Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Stomp“ im Rosengarten

Akrobatik, Bühnenkampf und wortlose Komik: „Stomp“.
Akrobatik, Bühnenkampf und wortlose Komik: »Stomp«.

Das Ensemble „Stomp“ nach vier Jahren Abstinenz wieder mit seiner Show im ausverkauften Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens.

„Stomp“, das dynamischste, originellste und witzigste Rhythmusspektakel der Welt hat nach vier Jahren Abstinenz im ausverkauften Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens ein brillantes Feuerwerk ohne Umweltbelastung gezündet.Wenn mehrere Menschen an gemeinsamen Aufgaben arbeiten, heißt das auf Neudeutsch Teamwork. Dabei bringen alle ihre unterschiedlichen Fähigkeiten und Stärken ein. Obwohl sie spezielle Rollen übernehmen, ist jeder für den Gesamterfolg verantwortlich. Die Crew ist voneinander abhängig, jeder verlässt sich auf den anderen und nur durch Zusammenarbeit klappt´s. Wer einmal anschaulich erleben will, was hinter dem Begriff Teamwork stecken kann, dem geben die acht Mitglieder der Show „Stomp“ eine Nachhilfestunde in Sachen Zuverlässigkeit, Energie, Kreativität und subtilem Humor.

Auch die Show „Stomp“ in Mannheims „guter Stube“ startet seit fast einem Vierteljahrhundert geruhsam. Da latscht einer pflichtbewusst über die Bühne, in der Hand einen Besen und er fegt einsam und konzentriert. Einen Moment wirkt der Akteur leicht verwirrt, als er sieht, dass ein ausverkaufter Saal ihn beobachtet. Aber er zuckt nur mit den Schultern, lächelt und gibt den Hausmeister. Nach und nach tauchen mit raschelnden Rauschen anderes Besenschwinger auf. Und während sie ihren Job erledigen, geschieht Besonderes.

Ein wahres Besenkonzert

Das beharrliche Schwingen der Borsten nimmt einen Rhythmus an und aus dem merkwürdigen Schleifklang entsteht ein wahres Besenkonzert. Alles Langweilige am schnöden Fegen des Bodens wird zu einer fesselnden Leistung aus Akrobatik, Bühnenkampf und wortloser Komik. Genau so läuft es bei „Stomp“. Aus dem anfänglichen Putzen wächst eine spektakuläre Darstellung perfekter Percussion mit allen möglichen Alltagsgegenständen vom übergroßen Abwasserschlauch bis zur raschelnden Zeitung, vom kleinen Zippo-Feuerzeug bis zur gewaltigen Mülltonne.

Auch ohne Text - vielleicht hier und da mal ein „Hey“ oder „Hopp“ - besticht die blinde Kommunikation unter den Darstellern, die allesamt die hohe Kunst des Stepptanzes aus dem Effeff beherrschen. Die Stimmung wechselt innerhalb Sekunden von Entspannung zu Nervenkitzel. Egal, ob sie sich kleine Streichholzschachteln oder schwere Eimer über die Köpfe werfen, es bleibt eineinhalb Stunden lang unglaublich fesselnd, präzise und völlig unbelastet von Erklärungen. In „Stomp“ dominieren Action, Gemeinschaft und Leidenschaft, jeder nachdrückliche Beat ist Teil eines stummen Gesprächs. Die Beteiligung des Publikums ist gleich bei mehreren Nummern Grundbedingung, wenn das Ensemble den Raum gekonnt in eine Zweitakt-Kadenz bringen will. Nicht ganz einfach, aber die Menge schlägt sich beim Mitklatschen nach anfänglichem Stottern recht wacker.

Körper als Instrument

Die Bühnenmannschaft nutzt nur ihre Körper als Instrumente – klatscht mit den Händen, schnippt mit den Fingern, schlägt mit den Handflächen auf offene Münder, um ein lustiges „Plopp“-Geräusch zu erzeugen – und liefert einen wilden, interaktiven Trubel. Halsbrecherisch wird es, als die Gruppe zur Kampfchoreographie schreitet. Gegen Ende des letzten Drittels der Produktion stolzieren Mitglieder des Ensembles mit industriegroßen Waschbecken, die an Ketten um den Hals hängen, auf die Bühne. Die schwer gepanzerte Putzkolonne erzeugt ein Lied aus schwappenden, klangvollen Klängen. Niemand auf der Bühne – und in der ersten Reihe - bleibt trocken.

Beim „Finale Grandioso“ hätte selbst die legendäre Truppe von „Yamato – die Drummer aus Japan“ – einen Heidenspaß. In einem lauten, eskalierenden Soundgemetzel schwingen Ensemblemitglieder in Schlingen hoch über der Bühne und schlagen hängend eine ohrenbetäubende Klangfolge an. Mit Töpfen, Pfannen und, Wellblech sorgt die Stampfgarde unter dem donnernden Applaus und stehenden Ovationen der über 1200 Zuhörer für ein akustisches Dauerfeuerwerk ohne Umweltbelastung.

x