Ludwigshafen Ska und der FCK
Rieslingschorle, im Dubbeglas. Das Getränk, das vor Markus Sprengler auf dem Tisch steht, ist ein Statement. Auch wenn er schon seit 1985 in Mannheim lebt, darf man ihn immer noch einen Pfälzer nennen. In Kaiserslautern ist er 1965 geboren und aufgewachsen, in die Grundschule Auf dem Betzenberg gegangen und dann mit 14 für ein paar Jahre nach Kirchheim an der Weinstraße gezogen. „K-Town Boy“ heißt der Sprenglers Kindheit und Jugend gewidmete Eröffnungssong des Albums. So wie man Sprengler einen Pfälzer nennen kann, so kann man „65//19“ auch als pfälzisches Album bezeichnen. Entstanden ist es in Bad Dürkheim, im Studio von Stefan Kahne, der Gitarre spielt in Sprenglers Band. Aber es führt auch in die große weite Welt hinaus, nach Kingston/Jamaika, zum Beispiel, wohin Sprengler einst reiste. Fasziniert stand er vor dem Geburtshaus Bob Marleys. „In the Mood for Marley“ heißt eine Nummer, die eine Hommage ist an die Reggae-Legende, eine Liebeserklärung gar. „Ich bin geprägt von karibischer Musik, und das Album greift alles auf, was ich bisher musikalisch gemacht habe“, sagt Sprengler. „Rock, Gitarrenmusik, Ska, Reggae, es spielt alles eine Rolle. Aber sehr musikalisch und konkret.“ Die Stücke sind rhythmusdominiert, nach vorne gehend und live sicher eine absolute Wucht. Dass er die Stimme, das Charisma und die Energie hat, Menschen zum Tanzen zu bringen, hat Sprengler bei unzähligen Auftritten mit den Busters, als Gast von Me and the Heat oder Shebeen und mit seinem eigenen Ska-Projekt Supermercato mehr als bewiesen. Mit dem neuen Album geht er auf eine Weise auch zurück zu seinen Wurzeln. Der Song „1977“ zum Beispiel nimmt die Hörer mit ins Leben des elfjährigen Markus in Kaiserslautern. Er saß zu Hause vor dem Fernseher und hörte in den Nachrichten – ja, so erfuhr man damals Neuigkeiten – vom Tod des amerikanischen Sängers Elvis Presley. Den hatte er bis dahin kaum gekannt, in diesem Moment wurde er zum Fan. Viel später reiste er nach Graceland, anders fasziniert als bei Bob Marley vom Kult, der um den Künstler inzwischen betrieben wird. Markus Sprengler ist viel unterwegs gewesen, oft in Afrika. Er hat dort Kultur- oder Entwicklungsprojekte organisiert und gleichzeitig immer wieder Musiker gefunden, um sich auszutauschen, musikalisch, persönlich, zusammen zu spielen. Das passt zu dem Mann, den man nicht auf eine Sache festlegen kann, auf einen Beruf gar. Musiker ist er natürlich. Außerdem Organisator von Veranstaltungen in der von seiner Frau, der Künstlerin Deborah Musso, betriebenen Ten Gallery. Im Dezember kam er wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kinde zu einer Weinbar: Mit einem Partner betreibt er das La Vina in der Kurfürstenpassage, der letzten Planken-Passage Richtung Rosengarten. Hier hat er oft gespielt. Und als sich der bisherige Betreiber, der SWR-Journalist Gerhard Augstein, zur Ruhe setzen wollte, hat er übernommen. Ganz einfach, ganz spontan. Außerdem kandidiert Sprengler auch noch bei der Kommunalwahl am 26. Mai um einen Sitz im Gemeinderat. Auf der Liste der Grünen hat er den 16. Platz, bisher hatte die Fraktion acht Sitze. Ganz aussichtslos ist das nicht. „Ich hoffe, dass ich vielleicht einen gewissen Bekanntheitsgrad habe, der mir hilft, nach vorne gewählt zu werden“, sagt er. Den hat er, ohne Frage. Beim Gespräch im kleinen Biergarten der Feuerwache bleibt alle paar Minuten jemand stehen, für einen Handschlag und einen kurzen Gruß. Seit die drei Kinder erwachsen und ausgezogen sind, leben Sprengler und seine Frau nicht mehr am naturnahen Stadtrand von Mannheim, sondern mitten in der Neckarstadt-West. Ein aufstrebender Stadtteil, glaubt er. Das ist ein Anliegen von ihm. Ein anderes ist die Anti-Rassismus-Arbeit, er engagiert sich im Verein Mannheim sagt Ja. Und er möchte dazu beitragen, dass sich Mannheim als Musikstadt weiterentwickelt. Als erster Rock- und Popbeauftragter der Stadt Mannheim – das Amt war eine Sensation – stellte er von 2001 bis 2006 die Weichen dafür mit. In seine Zeit fällt zum Beispiel die Gründung der Popakademie, in der er später Gastdozent war. So vieles war er schon, er hat in Clubs gearbeitet und bei einem Plattenlabel und auch als Booker hier in der Alten Feuerwache. Beim FCK hat er übrigens auch mal gespielt. Aber das ist nun wirklich sehr, sehr lange her. Termin Release-Konzert mit Sprengler & Friends ist morgen, Samstag, 20 Uhr, im Eintanzhaus in Mannheim, G4, 4.