München / Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel SV Waldhof Mannheim: Ein Haus ohne tragende Wände

Ein Stabilisator, der nicht ersetzt werden kann: Waldhof-Mittelfeldchef Max Christiansen.
Ein Stabilisator, der nicht ersetzt werden kann: Waldhof-Mittelfeldchef Max Christiansen.

Die beiden zurückliegenden Partien des SV Waldhof Mannheim waren ernüchternd. Gleichzeitig haben sie gezeigt, wie fragil das Gebilde ist, dass im Sommer neu zusammengefügt wurde. Warum der Drittligist aus Mannheim am Wochenende beim TSV 1860 München 0:5 unterging.

Zum Glück ist Patrick Glöckner niemand, der leicht aus der Bahn zu werfen ist. Der Trainer des SV Waldhof Mannheim wäre sonst wohl während der Rückfahrt aus München ins Zweifeln gekommen, mit offenem Ausgang der Gedankenspiele. Der 44-Jährige ist überzeugt von seiner Arbeit und seinem Weg, den er beim Waldhof eingeschlagen hat. Das wird ihm helfen, den größten Rückschritt zu verarbeiten, den seine Mannschaft in seiner Zeit am Alsenweg gemacht hat.

Beim 0:5 beim TSV 1860 München waren die Blau-Schwarzen schlicht und ergreifend nicht drittligatauglich und hatten deshalb verdient auch in dieser Höhe verloren. Nun haben die Mannheimer in den Wochen zuvor mehrfach nachgewiesen, durchaus das Rüstzeug für die Spielklasse zu haben und besonders nach dem 4:1 gegen den 1. FC Saarbrücken nur eine Woche vor dem Löwen-Debakel in der Tabelle unverhohlen nach oben schielten. Aus diesem Grund sind die 90 Minuten im Stadion an der Grünwalder Straße (noch) kein Grund, Alarm zu schlagen.

„Es gibt zwei, drei Spiele im Jahr, da weißt du gar nicht, wo du mit der Analyse anfangen sollst“, sagte Glöckner. Der Trainer beschönigte das Debakel nach einem Hattrick von Löwen-Stürmer Sascha Mölders (3., 23., 27.) und einem Doppelpack von Philipp Steinhart (54., 71.) nicht, wollte aber trotzdem keine Generaldebatte anstoßen. Der 44-Jährige hatte wie jeder die vielen Fehler gesehen, das individuelle Unvermögen bemerkt, aber er kannte einen Hauptgrund für den unterirdischen Auftritt: Mit Jesper Verlaat und Max Christiansen fehlten zwei Leistungsträger. Ihren Ausfall vermochten die Waldhöfer nicht zu kompensieren.

Wichtige Spieler fehlen

Im Grunde verhielt es sich bei den Waldhöfern in München wie bei einem Haus, in dem die tragenden Wände herausgerissen werden. Es ist anschließend nur eine Frage der Zeit, bis das Gebäude komplett in sich zusammenbricht. Im Sommer wurde am Alsenweg begonnen, mit viel personellem Aufwand ein neues Haus zusammenzuzimmern und weil deshalb das gesamte Konstrukt noch nicht festzementiert ist, sind die tragenden Wände noch einmal von größerer Bedeutung. Glöckner weiß das. „Es fehlen ja nicht nur Jesper Verlaat und Max Christiansen, sondern auch Marco Schuster, Jan-Hendrik Marx und Dorian Diring“, erläuterte der Waldhof-Trainer in München. Die drei Letztgenannten können schon seit Wochen, zum Teil schon seit Monaten nicht mehr mithelfen, so dass der Ausfall von Verlaat und Christiansen jetzt zu viel war, um das Gebilde stabil zu halten.

Im Mannheimer Kader steckt viel Talent und damit die Möglichkeit, in der Dritten Liga gegen jeden Gegner bestehen zu können. Das haben die Partien in Dresden (1:1), gegen Ingolstadt und Saarbrücken (jeweils 4:1) eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Nicht erst das 0:2 in Meppen am vergangenen Dienstag und nun die Klatsche bei den Löwen haben aber gezeigt, dass es den Waldhöfern an Konstanz fehlt. Das hat in erster Linie damit zu tun, dass die Mannschaft abhängig davon ist, dass Akteure wie Verlaat, Christiansen und Schuster zur Verfügung stehen müssen. Gleichzeitig ist der Rest in seinen Leistungen zu schwankend, so dass es an Kontinuität fehlt.

Am Dienstag gegen Haching

Glöckner hat jetzt nur wenig Zeit, um Lösungen zu finden, um das Waldhof-Gebäude aufzubauen und – wichtiger noch – gegen den nächsten Sturm zu sichern. Bereits am Dienstag (19 Uhr) steht gegen die SpVgg Unterhaching das nächste Drittligaspiel an und die Münchner Vorstädter werden ganz sicher probieren, die Mannheimer Verunsicherung auszunutzen. Gegen die SpVgg muss Glöckner also Mittel finden, um das Fehlen der Säulen zu kompensieren. Verlaat und Christiansen werden ausfallen.

Dafür kann ein anderer Punkt Hoffnung spenden. Schon einmal befanden sich die Waldhöfer nach zwei Niederlagen (1:2 gegen Rostock und 0:2 beim FC Bayern II) unter Druck und drohten in die Abstiegszone abzurutschen. Es folgte zunächst ein 5:2 gegen Magdeburg und anschließend vier weitere Spiele ohne Niederlage.

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