Ludwigshafen Ungetrübte Freude
Ein bisschen gestaunt haben wir schon, als gestern Morgen in der Lokalredaktion eine E-Mail mit der Betreffzeile „Internationaler Architekturpreis für das neue Hochhaus der BASF“ einging. Sollte es etwa über Nacht aus dem Boden geschossen sein? Nein. Da, wo bis zu seinem Abriss das Friedrich-Engelhorn-Hochhaus stand, ist immer noch eine Brachfläche. Das neue Hauptquartier des Chemiekonzerns existiert weiterhin nur als Modell und als Simulation unter einem schönen Sommerhimmel, dessen freundliches Blau einige Wolken nicht wirklich trüben können. Am schönsten sind auf solchen Illustrationen, auch hier, übrigens immer die üppigen grünen Bäume. Abgesehen von den Menschen natürlich. Also, korrekt muss die Nachricht heißen: Der Entwurf für das neue Hochhaus der BASF des Architekturbüros Eller + Eller aus Düsseldorf hat einen Preis bekommen, nämlich auf der internationalen Immobilienmesse MIPIM im französischen Cannes den „MIPIM Future Projects Award“. Das Projekt siegte in der Kategorie „Office“ (Büro) und wurde anschließend Gesamtsieger, in den Worten der britischen Fachzeitschrift „Architectural Review“, die den Preis ausgelobt hat: „Overall-Winner“. Nun sind Architekturbüros zweierlei Dinge gewohnt. Erstens, an Wettbewerben teilzunehmen – der Entwurf von Eller + Eller ist 2014 aus einem ersten Preis eines internationalen Wettbewerbs hervorgegangen; Vorsitzender der Jury war der renommierte Architekt und Stadtplaner Albert Speer junior. Zweitens ist es für sie keine Seltenheit, wenn ihre Entwürfe (und mögen sie auch noch so preiswürdig gewesen sein) nicht so umgesetzt werden wie geplant oder auch gar nicht. BASF-Vorstandsvorsitzender Kurt Bock hat bei der Bilanzpressekonferenz am 26. Februar auf Anfrage der RHEINPFALZ mitgeteilt, das Hochhaus-Projekt werde derzeit nicht weiter verfolgt. Das bestätigte der Konzern gestern noch einmal, teilte aber mit, sich über den Architekturpreis zu freuen: „Die Auszeichnung ist ein Lob für die Architekten und bestätigt die Entscheidung der Jury aus Unternehmensvertretern, Repräsentanten der Stadt Ludwigshafen und Architekturexperten.“ Und bei Eller + Eller freut man sich nicht nur, sondern ist auch optimistisch: „Das Projekt ist derzeit zwar aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angehalten, aber es ist nicht eingestellt und wird in Zukunft weitergeführt.“ Da freuen wir uns doch auch: auf die E-Mail, in der die Nachricht steht, dass es bald losgeht mit dem Hochhaus-Bau.