Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Spiel mit dem „Seelenspiegel“: Blockflötist Maurice Steger im BASF-Musikerportrait

Auch wenn die Blockflöte als Instrument eine kleine Minderheit sei, könne man sich als Musiker darauf ebenso gut wie alle andere
Auch wenn die Blockflöte als Instrument eine kleine Minderheit sei, könne man sich als Musiker darauf ebenso gut wie alle anderen ausdrücken, ist Maurice Steger überzeugt.

Wer bei Blockflöte an sein schrilles Gepfeife in Kindertagen denkt, sollte die Schönheit und Vielfalt des Instruments kennenlernen. Maurice Steger ist heute ein Meister – doch als Kind tat er sich mit der Blockflöte schwer. Die BASF-Kultur widmet ihm das Musikerportrait mit vier Konzerten.

Es war keine Liebe auf den ersten Blick, nicht mal auf den zweiten – erst im dritten Anlauf entdeckte der Schweizer Musiker die Faszination des sehr alten Instruments. „Ich habe als Kind in einer Gruppe gespielt, um meine motorischen Probleme in den Griff zu bekommen. Das ging total schief und war nur Stress“, sagt er über seinen ersten Versuch.

Auch ein zweiter Anlauf endete ohne Freude. Deutlich später, mit etwa 13 Jahren, habe er es noch einmal versucht – und da hat es gefunkt: „Da habe ich gespürt, was die Herausforderung ist, was gerade mit diesem Instrument zu machen ist“, erzählt er in einem Interview. Dass die Blockflöte üblicherweise als Anfängerinstrument Kindern in die Hand gedrückt wird, sieht Steger mit gemischten Gefühlen. „Es ist zwar leicht, schnell eine einfache Melodie zu lernen, aber dann wird es sehr schwer“, meint er.

Die Blockflöte sei ein „Seelenspiegel“ und reagiere immer. Der Ton entstehe aus einem komplexen Zusammenspiel von Atmung, Lippen und Mundraum, Zunge und Fingern. Wo andere Blasinstrumente Klappen und Mechaniken haben, muss ein Blockflötist alles direkt mit seinen Fingern machen, die Löcher in verschiedenen Kombinationen ganz oder halb abdecken und öffnen. „Für kleine Kinder ist das gar nicht so einfach; Tasteninstrumente haben einfachere Bewegungen und sind viel übersichtlicher“, meint er.

Neubauten für feuchtes Klima

Dass die Blockflöte nicht mehr als ein Instrument für musikalische Einsteiger sei, dagegen wehrt er sich vehement. „Wir sind nicht die Lautesten oder die Größten, aber wir können genau so tolle Noten hervorbringen, wie alle andern“, sagt er. Auch wenn die Blockflöte als Instrument eine kleine Minderheit sei, könne ein Musiker sich darauf ebenso gut wie alle anderen ausdrücken.

Maurice Steger, geboren 1971 in Winterthur, studierte Blockflöte in Zürich und machte 1995 sein Konzertdiplom. Weiter studierte er Dirigat und leitete inzwischen viele renommierte Ensembles. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit ist Alte Musik und historische Aufführungspraxis. Hier gelingt es ihm immer wieder, unbekannte und vergessene Werke zu entdecken. Auch in zeitgenössischer Musik engagiert sich Steger und entwickelt gerne auch Programme, die Alte und Neue Musik kombinieren.

Die Instrumente, die Steger spielt, sind Neubauten, die er zusammen mit einem Flötenbauer entwickelt. Das Holz der alten Flöten sei nicht lackiert und ständig der Feuchtigkeit der Atemluft und dem Umgebungsklima ausgesetzt. Für Konzerte in feucht-heißen Klimazonen habe er lackierte Instrumente entwickelt, sagte er in einem Interview.

Wenn das Ende fehlt

Das Spielen für Kinder mache ihm enorm viel Spaß. Die kleinen Zuhörer seien immer aufgeschlossen und aufmerksam und lassen sich sehr schnell in das musikalische Geschehen ziehen. „Es ist deshalb enorm wichtig, für Kinder auch gute Musik zu spielen und dafür als Musiker fit und wachsam zu sein“, erklärt Steger.

Das können Kinder und Eltern erleben, wenn „Tino Flautino und der Kater Leo Leonardo“ am 2. November um 15 Uhr mit ihrer Geschichte ins BASF-Gesellschaftshaus kommen. Zusammen mit der Kinderbuch-Autorin Jolanda Steiner und dem Komponisten Viktor Fortin und einem Kammermusikensemble präsentiert Steger mit der Blockflöte die Geschichte eines jungen Prinzen, dem der Wind Notenblätter zuweht. Doch das Ende des Musikstücks fehlt. Zusammen mit dem Kater Leo macht sich der Prinz auf eine Reise durch Regionen und Epochen und entdeckt viele Komponisten und Musikstile.

„Mehr“ von Tolstoi

Musik des Barock, Stegers Spezialität, wird am 3. November um 11 Uhr im Gesellschaftshaus erklingen. Musik von Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann spielt der Meister mit dem La Cetra Barockorchester Basel. Das Ensemble wurde 2009 mit dem Europäischen Preis für Alte Musik ausgezeichnet. „Bach und mehr“, heißt die Veranstaltung am 13. Dezember um 19.30 Uhr im BASF-Feierabendhaus. Das „Mehr“ sind dabei Lyrik und Prosa von Hölderlin, Novalis, Goethe, Kant und Tolstoi, gelesen von Martina Gedeck. Steger bringt Spezialisten für Alte Musik mit, die unter anderem auch Theorbe, Gambe und Mandoline spielen.

Das letzte Konzert der Portrait-Reihe spielt Steger zusammen mit der Deutschen Staatsphilharmonie am 19. März 2025 um 19.30 Uhr im BASF-Feierabendhaus. In „Meeting Point, London Haymarkt“ geht es um Komponisten, die in London erfolgreich waren, wie Henry Purcell, oder der dorthin gezogene Georg Friedrich Händel. Joseph Hayden schrieb dort seine berühmte Sinfonie „mit dem Paukenschlag“. Steger wird auch den weniger bekannten Komponisten Giuseppe Sammartini vorstellen, den er selbst wiederentdeckt hat.

Termine und Karten

Alle Termine und Kartenreservierung auf der Website der BASF, Konzertprogramm, https://www.basf.com/global/de.

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