Fußball
Sportgeschichte: Als noch vier Ludwigshafener Teams erstklassig waren
Als nach der Saison abgerechnet wurde, belegte in der Oberliga-Abschlusstabelle 1961/62 Tura Ludwigshafen den sechsten Rang vor dem Ludwigshafener SC. Der BSC Oppau wurde als Aufsteiger immerhin Elfter, während Phönix Ludwigshafen als Tabellenletzter absteigen musste. In dieser Spielzeit war Ludwigshafen die einzige deutsche Stadt, die mit vier Mannschaften in der höchsten Spielklasse vertreten war – sieht man von Berlin mit einer eigenen Stadtliga und Hamburg als Mittelpunkt eines ländlichen Umlands ab. In der folgenden Saison gehörten nur drei Ludwigshafener Teams der Oberliga in ihrer letzten Saison an – aber der SV Phönix wäre als Meister der Klasse darunter wieder zurückgekehrt.
Nach der Spielzeit 1962/63 gab es wegen der Gründung der Bundesliga eine vieldiskutierte Neuordnung im „Unterbau“ - die Oberligen wurden in eigens dafür geschaffenen fünf zweitklassigen Regionalligen neu gegliedert. Deren Meister und Vizemeister ermittelten in einer Aufstiegsrunde in zwei Fünfer-Gruppen die beiden jeweiligen Gruppensieger und Aufsteiger in die höchste deutsche Klasse – bis 1973 eine weitere Spielklassen-Neuformierung mit der Einführung der zweiten Bundesliga eine neue Situation schuf.
Ein Trio schrumpft zum Quartett
Der Ludwigshafener Fußball war davon nicht berührt, denn mit der Auflösung der erstklassigen Oberliga geriet er aus sportlichen und administrativen Gründen in eine Abwärtsspirale, die bis in die jüngste Zeit anhielt. Der FC Arminia 03 Ludwigshafen ist als ranghöchster Fußballclub der Stadt fünftklassig – einstige Erstligamannschaften wie der Ludwigshafener SC und der BSC Oppau sind sogar nur noch achtklassig. Vom total „abgestürzten“ SV Südwest als Nachfolger der beiden einstigen Erstliga-Clubs Phönix und Tura ganz zu schweigen...
Aber immerhin war der Ludwigshafener Fußball auch in der ersten Regionalliga-Saison 1963/64 wieder mit vier Mannschaften dabei: Aufsteiger Phönix machte aus dem Trio Tura, Ludwigshafener SC und BSC Oppau wieder ein bundesweit einmaliges städtisches Quartett. Gegner waren damals so renommierte Teams wie der FK Pirmasens, Borussia Neunkirchen, Wormatia Worms, Eintracht Trier, TuS Neuendorf und FSV Mainz 05 – aber auch spätere „Nobodys“ wie SV Niederlahnstein, TSC Zweibrücken, Spfr Saarbrücken, SV Völklingen, Spvgg Weisenau und Phönix Bellheim.
Eine Fusion mit Ambitionen
Die erste Saison in der neuen Regionalliga überstanden die vier Mannschaften aus Ludwigshafen unbeschadet - wenn auch glanzlos. Phönix belegte als Aufsteiger Rang 9 vor dem Ludwigshafener SC (10.) und Tura (12.) - die Oppauer entgingen als 16. knapp dem Abstieg.
Doch aus dem Quartett wurde eine Saison später doch ein Trio: Der SV Phönix und Tura fusionierten zum SV Südwest mit der ehrgeizigen Absicht, damit den Bundesligaaufstieg zu schaffen. Die beiden anderen Teams aus Ludwigshafen hatten das Nachsehen: Der Ludwigshafener SC (14.) und der BSC Oppau (15.) mussten als Absteiger die Regionalliga verlassen - nur die Gartenstädter kehrten 1967/68 noch einmal in diese zweitklassige Liga zurück, um dann doch wieder in eine Klasse tiefer abzurutschen.
Ein 1:1 beendet alle Träume
Was wurde aus den ehrgeizigen Plänen des SV Südwest? Zunächst nicht viel, denn erst in der Saison 1970/71 gab es mit dem dritten Platz (43:17 Punkte) und nur einem Punkt Rückstand auf die punktgleichen Borussia Neunkirchen und FK Pirmasens (jeweils 44:16) so etwas wie eine Chance auf die Aufstiegsrunde zur ersten Liga. Die verspielten die Südwestler mit einem 1:1-Unentschieden in Pirmasens – weit über 1000 mitgereiste Schlachtenbummler waren damals bitter enttäuscht.
Der SV Südwest kam als lange Zeit ranghöchster Ludwigshafener Fußballclub nie wieder so nahe an eine Aufstiegschance heran – im Gegenteil: Durch Neuordnungen im Ligabetrieb und mehrere sportliche Abstiege ging’s kontinuierlich bergab.
Arminia ist längst etabliert
Zeitweise schien der FSV Oggersheim die Rolle des besten Ludwigshafener Fußballclubs in der drittklassigen Regionalliga übernehmen zu können – doch das Abenteuer endete im Juli 2009 mit der Insolvenz. Die Oggersheimer waren 2007 in die damals drittklassige Regionalliga aufgestiegen, wurden aber nach Einführung der Dritten Bundesliga und einer folgenden Neugliederung des bundesdeutschen Ligabetriebs in der Saison 2008/09 viertklassig und mussten schließlich im wahrsten Sinne des Wortes Lehrgeld bezahlen.
Dieses Schicksal droht dem solide geführten FC Arminia 03 Ludwigshafen nicht: Die Rheingönheimer haben sich in der fünftklassigen Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar etabliert, wo sie in der neuen Saison allerdings einige aufwendige Reisen vor sich haben: zweimal nach Koblenz zum Regionalliga-Absteiger Rotweiss und Aufsteiger FC Cosmos, zum benachbarten FV Engers und zum Hunsrück-Club FC Karbach, zum Ex-Regionalligisten Eintracht Trier, VfR Baumholder und zum Eifel-Aufsteiger FC Bitburg. Dreimal geht es auch ins Saarland zum FV Diefflen, SV Auersmacher und Aufsteiger Spvgg Quierschied – insgesamt neunmal aber auch in die heimische Pfalz oder nach Rheinhessen.
Derbycharakter haben die Spiele gegen den Regionalliga-Absteiger Wormatia Worms, die TSG Pfeddersheim, TuS Mechtersheim und den FV Dudenhofen.