Ludwigshafen TDSV Mutterstadt gibt es nicht mehr

. Jahrelang hatte der TDSV Mutterstadt versucht, in die Bezirksliga aufzusteigen. 2009 gelang dies endlich. Als die Mannschaft ein Jahr später den Sprung in die Landesliga schaffte und 2011 in die Verbandsliga durchmarschierte, brach Euphorie aus. In diesen drei Jahren, als der TDSV jeweils über die Aufstiegsspiele den Einzug in die nächsthöhere Klasse perfekt machte, säumten viele, meist türkischstämmige Zuschauer das Spielfeld. Die Fans waren spendabel, Geld spielte keine Rolle. Die Mutterstadter sind aber auch ein Paradebeispiel dafür, dass im Erfolg die größten Fehler gemacht werden. Damals wurden Luftschlösser gebaut, statt einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Nachhaltigkeit, Bodenständigkeit und Realismus waren in dieser Phase Fremdwörter. Stattdessen wurde von der Ober- und Regionalliga gefaselt. Als der Alltag eingekehrt war, ließ die südländische Begeisterung nach und der zuvor gute Zuschauerzuspruch flaute ab. Vier Jahre lang spielte der TDSV in der Verbandsliga, belegte die Plätze neun, 14, elf und fünf. Verbandsliga-Rekordspieler ist Arber Zogaj (111 Einsätze), der einzige der 88 eingesetzten Akteure, der auf mehr als 100 Spiele kam. Bester Torschütze ist Kadir Seker (18 Treffer). In der Verbandsligazeit wurde aber auch deutlich, dass der Verein, der nie eine Heimat im Sinne eines Clubhauses hatte, eher eine Interessengemeinschaft ohne Substanz ist. Das größte Manko der Mutterstadter war die Schwäche in der Administration. Es gab in all den Jahren nur wenige Menschen, die sich engagierten, Aufgaben und Posten übernahmen. Strukturen waren nicht erkennbar, Kompetenzen und Zuständigkeiten blieben oft im Dunkeln, es gab Defizite in der Organisation. Unzählige Spieler kamen und gingen, manche ohne überhaupt einmal gespielt zu haben. Dem Verein ist es trotz vielfacher Ankündigungen auch nie gelungen, die vom Verband geforderte Jugendarbeit zu betreiben. Die Kooperation mit anderen Klubs verlief unbefriedigend, stand meist nur auf dem Papier. Über halbherzige Absichtserklärungen kam der TDSV selten hinaus, auch weil es kein echtes Interesse daran gab, von genügend Trainern und Betreuern ganz zu schweigen. Just in der Zeit des größten sportlichen Erfolgs, als Coach Ediz Sari in der vergangenen Runde eine verschworene Einheit auf den Platz brachte, wurden Führungsschwächen und finanzielle Probleme – zwei gravierende Mängel, die sich wie ein roter Faden durch die letzten Jahren zogen – dem TDSV zum Verhängnis. Finanzielle Versprechungen, die Spielern und Trainern gemacht wurden und die der Verein zuvor oft mit Verspätung oder nur teilweise erfüllt hatte, wurden nicht mehr eingehalten. Das wacklige Konstrukt brach auseinander, die Mannschaft ebenso. „Mir blutet das Herz, dass es den Verein bald nicht mehr gibt“, sagte Ex-Trainer Sari. Die Zahl derer, die ähnlich denken, war in der Vergangenheit zu gering, sonst wäre es nicht zu dieser Entwicklung gekommen. Mit der Abmeldung werden alle bisher ausgetragenen Partien der Mutterstadter in der B-Klasse gestrichen. Nutznießer sind die Mannschaften, die gegen den TDSV Punkte abgegeben haben. So haben sich etwa die Chancen der FG Dannstadt im Aufstiegsrennen ebenso verbessert wie die des TuS Altrip II im Abstiegskampf. Zudem haben nach Auskunft des Kreisvorsitzenden Klaus Karl (Weingarten) die Verantwortlichen den Antrag gestellt, den TDSV aufzulösen und aus dem Vereinsregister zu streichen. „Das tut schon ein bisschen weh“, sagte Werner Depner, einer der Gründungsmitglieder im Jahr 1991.