Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Totschlag in Bayreuther Straße: Hintergründe weiter im Dunkeln

In einem der Wohnblöcke in der Bayreuther Straße wurde im April 2021 ein Mann totgeprügelt.
In einem der Wohnblöcke in der Bayreuther Straße wurde im April 2021 ein Mann totgeprügelt.

Totschlag und gefährliche Körperverletzung lautet die Anklage gegen einen 45-jährigen Ludwigshafener in einem Verfahren am Schwurgericht des Landgerichts Frankenthal. Die Kammer bemüht sich zu klären, ob der Angeklagte am 27. April 2021 in einem Wohnblock in der Bayreuther Straße (West) einen 59-Jährigen totgeprügelt hat.

Der Angeklagte hat an den bisherigen Verhandlungstagen nichts zu den Vorwürfen der Anklage von Staatsanwalt Daniel Otto gesagt. Das Gericht versucht, durch die Anhörung zahlreicher Zeugen das Geschehens am späten Abend des 27. April in der Bayreuther Straße zu rekonstruieren. Doch es ist schwierig, Licht in das Dunkel zu bringen – und das liegt nicht daran, dass es in der Wohnung, in der der Tote lag, dunkel war, weil der Strom abgeschaltet war. Schwierig sind die Aussagen eines Teils der Zeugen. Die machen teils sehr widersprüchliche Angaben, andere geben an, dass sie nichts wüssten.

„Ich weiß nichts Spezifisches“, versicherte am Dienstag eine 54-Jährige, die in dem Block wohnt, in dem der 59-Jährige totgeschlagen wurde. Mit viel Mühe und wiederholten Hinweisen auf ihre Pflichten als Zeugin gelang es den Juristen, der Frau ein paar Angaben zu entlocken. Sie habe in der Nacht nur mitbekommen, dass Rettungswagen, Polizeiautos und ein Leichenwagen in den Hof gefahren sind, weil die Lichter der Autos in ihr Zimmer geleuchtet hätten. Ansonsten habe sie nur Kenntnisse „vom Hörensagen“, so die Frau.

Zeugin nicht vereidigt

Auf Rückfragen, was das für Kenntnisse sind, reagierte sie mit den Worten: „Ich werde mich hier nicht verwenden lassen, ich lasse mich nicht für irgendwas einspannen.“ „Genau“, sagte die Frau zur Äußerung des Vorsitzenden Richters Karsten Sauermilch, dass sie sich wohl aus allem heraushalten wolle. Im Lauf der weiteren Vernehmung meinte die Zeugin, die Freundin des Angeklagten habe ihr gesagt, dass sie zugunsten des Mannes aussagen solle. Den 45-jährigen Angeklagten bezeichnete die 54-Jährige als „hilfsbereiten, jungen Mann“. Gesehen habe sie ihn am Tatabend nicht. Sie habe aber inzwischen erzählt bekommen, dass der Angeklagte an diesem Abend zwei Männer geschlagen habe, das spätere Todesopfer sei aber nicht darunter gewesen. Einem der Männer habe er den Kopf „auf die Tischplatte geklatscht“. „Sie werden nicht vereidigt“, teilte Sauermilch der Frau am Ende ihrer Aussage mit. „Das ist auch gut so“ – diesen Zusatz konnte sich der Vorsitzende Richter nicht verkneifen.

„Die Situation war diffus“, sagte der Notarzt aus, der vor Ort gewesen war. Rettungssanitäter und er hätten längere Zeit versucht, den auf dem Boden einer sehr vermüllten Wohnung liegenden Mann zu reanimieren, doch ohne Erfolg. Er habe keine äußeren Verletzungen an dem Mann gesehen, allerdings sei die einzige Beleuchtung eine Taschenlampe der Sanitäter gewesen, meinte der Notarzt. Er berichtete, dass er mehrere Personen gefragt habe, was passiert sei, „doch alle haben irgendwie ausländisch gesprochen“. „Weil die Lage unklar war, haben wir uns entschlossen, die Polizei zu alarmieren“, sagte der Notarzt. Mehrere Polizisten berichteten ebenfalls von einer sehr unübersichtlichen, chaotischen Situation in dem Block.

Verhandlung wird fortgesetzt

Am nächsten Verhandlungstag, am Donnerstag, 28. April, 10 Uhr, sollen weitere Bewohner der Bayreuther Straße aussagen. Sauermilch kündigte an, dass er danach mit dem Staatsanwalt und den Verteidigern ein Gespräch darüber führen möchte, wie es weitergehen soll. Er habe keine Lust, sich noch viele dieser Zeugenaussagen anzuhören, so der Vorsitzende.

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