Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Sinfonisches Blasorchester überzeugt bei Konzert im Pfalzbau

Solist Stanislav Novitskiy spielte Rachmaninoffs Klavierkonzert Nr. 2.
Solist Stanislav Novitskiy spielte Rachmaninoffs Klavierkonzert Nr. 2.

Das Sinfonische Blasorchester Ludwigshafen stellt sich immer große Aufgaben. Und wie schon zuvor, hat es unter der Leitung von Dorian Wagner auch dieses Mal geliefert. Solisten am Sonntag im Pfalzbau waren der Pianist Stanislav Novitskiy – und ein paar Flaschen.

Es ist ein herbstlicher Nachtrag zum Motto des Kultursommers: „Ostwind“ hieß dieses Programm. Spannend war dabei der Brückenschlag zwischen Ost und West: Die Komponisten stammen aus Russland, die Arrangements für Blasorchester haben Musiker aus Westeuropa geschrieben.

Notwendig sind Arrangements, wenn das Sinfonische Blasorchester Werke spielt, die ursprünglich nicht für ein Blasorchester geschrieben wurden. Wichtigste Änderung ist dann, den in Sinfonieorchestern üblichen Streicher-Anteil auf Blasinstrumente umzuschreiben. Wobei es da mit bloßem Abschreiben nicht getan ist – Klangfarben und -effekte müssen genau abgestimmt und mit dem Gesamtklang ausbalanciert werden. Aber so ein Blasorchester hat ebenfalls einen riesigen Fundus von Klängen, Spielweisen und Dynamik, so dass findige Arrangeure mindestens gleichermaßen eindrucksvoll die Werke umsetzen können.

Wilde Fahrt für die Zuhörer

Recht frei mit dem Ausgangsmaterial umgegangen ist Johan de Meij. Das ist einer der wichtigsten Komponisten sinfonischer Blasmusik. Für sein „Extreme Makeover“ hat er sich von Tschaikowski ein Thema „geliehen“: Es stammt vom zweiten Satz des Streichquartetts Nr. 1, D-Dur. Das Thema ist bekannt. Es wird in kleiner Besetzung vom Blech vorgestellt, dann folgt eine mitreißende Ausgestaltung, in der alles drin ist, was ein Blasorchester bieten kann: Vom gehauchten Pianissimo bis zum Fortissimo mit Blitz und Donner reicht die Dynamik. Die Töne werden durch die verschiedenen Register gereicht, bekommen Echo-Effekte, werden in neuen harmonischen Kontext gestellt, kurz: Es wurde für die Zuhörer eine wilde Fahrt.

Flaschen-Ensemble mündet in Xylofon-Part

Ziemlich verblüffend war ein Solo, das auf Flaschen geblasen wurde. Nun gelten Blasmusiker als besonders durstig, diesmal durften sie aber nicht die Flaschen leeren, sondern mussten gerade so viel abtrinken, dass ein bestimmter Ton erreicht wird. So entstand ein Flaschen-Ensemble, das sehr sauber intonierte. Das mündete in einen Xylofon-Part. Hier auch ein Lob an die Schlagwerk-Abteilung, die viele effektvolle Glanzlichter setzte.

Nicht minder farbenfroh und dynamisch spielte das Sinfonische Blasorchester Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“, arrangiert von José Schyn aus Belgien. Der Zyklus ist im Original für Klavier geschrieben, aber seine Bildhaftigkeit und Farbigkeit haben schon Maurice Ravel dazu angeregt, draus eine Orchesterfassung zu instrumentieren. Die hat Schyn aufgegriffen und für sinfonisches Blasorchester eingerichtet. Auch hier ist es faszinierend, wie farbig und dynamisch das Orchester spielt.

Dialog und Interaktion wirkten überzeugend

Eindrucksvoll spielte es auch mit seinem Gaststar Stanislav Novitskiy zusammen. Das Klavierkonzert Nr. 2 ist das beliebteste Rachmaninoff-Klavierkonzert. Natürlich sind im Original viele Teile in Interaktion mit den Streichern angelegt – hier haben oft die Holzbläser diese Aufgaben übernommen. Es gelang ihnen, den gewünschten feinen warmen Klang herzustellen, der doch ein eigenes Timbre hat. Im ersten Satz stellt das Orchester das erste Thema vor und das Klavier begleitet mit schnellen gebrochenen Akkorden, beim zweiten Thema werden die Rollen umgekehrt. Novitskiy spielte eng mit dem Orchester zusammen, gestaltete Dialog und Interaktion sehr überzeugend. Als Dank für den enormen Applaus des Publikums spielte er noch spontan eine jazzige Zugabe.

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