Ludwigshafen Traum von Rum und Rumba

Draußen war es frisch, drinnen karibisch-tropisch: Pasion de Buena Vista hat die Baumhainhalle im Luisenpark in einen Traum von einer warmen Tropennacht am Meer oder in den Straßen und Bars von Havanna verwandelt, mit Rum, tanzenden Mädchen und dem ständigen Trommeln der Congas und Bongos im Rumba-Rhythmus.
Nun, Rum und Sandstrand gab es zwar keinen. Aber der Rest des karibischen Traums wurde auf der Bühne mit Musik, Gesang und gelenkigen Tänzerinnen und Tänzern in einem Rausch von Farbe und Rhythmus wirklich. Pasion de Buena Vista (Buena Vista ist ein Stadtteil von Havanna) knüpft an das Album „Buena Vista Social Club“, 1996 von Ry Cooder aufgenommen, und an den Dokumentarfilm von Wim Wenders von 1998 an. Sie brachten die kubanische Musik, die vor der Revolution seit den 30er Jahren auch in den USA und Europa sehr populär war, mit den nunmehr zwar sehr gealterten, aber immer noch vor Lebensfreude sprühenden Sängern und Musikern wieder in Erinnerung. Mit den Sängern Sotto Victor-Antunez und Augusto Blanco Zequeira als Stars folgte Pasion de Buena Vista diesem Schema. Aber Vorsicht: So alt, dass sie zur Originalbesetzung gehören könnten, sind die beiden mit Jahrgang 1939 und 1949 nicht. In Sachen Musik gewordener Lebensfreude standen die in Musikerfamilien Aufgewachsenen, deren Lebensweg quasi vom Son, der kubanischen Musik, vorherbestimmt war, ihren Vorbildern aber in nichts nach. Und auch nicht in Sachen Charme, den sie großzügig verströmten. Weibliche Ergänzung war die Sängerin Lisbet Castillo-Montenegro, die für jedes Lied ein neues Kleid anzog – und es waren viele Lieder. Ergänzt wurden sie von drei jungen Sängern und der Band, in der Perkussion die Hauptrolle spielte. Sichtbar machte die Musik die aus zwei Tänzerinnen und drei Tänzern bestehende Tanztruppe, ebenfalls in neuem Kostüm für jeden Auftritt. Der beweglichste Teil dieser Gummikörper war, besonders bei den Mädchen, die Region von Taille und Hüften, wo sie offenbar Elastikbänder eingebaut hatten. Bunte große Rüschen an Ärmeln, Hosenbeinen und Röckchen, viel Bauchfreiheit und bei den Tänzerinnen manchmal ein hoher Kopfputz über der Stirn, so wirbelten sie im unaufhörlichen Mambo-, Rumba- oder Salsa-Rhythmus über die Bühne. So taten sie im Verein mit der Musik das ihre, dass nach kurzer Zeit kaum jemand im Publikum noch still auf seinem Stuhl saß. Überall sah man wippende Beine und bewegte Arme. Der Moderator feuerte das Publikum noch an, und immer mehr verwandelte es sich in eine riesige Sitztanzgruppe mit ziemlich guter Laune. Manche Lieder wie „Guantanamera“ waren Klassiker. Das meiste war aber ein steter Strom aus Rhythmen, über die sich von Fall zu Fall Gesang legte. Offenbar ging es meist um Liebe, um Konkurrenz bei der Liebeswerbung, sichtbar in den Tanzszenen, aber das war auch gar nicht so wichtig. Wichtig war nur dieser unaufhörliche Trommelwirbel, der die Zuhörer in eine Art Trance versetzte. Zum Schluss standen alle, klatschten rhythmisch und tanzten auf der Stelle, in den Gängen zwischen den Blocks, vor oder hinter den Stuhlreihen, wo eben ein wenig Platz war. Ein Reisebüro mit Kuba-Reisen am Ausgang dürfte gute Geschäfte gemacht haben.