Böhl-Iggelheim
Tödliche Messerattacke auf Mutter: Haftbefehl erlassen, neue Details zur Tat bekannt
Am Tag nach der Bluttat sind in dem Wohnviertel in Böhl-Iggelheim, in dem sich das Verbrechen ereignet hat, wieder etwas Normalität und Alltag eingekehrt. Zum Beispiel kann der Briefträger wieder zu den Häusern in dem Straßenstück kommen, das am Montag noch abgesperrt war, und Post bringen. Der Dauerregen hat den Blutfleck auf dem Gehweg vor dem Haus weggespült.
Komplett zurück in der Normalität ist das Wohnviertel und seine Menschen noch nicht gelangt. Auch am Dienstag waren die Spurenermittler der Polizei in dem Haus zugange, in dem sich die Bluttat ereignet hat. Ein 28 Jahre alter Mann hat hier nach ersten Erkenntnissen in der Nacht von Sonntag auf Montag mit einem Messer seine Mutter getötet und seinen 35 Jahre alten Bruder schwer verletzt. Seine 36 Jahre alte Schwester hat der 28-Jährige leicht verletzt. Die Mutter ist nach Angaben der Behörden noch am Tatort verstorben. Der 35- und die 36-Jährige befinden sich den Behörden zufolge in Krankenhäusern und in psychologischer Betreuung.
Verdächtiger weiter unter Bewachung im Krankenhaus
Der 35-Jährige ist den Ermittlungsbehörden ebenso außer Lebensgefahr wie der 28-Jährige. Die Schwester hatte laut Staatsanwaltschaft kurz nach Mitternacht die Polizei alarmiert. Als die ersten Einsatzkräfte wenige Minuten später am Tatort eintrafen, waren die Schwester und der schwerverletzte Bruder bereits aus dem Haus geflüchtet, berichten Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Pressemitteilung am Dienstag.
Als die Polizisten das Haus betraten, „wirkte der Tatverdächtige offenbar noch aktiv mit dem Messer auf die im Eingangsbereich des Hauses am Boden liegende 64-Jährige ein“. Die Beamten forderten ihn auf, das Messer fallenzulassen. Als er dem nicht nachkam, schossen Polizisten nach Androhung mit ihrer Dienstwaffe auf den 28-Jährigen, um den vermutlichen Angriff auf seine Mutter zu beenden.
Der Tatverdächtige ist noch am Montag notoperiert worden und wird weiterhin im Krankenhaus von der Polizei bewacht. Laut Staatsanwaltschaft Frankenthal ist der Mann bis zum Zeitpunkt der Tat noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten.
Haftrichter eröffnet Untersuchungshaftbefehl in Klinik
Der 28-Jährige ist am Dienstag in der Klinik dem Haftrichter vorgeführt worden. Dieser eröffnete ihm den auf Antrag der Staatsanwaltschaft Frankenthal ergangenen Untersuchungshaftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des Totschlags, setzte den Haftbefehl in Vollzug und ordnete Haftfortdauer an. Offenbar haben die Ermittler bislang nicht ausreichend Hinweise, dass es sich um einen Mord gehandelt hat. Der Beschuldigte machte den Behörden zufolge keine Angaben zur Sache. Er wird bis zu seiner Verlegung in eine Justizvollzugsanstalt durch Justizbeamte im Krankenhaus bewacht.
Ebenfalls am Dienstag fand die Obduktion der getöteten Mutter durch das Institut für Rechtsmedizin der Universität Mainz statt. Das vorläufige Ergebnis der Untersuchung liegt bereits vor. Demnach erlitt das Opfer multiple Stich- und Schnittverletzungen. Als Todesursache wird der durch die Verletzungen bedingte Blutverlust angenommen.
Vorgehen der Polizei wird standardmäßig überprüft
Die unmittelbar beteiligten Polizisten sind laut Polizeipräsidium Rheinpfalz direkt nach dem Einsatz von besonders geschulten Kräften des Kriseninterventionsteams der Polizei betreut worden. Eine weitere individuelle Betreuung erfolgt nach Absprache, teilt das Polizeipräsidium mit.
Auch das Vorgehen der Beamten wird im weiteren Verlauf der Ermittlungen standardmäßig auf seine Rechtmäßigkeit untersucht. „Dabei ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen auch, ob das polizeiliche Vorgehen bei Würdigung des Gesamtsachverhalts rechtmäßig und verhältnismäßig war“, schreibt das Polizeipräsidium. Aus den bisherigen Ermittlungen hätten sich allerdings keine Hinweise auf ein unrechtmäßiges Handeln der Beamten ergeben. Daher gebe es auch derzeit keinen Grund, „die eingesetzten Kräfte vom Dienst freizustellen“.