro“ von der Parkinsel. Denn dort ist der Fuchs vor den Jägern in Sicherheit. „Zorro ist das spanische Wort für listig“, sagt Juan Miranda Moraga. Er habe Spaß daran, den Besucher in seinem Garten zu beobachten.

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