Ludwigshafen Tanzlehrer, Dompteur, Seelentröster
«Mitte.» Seit nunmehr 20 Jahren leitet Frank Fornaçon die Tanzschule „Tanz Art Fornaçon“ im Ludwigshafener Hauptbahnhof. Das soll das ganze Jahr über gefeiert werden. Den Auftakt des Marathons hat der große Jubiläumsball am Samstag im Ludwigshafener Pfalzbau gemacht – mit einem durch und durch gut gelaunten Gastgeber.
Alles glitzert, leuchtet und glänzt. Die vielen Lichter im Ballsaal des Pfalzbaus spiegeln sich im blank polierten Parkett. Stolze Eltern und Großeltern sitzen an den festlichen Tischen und sind mindestens genauso aufgeregt wie die 80 Tanzschüler: 40 junge Damen mit Hochsteckfrisuren und knisternden Kleidern und 40 junge Männer im dunklen Anzug mit Krawatte oder Fliege. All das gehört zum Ball wie die Eröffnungspolonaise. Doch bevor Paare in den Saal einziehen, um den Abend zu eröffnen, sind etliche Stunden des Übens und der minuziösen Planung nötig. Besonders viel Einsatz erfordert die Vorbereitung vom „Dompteur“ der Bande – dem Tanzschulbesitzer Frank Fornaçon. Für den ist die Zeit unmittelbar vor so einer Feier auch nach 20 Jahren spannend. Monate hat er in die Planung des 60. Abschlussballs seiner Tanzschule gesteckt. „Um die 40.000 tanzfreudige Menschen durfte ich in den letzten 20 Jahren zu solchen Veranstaltungen begrüßen“, erzählt Fornaçon nicht ohne Stolz. Viele seien Stammgäste, die Hunderte Kilometer fahren, um dabei zu sein. Im weißen Frack bereitzustehen, um den Besuch zu empfangen ist daher Ehrensache. Rund 800 Gäste kommen zu seinem Jubiläumsball. Nicht weniger als drei Mal wird Fornaçon 2018 sein 20. Dienstjubiläum als Inhaber der Tanzschule Tanz Art begehen. Dafür hat er sich Besonderes einfallen lassen. Das Opening à la Lido de Paris mit Damen in atemberaubenden Federkostümen ist ein Versprechen an die Besucher. Wie viele seiner Tanzschüler hat der heute 41-jährige Frank Fornaçon nach der Konfirmation den ersten Kurs belegt. Nur ist er wahrscheinlich der Einzige, der ihn in einer Tanzschule absolvierte, die er später übernehmen sollte. Das Tanzen faszinierte Fornaçon schon mit 15 Jahren: Nach dem Grundkurs absolvierte er sämtliche Kurse, um dann in die Formationstanzgruppe einzusteigen. Sein Taschengeld besserte als Kurspartner und DJ auf. Nach der Mittleren Reife und zehn Jahren Chor- und Solo-Gesang in Schauspiel-AGs sowie als Tänzer schwankte er zwischen verschiedenen künstlerischen Ausbildungsmöglichkeiten – und entschied sich letztlich für die Ausbildung zum ADTV-Tanzlehrer. Der Laie staunt, was ein angehender Tanzlehrer alles pauken muss. Es geht nämlich nicht nur darum, später Jugendlichen die richtigen Schritte beizubringen, sondern auch um Moderation, Anatomie, Rhetorik, Musiktheorie bis hin zu guten Umgangsformen. Die sind Fornaçon besonders wichtig: „Die Jugendlichen der Handy-Generation dürfen bei mir wieder lernen, in ganzen Sätzen zu sprechen und sich höflich zu benehmen!“ Als Tanzlehrer ist er weit genug vom eigentlichen Erziehungsauftrag weg, dass die Kids Ratschläge von ihm recht gut annehmen können. Gerade mal 17-jährig stand der junge Frank also an sechs bis sieben Tage in der Woche im Tanzstudio, unterrichtete, legte Musik auf und paukte Theorie. Mit 21 Jahren übernahm er nach vier Jahren Ausbildung, einem halben Jahr Anstellung und gerade mal sieben Jahre nach der ersten Tanzstunde seine Ausbildungs-Tanzschule, in der er bis heute wirkt. Verändert hat er seitdem nur wenig – hier und da mal ein Bild aufgehängt oder ein Sofa bezogen. Die Gäste danken es ihm mit Treue. Viele von denen, die er damals schon zu Tanzkursen und Tanzclubs begrüßte, sind noch dabei. „Es gibt tatsächlich Kunden, die kommen schon seit 40 Jahren hierher“, berichtet er. Das älteste Tanzpaar, das alle zwei Wochen den Tanzkreis für Erwachsene besuche, sei über 70 Jahre alt.“ „In den 20 Jahren habe ich vieles gehört und miterlebt, von Alltäglichem über Entlassung bis hin zu Liebesgeschichten, die hier begannen und in Hochzeiten endeten“, berichtet der Tanzlehrer. Allein 2017 hätten drei Paare geheiratet, die sich bei in seiner Tanzschule kennenlernten. Neben den großen Abschlussbällen veranstaltet Fornaçon auch jedes Jahr einen Tanz in den Mai und ein Sommernachtsfest. Das alles macht ihm nach wie vor sichtlich Freude, auch wenn er dafür an fünf Tagen die Woche arbeitet, inklusive Wochenende – und das zu Arbeitszeiten, an denen andere längst Feierabend haben. „Samstag ist unser Powertag, da wird von 10 bis 24 Uhr durchgetanzt“, berichtet er. Auf dem Ball geht es inzwischen mit einem bunten Programm weiter. Zwischen zahlreichen Höhepunkten wie einem von der Show-Formation getanzten Coldplay-Medley und der großen Jubiläumsrevue mit Ausschnitten aus den Shows der letzten Jahre wie Tarzan, Grease, Mamma Mia, Dirty Dancing oder einer Michael-Jackson-Revue haben die Gäste ausreichend Gelegenheit, selbst das Tanzbein zu schwingen. Und das kann sich wirklich sehen lassen. Die Tanzfläche ist jedenfalls immer gefüllt. Ob sich heute ein weiteres Paar die ewige Liebe schwört? Verliebte Blicke gibt es jedenfalls zuhauf.