Ludwigshafen Stellungskrieg in drei Dimensionen

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So hat man den Ersten Weltkrieg noch nicht gesehen. Die Fotografien und frühen Filmbilder, die man aus der Zeit kennt, sind schwarz-weiß, stumm und zweidimensional. Die Dokumentation „Im Krieg - Der 1. Weltkrieg in 3D“ zeigt nun zeitgenössische stereoskopische Aufnahmen aus den Archiven, zum Teil koloriert, unterlegt mit Kommentaren und einem Soundtrack. Der Regisseur und 3D-Spezialist Nikolai Vialkowitsch stellte seinen Film im Mannheimer Cineplex vor.

„3D ist keine Erfindung von James Cameron, sondern kommt ganz tief aus dem 19. Jahrhundert“, erklärt Nikolai Vialkowitsch all jenen, die nur die jüngste Welle dreidimensionaler Fotografien und Filme kennen, für die besonders Camerons Science-Fiction-Blockbuster „Avatar“ stehen kann. Die Stereoskopie war gegen Ende des 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts geradezu ein Massenmedium. Die meisten wohlhabenden Haushalte in Europa und den USA besaßen in jener Zeit ein Stereoskop, einen Betrachtungsapparat, mit dem speziell hergestellte fotografische Doppelbilder als dreidimensionale Ausblicke wahrgenommen werden konnten. Erst nach dem Krieg, während die mediale Welt sich weiterdrehte, das Kino Erfolge feierte, Hörfunk und Fernsehen aufkamen, fiel die Produktion von „Raumbildern“ in eine Art Dornröschenschlaf. Die alten Aufnahmen sind weithin aus dem Blick geraten, doch bei Sammlern und in Archiven verwahrt worden. Die Stereobilder, die in „Im Krieg“ zu sehen sind, fand Vialkowitsch unter anderem im Deutschen Historischen Museum in Berlin, im amerikanischen Nationalarchiv in Washington und im Archiv der französischen Streitkräfte, das allein über einen Bestand von 17.000 3D-Fotos aus dem Ersten Weltkrieg verfügt. „Wie viele es tatsächlich sind, hat mich in der Hochphase der Besichtigung fast umgehauen“, berichtet der 51-jährige Regisseur. Glücklicherweise waren zahlreiche Bilder bereits digitalisiert, so dass er sie komfortabel, ohne optische Geräte und schonende weiße Handschuhe betrachten konnte. Seine Auswahl beginnt im Frieden des Sommers 1914, den die Mehrheit für gefestigt hielt, sowie im Prunk der alten Welt, mit den Paraden des deutschen Kaiserreichs und dem Jubel der Völker für ihre Monarchien. Es folgen der Taumel der Kriegsbegeisterung, der kampfbereite, siegesgewisse Aufbruch und schließlich der alle Illusionen entzaubernde Stellungskrieg selbst. Eingelesen von Schauspielern wie Miroslav Nemec und Christina Große sind dazu Zitate aus Tagebüchern und Briefen prominenter Zeitgenossen wie Stefan Zweig oder Maurice Maréchal wie von einfachen Soldaten, Männern und Frauen beiderseits der Frontlinien zu hören. Die Bilder zeigen die Kämpfer mit ernsten und heiteren, nachdenklichen und verstörten Mienen vor ihren Mannschaftszelten und in den Schützengräben, im Schlamm verschanzt hinter Sandsäcken und Brettern. Vialkowitschs unentwegt bewegte Filmkamera fährt in die Aufnahmen hinein oder aus ihnen heraus. Lange Zeit faszinieren vor allem die Bilder. „Im Krieg“ zu sehen, ist ein bisschen so, als betrete man ein altes Museum, das lange nicht mehr renoviert worden ist, mit erstaunlich gut erhaltenen Dioramen, die einen recht realistischen Eindruck vermitteln. Der Horror beginnt mit dem Gaskrieg, den Panzern und Bildern aus den Lazaretten, in denen die Verwundeten wie verstümmelte Mumien liegen.

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