Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtarchiv: Ausstellung über den Lyriker Dieter Straub

Ein Leben für die Literatur: Dieter Straub um 1985 in Berlin.
Ein Leben für die Literatur: Dieter Straub um 1985 in Berlin.

Einem großen, außerhalb der Literaturszene aber weithin unbekannten Sohn der Stadt widmen das Stadtmuseum und das Stadtarchiv Ludwigshafen eine Ausstellung: dem 2014 verstorbenen Dichter, Verleger und Journalisten Dieter Straub. Er hätte am 11. Juli seinen 90. Geburtstag gefeiert.

Dieter Straub ist am 11. Juli 1934 in Ludwigshafen geboren und am 6. Juni 2014 in Ludwigshafen gestorben. Dass er dazwischen viele Jahre an anderen Orten verbrachte, dass das Unterwegssein wichtig war für seine Kunst – der Titel der (Wander-)Ausstellung deutet es an: „Irgendwo ist eine Heimat. Der Dichter Dieter Straub zwischen Ludwigshafen, Berlin und Ägina.“ Eröffnet wird sie mit dem Beginn der Sommerferien, weil Straub am Donnerstag, 11. Juli, 90 Jahre alt geworden wäre. Zu sehen ist sie bis Ende Februar 2025 im Stadtarchiv.

3,5 Regalmeter Nachlass

Es sei die letzte von mehreren gemeinsamen Ausstellungen an einem der beiden Standorte bis zur Eröffnung des neuen gemeinsamen „Haus der Stadtgeschichte“ in der umgebauten Rhenus-Lagerhalle am Luitpoldhafen, die derzeit für 2026 angekündigt ist. Das sagten die Leiterin des derzeit nur virtuell existierenden Stadtmuseums, Regina Heilmann, und Klaus Jürgen Becker, der stellvertretende Leiter des Stadtarchivs, bei einem Pressegespräch.

Möglich wurde die Ausstellung, weil Straubs Lebensgefährtin und Alleinerbin dem Stadtarchiv Ludwigshafen Ende 2022 seinen Nachlass überlassen hat. In den Kartons, die 3,5 Regalmeter in den Archivräumen belegen, fanden sich Urkunden, Dokumente, Fotos, Manuskripte, Bücher, Tagebücher, auch ein Zeitungsausschnitt aus der RHEINPFALZ: 1997 hatte Autorin Heike Marx Straub ein Porträt gewidmet. Das war wenige Jahre vor seiner Rückkehr nach Ludwigshafen. Von 1999 bis zu seinem Tod 2014 lebte er in der Ernst-Lehmann-Straße in Friesenheim, in einer Wohnung, die seine Eltern mit ihm in der Nachkriegszeit bezogen hatten.

Abitur in Ludwigshafen, Studium in Heidelberg

Nach dem Abitur am Naturwissenschaftlichen Gymnasium Leuschnerstraße, dem heutigen Max-Planck-Gymnasium, studierte Straub in Heidelberg und an der Freien Universität Berlin, wo er danach noch lange leben sollte. Seine ersten Gedichte erschienen 1963/64. Im Jahr 1966 unternahm er seine erste Reise nach Griechenland – eine prägende Erfahrung. Von 1977 an hatte Straub ein Haus auf der Insel Ägina bei Athen. Sein literarisches Schaffen sollte sein Leben lang geprägt sein von der Auseinandersetzung mit der Antike, der griechischen Kultur, Landschaft, Mythologie und Philosophie. Um Geld zu verdienen, arbeitete er als Redakteur beim Sender Freies Berlin (SFB) und leitete von 1972 an das Presseamt des Stadtbezirks Berlin-Wilmersdorf. Er veröffentlichte Gedichte in Anthologien, Zeitschriften, Lyrikbänden.

Immer wieder arbeitete Straub gattungsübergreifend und verband in seinem Werk Lyrik, bildende Kunst und Musik. Die Ausstellung würdigt seine intensive Zusammenarbeit mit der Berliner Malerin und Grafikerin Christa von Baum (1944-2016) und zeigt großformatige Mappen, die sie zusammen geschaffen haben. Dass bei der Präsentation seines Werks selbst auf die Gestaltung großen Wert gelegt wurde, ist kein Zufall: Verantwortlich dafür ist die für hochwertige und kunstvolle Bücher bekannte Rheingönheimer Verlegerin Marita Hoffmann, die auch Vorsitzende der Initiative Buchkultur ist. Sie entwickelte die Ausstellung gemeinsam mit dem Kurator Torsten Israel.

Unter Künstlern

Ob Dieter Straub zu Lebzeiten den Ruhm bekommen habe, den er verdiente? Die Frage beantwortet Ausstellungskurator Israel mit einem klaren „Jein“. Der Dichter sei zwar der breiten Öffentlichkeit praktisch unbekannt gewesen. In der Berliner Literaturszene sei man in den 1990er-Jahren aber nicht an ihm vorbeigekommen. Er war Mitbegründer der Neuen Gesellschaft für Literatur, Gründer der Zeitschrift „Paian – Für die Dichtung“ und verantwortlich für die Gründung des Aphaia-Verlags, wo er einige seiner wichtigsten Werke veröffentlichte. Er habe, sagt Israel, Künstlerfreundschaften gepflegt und Komponisten wie Peter Gotthardt oder Wolfgang Steffen zur Vertonung seiner Lyrik inspiriert. Bis ins hohe Alter war Dieter Straub im Verein Lebendige Antike und im Förderkreis der Reiss-Engelhorn-Museen aktiv.

Die Ausstellung

„Irgendwo ist eine Heimat. Der Dichter Dieter Straub zwischen Ludwigshafen, Berlin und Ägina“, bis 28. Februar 2025 im Stadtarchiv Ludwigshafen, Rottstraße 17. Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 13.30-16, Donnerstag 8.30-12 und 13.30-18 Uhr. Eröffnung am Freitag, 12. Juli, 18 Uhr. Im Netz: www.dieter-straub-portal.de

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