Ludwigshafen
TWL-Vorstände müssen gehen
Meinungsverschiedenheiten zum Projekt Freischwimmer als Grund genannt - Baukosten sollen explodiert sein
Die TWL hatten den Großteil des ehemaligen Hallenbads Nord in der Pettenkoferstraße 2016 gekauft und Ende 2016 den Umbau zum Freischwimmer verkündet. Dieser sollte als Zentrum für Existenzgründer junge Unternehmer unterstützen – mit Arbeitsräumen wie auch mit Wissen. Bei der Projektvorstellung hatte Kleuker von rund zwei Millionen Euro Umbaukosten gesprochen, den Betrag jedoch als noch nicht endgültig bezeichnet. Die Arbeiten gestalteten sich von Beginn an schwierig, weil Teile des Gebäudes unter Denkmalschutz stehen. Vor einem Jahr wurde der Freischwimmer eröffnet – obwohl noch einige Teile des Hauses Baustelle waren. Bis heute wird gearbeitet. Im Geschäftsbericht für 2016 ist von „rund sechs Millionen Euro“ Investition in das Gründerzentrum die Rede.
Persönliche Differenzen mit der OB?
RHEINPFALZ-Informationen zufolge sind die Kosten in der Zwischenzeit um mehrere Millionen Euro gestiegen, was wohl ausschlaggebend für die Aufhebungsverträge war. Außerdem soll es erhebliche persönliche Differenzen zwischen Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) und dem Führungsduo der eigenständigen Aktiengesellschaft gegeben haben. Das deuten TWL-Kenner an, ohne öffentlich zitiert werden zu wollen. Die Kosten seien „ziemlich aus dem Ruder gelaufen“, meint ein anderer Insider. Auf eine genaue Summe will er sich nicht festlegen. Ähnlich schmallippig gibt sich Hans-Heinrich Kleuker. Er habe sein Mandat nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Aufsichtsrat niedergelegt. Er gehe nicht im Groll und werde sich nun neu orientieren, eventuell als Berater für Start-up-Unternehmen. Wie andere verweist der 54-Jährige auf Steinruck als Ansprechpartnerin.
Feid und Mösl als kommissarische Vorstände
Die OB ist TWL-Aufsichtsratsvorsitzende. Zu den Gründen des Rauswurfs und zu den Freischwimmer-Kosten möchte sich die SPD-Politikerin nicht äußern und verweist ihrerseits darauf, dass die Inhalte von Aufsichtsratssitzungen der Geheimhaltungspflicht unterliegen. Der Aufsichtsrat befasse sich aber schon „seit geraumer Zeit mit Themen rund um den Freischwimmer“. Gestern habe sie um 10 Uhr in einer Betriebsversammlung die TWL-Belegschaft über den Vorstandswechsel informiert und den Beigeordneten Dieter Feid (für Kleuker, kaufmännisches Ressort) und den Geschäftsführer der TWL-Tochter Metering GmbH, Thomas Mösl (für Lübke, technisches Ressort), als kommissarische Vorstände vorgestellt. Beide begleiten die TWL seit Jahren. Feid, der sich nicht zu den Umständen der Trennung äußern will, hat als Stadtkämmerer die TWL-Strategie mitentwickelt. Mösl blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Energiewirtschaft zurück. Die TWL kennt er seit 2015 als Mitglied der Führungsebene. Feid und Mösl sind für ein Jahr in diese Ämter berufen worden, berichtet Steinruck. Deren Aufgabe sei es nun, die Ist-Situation zu analysieren.
Keine Infos zu Arbeiten am "Freischwimmer"
Nicht zu den Vorgängen äußern will sich auch TWL-Betriebsratschef Jürgen Kofink. Er bestätigt lediglich, dass es morgens die Betriebsversammlung gegeben habe. Auch darüber, wie weit die Arbeiten am Freischwimmer gediehen sind, geben die TWL keine Informationen. Lübkes Vertrag wurde noch Ende 2016 um fünf Jahre verlängert. Kleukers Kontrakt wäre Ende Januar 2019 nach zehn Jahren ausgelaufen. Die TWL beschäftigen nach eigenen Angaben 628 Mitarbeiter. Im Jahr 2016 erwirtschaftete der Energieversorger einen Umsatz von 350 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss lag bei rund 13 Millionen Euro (2015: 5,1 Millionen). Inklusive Gewinnvortrag aus dem Vorjahr kam das Unternehmen in 2016 auf einen Bilanzgewinn von rund 29,8 Millionen Euro. Die TWL mit Sitz in der Industriestraße versorgen die Stadt seit über 100 Jahren mit Strom, Gas, Wasser und Fernwärme. In der Innenstadt entsteht bis 2020 ein neues Kundenzentrum für rund 400 Mitarbeiter.