Ludwigshafen
Tag der offenen Moschee: Über den Fußball ins Gespräch kommen
„Der Fußball ist unser Symbol. Die Welt spricht Fußball“, sagt Mamoud Breighith. Der Vorstandsvorsitzende des Annur-Kulturvereins für Bildung und Sozialarbeit freut sich über die Gäste, die zum Tag der offenen Moschee in die Brunhildenstraße (West) gekommen sind und sich über den gläsernen Ball im Innenhof wundern. Ziel erreicht. „So kommen wir ins Gespräch“, meint er.
Man versteht sich weniger als religiöse Gemeinschaft, sondern mehr als Verein, bei dem alle willkommen sind. „Der Frieden sei mit euch und allen gnädigen Herren der Welt“, gilt der Gruß allen Besuchern im Gebetsraum. Der hat einige Besonderheiten, denn bis vor wenigen Jahren befand sich hier der Gastraum von „Müllers Wirtshaus“. „Wir haben das Gebäude 2017 gekauft und sehr lange umgebaut“, berichtet Breighith. Eröffnet wurde die Moschee dann 2022. Nicht die einzige Besonderheit in der Brunhildenstraße. „Wir gehören keinem Dachverband an und haben Mitglieder aus 18 Nationen“, erzählt der Vorstandssprecher. Zum wichtigen Freitagsgebet könnten es aber auch durchaus mehr Nationen sein. „Wir haben rund 170 angemeldete Mitglieder, aber freitags können hier auch schon mal 300 Menschen gemeinsam beten.“ Verbunden sei man über das gesellschaftliche Engagement. „Wir sind ein Ort des Glaubens, der Bildung und der Kultur“, betont er.
Deshalb sei auch zunächst einmal die obere Etage des ehemaligen Gaststättenbetriebs ausgebaut worden. „Dort findet unser Unterricht statt.“ Sicherlich werde dort auch die arabische Schrift gelehrt, aber in der Hauptsache handele es sich um Nachhilfeunterricht in den klassischen Schulfächern Deutsch, Englisch oder Mathematik, und das vom Kindergartenalter bis zur siebten Klasse. Alles auf dem Boden des Grundgesetzes. „Bei uns gibt es keinen Einfluss von außerhalb. Wir verstehen uns unabhängig von unserer Nationalität im Herzen als Pfälzer und Ludwigshafener“, betont Breighith bei der Führung durch die Immobilie. Deshalb beteilige sich der Verein auch mit großem Engagement am Ludwigshafener Inselsommer. Dort zwar nicht mit Fußball, sondern mit Informationen und internationalen Speisen – aber schließlich ist auch Essen eine universelle Sprache.
„Gemeinsam gestalten, kulturell wachsen“
„Gemeinsam gestalten, kulturell wachsen“ lautet daher das Motto zum Tag der offenen Moschee. Dabei sind selbst Frauen während des Gebets im gleichen Raum kein Problem, solange sie sich nicht am Gebet beteiligen. Dafür gibt es auch hier einen gesonderten Bereich. Genutzt wird er während der Veranstaltung als eine Art Bibliothek für Austausch und Diskussion. Wem das noch nicht genügt, der kann sich auch im Kantinen- und Aufenthaltsbereich der Moschee aufhalten und dort das Gespräch suchen. Und wem das noch immer nicht genügt, für den stehen auch, als äußerst ungewöhnliche Ausstattung einer Moschee, zwei Tischkicker bereit. „Wir verstehen uns eben in erster Linie als Kulturverein für Bildung und Sozialarbeit“, erklärt der Vorstandsvorsitzende. „Und der Fußball ist unser Symbol.“