fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Trainer Ediz Sari tritt beim ASV Fußgönheim zurück

Immer motiviert, immer engagiert und immer emotional. Trainer Ediz Sari hat sich in der Region einen Namen gemacht.
Immer motiviert, immer engagiert und immer emotional. Trainer Ediz Sari hat sich in der Region einen Namen gemacht.

Mit einem Paukenschlag ist Verbandsligist ASV Fußgönheim in den Endspurt der Hauptrunde gestartet. Trainer Ediz Sari ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Er nennt einen Vertrauensbruch als Grund. Bis zur Winterpause übernimmt der spielende Co-Trainer Pietro Berrafato. Wie geht es weiter? Wer wird Nachfolger?

Ediz Sari war schockiert. „Der Verein hat hinter meinem Rücken mit einem anderen Trainer gesprochen. Da sehe ich keine Basis mehr, weiterzuarbeiten. Ich bin sehr enttäuscht“, sagt der 52 Jahre alte Sari, der seit 2020 den ASV trainiert.

Gemeint sind Gespräche, die Vorstandsmitglied Stefan Wehe, der für Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Sponsoring zuständig ist, zunächst allein und dann zusammen mit dem Ersten Geschäftsführer Giuseppe Vitale mit Fisnik Myftari (34) geführt hat. Myftari war früher Spieler und danach für kurze Zeit auch Trainer der Fußgönheimer gewesen.

Stefan Wehe spricht von einem Missverständnis

„Es stimmt, wir haben mit Myftari gesprochen, aber es ging nicht um eine Anstellung als Trainer. Etliche Spieler sind schon über 30. Wir brauchen frisches Blut, und Fisnik hat gute Kontakte zum SV Waldhof Mannheim“, erklärt Wehe. Myftari war von 2006 bis 2011 beim SV Waldhof unter Vertrag gestanden und zuletzt im Juniorenbereich des Drittligisten tätig. „Der Kontakt zu ihm soll uns helfen, junge Spieler aus dem Nachwuchs des SVW an uns zu binden“, verdeutlicht Wehe. Er spricht von einem Missverständnis.

Eine Notwendigkeit, Sari über die Gespräche vorab zu informieren, sieht er nicht: „Ich treffe mich mit vielen Leuten, führe unzählige Gespräche für den Verein, in denen es um zukünftige Ausrichtungen, Konzepte, Strukturen und Verbesserungen geht, da muss ich nicht immer jeden einweihen.“ Im Übrigen habe man mit dem gesamten Trainerteam erst vor Kurzem bis 2023 verlängert, als Zeichen, dass man zu den Übungsleitern stehe. Ein Problem mit dem Trainer habe es nicht gegeben.

Neuer Coach zum 1. Januar

Trainer Sari indes ist sich sicher, dass die Gespräche einen anderen Hintergrund hatten, nämlich zum 1. Januar einen neuen Coach zu installieren. Fisnik Myftari war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Am Donnerstagabend verabschiedete sich Sari schließlich mit stockender Stimme vom Team, wie er sagt. „Das ist meine Mannschaft, und es tut mir weh, sie zu verlassen“, sagt der scheidende Coach. Er habe den Spielern nahegelegt, auf jeden Fall bis zur Winterpause weiterzuspielen und alles für den Verein zu geben.

Schon gleich neun Bewerbungen für den Trainerjob

Der spielende Co-Trainer Pietro Berrafato, ein Sari-Vertrauter, geht voran. „Ich bleibe bis zum letzten Spiel der Hauptrunde am 12. Dezember an Bord“, verspricht der 34-jährige Innenverteidiger. Er werde auf die Mitspieler einwirken, mitzuziehen. Versuche des Spielerrats, Sari umzustimmen, seien fehlgeschlagen. Mit dem Trainer hat auch der Sportliche Leiter Osman Boyraz aufgehört.

„Wir müssen die Entscheidung von Ediz akzeptieren. Wir sind ihm dankbar für die Arbeit, die er für uns geleistet hat“, sagt Wehe. Gleichwohl sei man nun gezwungen, sich sofort der Trainerfrage zu widmen. Schon am Tag, als Saris Rücktritt publik wurde, hätten sich neun Trainer für den Job beim ASV beworben. Die Verantwortlichen haben genug Zeit, einen geeigneten Kandidaten auszuwählen. Wer von den Spielern auch über das Jahresende hinaus das Trikot der Fußgönheimer trägt, lässt sich derzeit nicht absehen. Klar dürfte aber sein, dass es einen Umbruch in größerem Stil geben wird, dessen Ausmaß nicht abzuschätzen ist. Für viele Akteure ist Sari weit mehr als ein Trainer, nämlich Freund und Bezugspunkt. Eine ganze Reihe hat unter ihm auch schon bei Phönix Schifferstadt gespielt. „Wir wollen uns künftig nicht von einem Trainer abhängig machen“, betont Wehe. Eine gute Idee.

Kommentar

Auf ASV kommen Probleme zu

Saris Abgang dürfte den ASV Fußgönheim härter treffen, als es im Moment den Anschein hat.

Der Rücktritt von Trainer Ediz Sari beim ASV Fußgönheim kam völlig unerwartet. Der Übungsleiter fühlte sich in seiner Ehre verletzt und war nicht zum Weitermachen zu bewegen. Für den Verein, der in den vergangenen Monaten viel angestoßen und bewegt sowie eine Aufbruchstimmung erzeugt und sein Image aufpoliert hat, ist das ein Rückschlag. Saris Abgang dürfte den ASV härter treffen, als es den Anschein hat.

Der emotionale Coach hat viele Verbindungen und zu den Spielern einen guten Draht. Das jetzige Team hat weitgehend er zusammengestellt. Es besteht aus vielen Akteuren, die er von früheren Stationen kennt und denen er Fußgönheim schmackhaft gemacht hat. Ob diese „Sari-Spieler“ alle beim ASV bleiben, darf bezweifelt werden. Wahrscheinlicher ist es, dass der Club zum wiederholten Mal in den vergangenen Jahren vor einem personellen Neuaufbau steht. Deshalb will die Wahl des neuen Trainers gut überlegt sein. Dieser Schuss muss sitzen.

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