Großkarlbach
TAW-Sommerfestival: Magischer Abend mit drei Comedians
„Ä Dummbabbler kommt selten allein“ hieß das Programm und versprach vier Exemplare dieser Gattung. Tatsächlich standen jedoch nur drei Dummbabbler auf der Großkarlbacher Bühne. Weder hatte sich der Initiator und Mitspieler sowie Leiter des Deidesheimer Boulevardtheaters, Boris Stijelja, verrechnet. Noch war ein Akteur ausgefallen. Schlicht und ergreifend gab es vier Bühnenfiguren von einem komödiantischen Trio.
Außer auf der Webseite des TAW war das Programm nirgends zu entdecken gewesen. Stijeljas Erklärung: Er habe neben der Komödie „Mach dich naggisch …“ am Sonntag „etwas ganz anderes, Neues und Originelles“ bieten wollen. Und habe daher zwei Kollegen hinzugebeten, die mit eigenen Programmen erfolgreich sind – Kai Kramosta als Handwerker Peters, der spätestens seit seinen täglichen Sketchen bei Radio RPR1 bekannt ist wie ein bunter Hund, sowie Markus Weber in der Doppelrolle als Sprachforscher des pfälzischen Dialektes und als das geradezu biblisch hochbetagte Fräulein Baumann. Es wäre zu wünschen, dass Stijelja seine beiden Kollegen mal wieder für eine derartige Koproduktion zusammentrommelt. Die geballte Energie, Fantasie und komprimierte Fülle an Gags, aufgeführt von drei absolut unterschiedlichen Comedians, schreit geradezu nach einer Fortsetzung.
Der Döner-Platz in Ludwigshafen
Stijelja selbst kam in seiner Paraderolle daher, die autobiografisch ist: Der gebürtige Kroate lebt seit 19 Jahren in Deutschland und kann sich köstlich wundern über die Sitten seiner neuen deutschen Heimat. Elegant, wie er seine Anekdoten geografisch aneinander fädelte, sodass eine Landkarte witziger Aha-Effekte ausgebreitet wurde: Auf dem Berliner Platz in Ludwigshafen, den er in Döner-Platz umtaufte wegen der vielen türkischen Imbisse, machte er zum Beispiel seine ersten dialektalen Gehversuche. Einfach köstlich, wie sich der Kroate mit dem Vorderpfälzer Zungenschlag abstrampelte, als sei es das in Teilen Afrikas gesprochene Suaheli.
Als Conferencier des Abends leitete Stijelja geschmeidig über zu Weber, der in der Manier des Akademikers ebenfalls äußerst sprachaffin den pfälzischen Dialekt genüsslich sezierte. Das geneigte Publikum erfuhr, weshalb der Pfälzer sowohl grammatikalisch als auch phonetisch ebenso bequem wie auch eigenwillig das Hochdeutsch ummodelt. In der regionalen Lautlehre wird das „U“ gern ausgemerzt und zum „O“ wie beim Dorscht und beim Forz (Durst und Furz). Auch habe der Pfälzer einen Hang zu Liaisons, dozierte Weber wichtig. Was weniger mit Paarbeziehungen zu tun habe als mit dem Zusammenschmelzen ganzer Sätze zu einem Wort. Wie „Hammersball“ – womit Eingeborene ihre Ungeduld an der Kasse im Supermarkt kundtun. Was nach einer skurrilen Sportart klingt, ist in Wahrheit der Ausruf „Haben wir es bald!“.
„Als hätte man sich in die Hose gemacht“
Handwerker Peters erschien behelmt, in Blaumann und mit Werkzeugkoffer. Schnell identifizierte er im Publikum einen Gesprächspartner: Mit dem Elektriker Helmut philosophierte er über die Schattenseiten des Handwerks. In dem Fach- und auch Lachkräftemangel herrscht. Beidem könne man abhelfen, mit einer Reform der Gewerke: den Schlosser umtaufen in Iron man, den Friseur in Kopfgeldjäger. Peters schloss mit einer Liebeserklärung an seine Heimat, die Eifel. Und zitierte seinen Vater: „Heimat ist, als hätte man sich in die Hose gemacht. Jeder sieht es. Aber du alleine spürst die Wärme.“
Als Fräulein Baumann, getauft nach seiner Großmutter und inspiriert von Begegnungen in seiner Apotheke, wurde Weber frenetisch gefeiert. Sie hat ihren 100. Geburtstag schon lange hinter sich und macht mit einem Club gleichaltriger Freundinnen die Welt unsicher. Das hochbetagte Fräulein zog vom Leder: über Lisbeth, die nach Gehör einparkt und das Seniorenheim als Knast für alte Leute mit Freigang erlebt. Der Club der über 100-Jährigen lauscht übrigens ungern Langspielplatten – man weiß nie, ob man das Ende noch erlebt.