Ludwigshafen „So können wir nicht weitermachen“
Die duale Struktur von Zentraler Notaufnahme im Krankenhaus und ärztlicher Notdienstzentrale bei der medizinischen Notfallversorgung hat keine Zukunft. Darin waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion einig, zu der die St. Dominikus Krankenhaus und Jugendhilfe gGmbH am Mittwoch ins St. Marienkrankenhaus in der Gartenstadt eingeladen hatte. Die Experten auf dem Podium plädierten für eine Verschmelzung der Angebote.
Überfüllte Notaufnahmen in den Kliniken, lange Wartezeiten, dasselbe Bild in der ärztlichen Notdienstzentrale, wo manchmal die Stühle im Wartezimmer nicht ausreichen: Um diese Situation zu diskutieren, waren in der Reihe „Dominikus im Gespräch“ der Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am St. Marienkrankenhaus, Thomas Borgmann, und der Internist Peter Uebel eingeladen. Der ist nicht nur OB-Kandidat der CDU, sondern auch Vorsitzender der ärztlichen Kreisvereinigung. Auf dem Podium saß zudem Marcus Wiechmann, Geschäftsführer der St. Dominikus Krankenhaus und Jugendhilfe gGmbH. Seit die ärztliche Bereitschaftsdienstzentrale im Dezember 2013 eröffnet wurde, werde die Notaufnahme des „Marien“ verstärkt von nicht krankenhauspflichtigen Patienten frequentiert, berichtete Wiechmann. Das bestätigte auch Chefarzt Borgmann. „In 2016 haben wir allein über die Notaufnahme 25.000 Patienten versorgt“, sagte er. Dabei habe der Anteil der ambulanten Patienten stärker zugenommen als der Anteil der stationären. „Der ambulante Anteil liegt bei über 50 Prozent“, verdeutlichte er. Diese Zahlen zeigten, dass auch weniger kranke Patienten die Notaufnahme vermehrt als Anlaufstelle nutzen. „Wir sind aber darauf ausgelegt, kritisch kranken Patienten zu helfen und keine hausärztliche Ersatzversorgung zu gewährleisten.“ Um alle Patienten gut versorgen zu können, hat sich die Notaufnahme am „Marien“ organisatorisch neu aufgestellt. Bei jedem neuen Patienten nimmt eine Pflegekraft sofort eine Ersteinschätzung vor. Eine fünfstufige Farbskala hilft, die Dringlichkeit der Behandlung festzulegen. „Ein roter Patient ist in Lebensgefahr und benötigt sofortige medizinische Hilfe, ein orangener dringende Hilfe“, erklärt der Chefarzt das System. Ein blauer Patient schließlich hat keine akuten Probleme und muss dementsprechend länger warten, bis sich ein Arzt um ihn kümmert. „Wir sind in Ludwigshafen bei der Gesundheitsversorgung hervorragend aufgestellt und haben eine gute Notdienstversorgung“, bewertete Internist Uebel das städtische Angebot. Mit einer kleinen Einschränkung allerdings: Es sei keine gute Entscheidung gewesen, nur noch eine ärztliche Notdienstzentrale in der Stadt anzubieten. Denn auch am Klinikum werde die Notaufnahme seit dem Wegzug der dortigen Notdienstzentrale verstärkt frequentiert. „So können wir in der Notfallversorgung nicht weitermachen“, betonte der Arzt. Leichtere Erkrankungen wie etwa eine Erkältung gehörten nicht in die Notfallversorgung eines Krankenhauses. Für Uebel wäre eine sogenannte Portalpraxis eine Lösung: „Die ärztliche Notdienstzentrale wäre dem Krankenhaus vorgeschaltet und würde klären, wer ins Krankenhaus muss. Da müssen wir hin“, forderte er. „Die dualen Strukturen werden keinen Bestand haben“, waren sich Borgmann, Uebel und Wiechmann schließlich einig. |rad