Ludwigshafen
So wird die 27. Ausgabe des Festivals „Enjoy Jazz“
Rainer Kern war ausgesprochen erfreut, an diesem Morgen im BASF-Feierabendhaus zu sein. Dabei galt es gar kein Jazzevent im großen Konzertsaal des geschichtsträchtigen Kulturhauses zu eröffnen. Der Festivalleiter wollte nur über den Stand seiner Programmplanungen informieren. Aber dann sagte er gleich zu Beginn einen weit darüber hinaus zielenden Satz: „In einer Zeit, in der Bildungsministerien abgeschafft werden, ist es gut, einen solchen Ort der Bildung und Kultur zu haben.“ Kern bezog sich damit auf aktuelle Auswüchse der US-Politik und nannte Festivals wie Enjoy Jazz ausdrücklich „demokratiestiftende Veranstaltungen“.
Im Feierabendhaus wird das Festival am 2. Oktober eröffnet. Regelmäßig sind hier die spektakulärsten Festivalprojekte zu Gast und seit in Heidelberg, wo das Festival 1999 gegründet wurde, kein passender Saal zur Verfügung steht, meist auch die Eröffnung. Dass die BASF langjähriger Sponsor und Partner des Festivals ist, spielt da sicher auch eine Rolle. Ein spektakuläres Großprojekt bringt auch der in Beirut geborene und in Frankreich zum Publikumsliebling gewordene Trompeter und Komponist Ibrahim Maalouf nach Ludwigshafen. Das heißt „Trumpets of Michel-Ange“, wird vom Sound gleich vier Trompeter geprägt und versprüht jede Menge Lebensfreude. Wie immer bei dem libanesisch-französischen Musiker verbinden sich Jazz, Pop, Rock und Bossa mit arabischer Musik. Um letztere mit ihren typischen Mikrointervallen spielen zu können, hat Maaloufs Vater und erster Musiklehrer seinem später auch klassisch ausgebildeten Sohn eine Trompete mit zusätzlichem Vierteltonventil gebaut.
Hochkarätige Gäste
Beim Abschlusskonzert am 8. November in der Mannheimer Christuskirche spielt der tunesische Oud-Virtuose Anouar Brahem mit einem hochkarätig besetzten Quartett. Dazu gehören die deutsche Cellistin Anja Lechner, der britische Pianist Django Bates und der ebenfalls aus England stammende Kontrabassist Dave Holland, einst Mitglied in Bands von Miles Davis, Chick Corea und John Abercrombie und seit vielen Jahren ein Weltstar mit eigenen Ensembles. Bei „Enjoy Jazz“ wird Brahem die Musik seines neuen Albums „After the Last Sky“ vorstellen, das Ende März erscheint. Es sind kammermusikalische, oftmals elegische Stücke, die um den spröden Klang von Brahems arabischer Laute kreisen.
Diese beiden Konzerte bilden den Rahmen der 27. Festivalausgabe, einige der Konzerttermine der fünf Wochen dazwischen stehen auch schon fest. Im Ludwigshafener Pfalzbau ist einmal mehr der südafrikanische Pianist Abdullah Ibrahim zu erleben, diesmal mit seinem Trio. In der Ludwigshafener Friedenskirche trifft die griechische Pianistin Tania Giannouli auf den norwegischen Trompeter und Soundmagier Nils-Petter Molvaer. Und im BASF-Gesellschaftshaus spielen in einem weiteren Duo der New Yorker Pianist Vijay Iyer und der eine Generation ältere Avantgarde-Trompeter und AACM-Veteran Wadada Leo Smith. Damit soll auch an die vor 60 Jahren gegen die Diskriminierung schwarzer Musiker gegründete Musikerinitiative AACM erinnert werden.
Jazz und Anderes
Weitere bereits feststehende Festivalkünstler sind die amerikanische Avantgarde-Harfenistin Brandee Younger, der Schweizer Pianist und Minimal-Jazzer Nik Bärtsch und sein Ensemble Ronin, der aktuell stark beachtete amerikanische Saxophonist James Brandon Lewis, der französische Akkordeonspieler Vincent Peirani und die spannende deutsche Saxophonistin Angelika Niescier. Einem Meilenstein der elektronischen Musik gedenkt das Festival für Jazz und Anderes mit den österreichischen Elektro-Pionieren Kruder & Dorfmeister, die schon 1999 beim allerersten Festival „Enjoy Jazz“ dabei waren. Im neuen Congress Center in Heidelberg kann man sie erleben.
Im Netz
Karten für alle genannten Konzerte gibt es unter www.enjoyjazz.de.