Lambsheim
Theater am Türmchen: In den Startlöchern
Mit der Komödie „Alle lieben Waldemar“ von Bernd Spehling greift das Theater am Türmchen Lambsheim ein hochaktuelles Thema auf: Altenbetreuung zwischen Pflegenotstand und Künstlicher Intelligenz. Premiere ist am Samstag, 11. April.
Im Mittelpunkt steht Waldemar Stadler – ein humanoider Roboter, der in den Alltag von drei Seniorinnen tritt. Er sorgt sich, hilft, hört zu. Er ist aufmerksam, charmant, höflich und intelligent – kurz: nahezu perfekt. Gespielt wird Waldemar von Werner Haubrock, der zugleich in der Komplementär-Rolle eines begriffsstutzigen Minijobbers auftritt.
Boulevardeskes Verwirrspiel
Die Begeisterung der Frauen ist groß: Waldemar bringt Ordnung ins Leben, sogar ins Denken. „Ein Klugscheißer, aber irgendwie sexy“, stellt das Damen-Trio fest. Doch je reibungsloser der Helfer funktioniert, desto deutlicher werden die Bruchstellen. Denn Spehlings Komödie ist mehr als ein boulevardeskes Verwirrspiel: Sie fragt, worauf es im Alter ankommt – und ob technische Perfektion menschliche Beziehung ersetzen kann.
Die Inszenierung liegt in den Händen von Aschwin Gopalan, der bewusst auf Science-Fiction-Effekte verzichtet. Stattdessen setzt er auf Figurenarbeit, präzises Timing und Pausen. „Comedy entsteht zwischen den Sätzen“, lautet sein Credo. Genau dort entfaltet sich der Humor – leise, manchmal scharf, oft entlarvend.
Die bequeme Lösung
Das ambitionierte Laienensemble hat sich gezielt für dieses Stück entschieden, weil es Gegenwartsfragen berührt. Wie gehen wir mit dem Älterwerden um? Was bedeutet Würde? Und sind humanoide Roboter – sie sind bereits in Japan im Einsatz – eine Antwort auf den Pflegenotstand – oder nur eine scheinbar bequeme Lösung?
Die drei Seniorinnen werden gespielt von erfahrenen Darstellerinnen: Ulrike Lotterhoß spielt die draufgängerische Anneliese Hasenfeld, die sich trotz Rollator nicht aufhalten lässt. Ingeborg Aldenhoven-Krauß mimt eine italienische Seniorin, sarkastisch und abgebrüht, und Susanne Gopalan die gutmütig-naive Rosemarie von Wittenberg. Ergänzt wird das Ensemble durch Erika Albrecht als Annelieses Tochter Katharina, Martin Armbruster als Kranichforscher (und Kavalier von Rosemarie) Eric von der Heide. Schlüsselrollen fallen Harald Krauß als Vertreter der IGK (Intelligente Gesundheitskasse) und Daniela Weisenburger als Dr. Hung, Mitarbeiterin des Unternehmens „Human Artificial Intelligence Solutions“ (HAI), das Waldemar entwickelt hat, zu.
Proben auf der Zielgerade
Für Technik zeichnet Horst Lotterhoß verantwortlich, Bühne und Kulisse stammen von Willi Heiser, Kostüme von Conny Heintz und für die Maske ist Beate Haubrock verantwortlich.
Die Proben, im Januar begonnen, biegen in die Zielgerade, das Ensemble wirkt hochmotiviert und hat sichtlich Spaß, mit pointierten Dialogen und zwischenmenschlichen Verwicklungen dieses hochaktuelle Thema auf die Bühne des protestantischen Gemeindehauses Lambsheim zu bringen. Regisseur Gopalan verfolgt in seiner Inszenierung das Kunststück, dem Publikum ein ernstes Thema mit simplen komödiantischen Mitteln nahezubringen „Alle lieben Waldemar“ verspricht einen unterhaltsamen Abend, der Leichtigkeit und Nachdenklichkeit verbindet – und eine Frage stellt, die weit über die Bühne hinausreicht.
Termin
Die Komödie „Alle lieben Waldemar“ von Bernd Spehling hat am Samstag, 11. April, im Protestantischen Gemeindehaus Lambsheim, Stadtgrabenstraße 25, Premiere. Weitere Vorstellungen sind am 12., 17., 18. und 19. April. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, sonntags um 19 Uhr. Eintritt 15 Euro, Vorverkauf bei Brillen-Bott, Lambsheim. Reservierungen: kartenvorverkauf@tat-lambsheim.de.