Ludwigshafen
Tanz auf dem Whisky-Fass mit „The Spirit of Irish Christmas“ im Mutterstadter Palatinum
Irish Music und Irish Step sind die kulturellen Exportschlager der Grünen Insel. Sie lassen Riesensäle und ganze Arenen erbeben. Im voll besetzten Palatinum in Mutterstadt war die Begeisterung über die authentisch gehaltene Show „The Spirit of Irish Christmas“ riesig. Und die Leute erfuhren, warum Whisky eine Geißel ist und dass irische Rhythmen komplexer als deutsche Klatschkultur sind.
Bereits der Titel der Show verrät und noch mehr die Art, wie er auf der Bühne umgesetzt ist: Die Gruppe hat ein Profil, das sich gegen die zahlreichen anderen im Irish-Step-Geschäft positioniert und in den fünf Jahren seit ihrer Gründung mit mehreren Programmen behauptet hat. Statt Hightech bringen die Danceperados Live-Performance, statt vorgefertigter Perfektion Spontaneität, statt Show-Effekten kulturelle Authentizität. Irische Weihnacht ist ein großer Topf voll Brauchtum, in dem ein Gebräu ausgelassener Freude mit einer kleinen Portion Sentimentalität brodelt. Ein wenig schlägt sich diese in der Musik nieder; der Tanz ist ungebremste Lust.
In Wort und Bild erfahren wir von Söhnen, die zu Weihnachten von weit her nach Hause kommen, wo die Mama den Irish Christmas Plum Pie zubereitet. Wir erfahren vom Irish Whisky, der wirtschaftlich ein Highlight, aber sozial oft eine Geißel ist. Wir erfahren von vielerlei Bräuchen, die oft uralt und manchmal sonderbar sind, wie die Wren Boys, die am 26. Dezember in alten Klamotten und mit Strohhüten verkleidet von Haus zu Haus ziehen und tanzend Geld für einen karitativen Zweck sammeln.
Gefühl von Intimität
Die erklärenden Texte werden eingeblendet und dazu auf deutsch gesprochen. Indem die Sängerin und der Gitarrist auch moderieren, baut sich eine Atmosphäre von Intimität auf. Die Videos von irischen Winterlandschaften, Brauchtum, einer Tanzszene zwischen Whisky-Fässern wirken handgemacht. Die Lichtshow ist effektvoll, von der Machart her eher einfach. Vor dem schlicht gehaltenen Hintergrund einer lebendigen Tradition wird die Verflechtung von Musik und Tanz zum Ereignis.
Die Tänzer sind klasse, sechs Mädels und vier Burschen. Die Mädels in den eng anliegenden Minikleidchen über schwarzen Strumpfhosen, manchmal auch in langen Röcken, die sie malerisch schwenken. Die Burschen in schwarzem Hemd oder weißem Hemd plus Weste, manchmal mit grauer Kappe. Ihr rasendes Steppen fährt dem Publikum in Beine und Hände. Die Darsteller laufen in Reihe ein, tanzen in Reihe frontal zum Publikum, füllen dazwischen als Gruppe die Bühne, auch paarweise. Der Choreograf und Szene-Star Michael Donnellan lockert die traditionell starr aufrechte Haltung mit an den Körper gepressten Armen auf, winkelt die Oberkörper ab, bringt die Arme in Bewegung. Er lässt Reigen tanzen, die Mädels auch einmal lyrisch ballettös.
Komplexer als deutsche Klatschkultur
Immer ist es die Bewegung der Füße, die mitreißt. Sie ist so schnell und vielfältig, dass man ihr mit den Augen kaum folgen kann. Sie tanzen auf Whisky-Fässern, ein Solist tanzt gar auf der abgeflachten Schuhspitze. Es ist Tanzartistik, angetrieben von der irischen Trommel Bodhrán oder ohne Musik aus dem eigenen Körper heraus. Er schwenkt seine Kappe und bricht den Stepp plötzlich lachend ab, während das Publikum automatisch weiterklatscht. Der irische Rhythmus ist komplexer als die deutsche Klatschkultur.
Noch etwas mehr im Vordergrund als die fantastischen Zehn steht die Band mit ihrer Bühnenpräsenz und den Solos. Sängerin Geraldine MacGowan und Sänger/Gitarrist Harry Lowlor mit elegischen Liedern, Deirdre O’Meachair mit Fiedel und Harfe, Dermot Byrne mit Akkordeon. Wenn der Schlagzeuger Connor Moore den Schlegel auf der Bodhrán tanzen lässt, meint man steppende Füße zu sehen.