Ludwigshafen
Seit 40 Jahren: Frauenhaus bietet Schutz und Hilfe an
Es sind 13 Frauen, die mit ihren Kindern Mitte Februar in dem unscheinbaren Haus wohnen, das sich im Besitz der Stadt befindet. Träger ist das „Frauenhaus Ludwigshafen“, ein eingetragener Verein, der aus Frauenverbänden besteht. Ein fünfköpfiges hauptamtliches Team und einige Ehrenamtliche helfen den Frauen, sich von der Gewalt zu erholen, zur Ruhe zu kommen und zu entscheiden, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll.Stichwunden, gebrochene Finger, Gehirnerschütterungen und Blutergüsse: Ärzte und Kliniken, die Frauen mit solchen Verletzungen behandeln, nehmen oft Kontakt mit dem Frauenhaus auf. Doch oftmals sind die Frauen auch anderen Schikanen ausgesetzt: „Mit der Schlampe darfst du dich nicht treffen, sonst bekommst du kein Geld zum Einkaufen!“ Mit Geld und der Kontrolle sozialer Kontakte setzen einige Männer ihre Partnerinnen ebenfalls unter Druck.
Rund 50 Frauen melden sich pro Monat
Sowohl die berufstätige Deutsche mit Einfamilienhaus, die ihre blauen Flecken versteckt, als auch die junge Ausländerin, die keinen Deutschkurs machen darf, fliehen mit Hilfe der Beratungsstelle in der Blücherstraße und des Frauenhauses. Jeden Monat melden sich 40 bis 50 Opfer im Alter von 18 bis 80 Jahren aus jeder Bildungsschicht und allen Kulturen mit der Bitte um Hilfe. Die Anfragen übersteigen die Kapazitäten um ein Vielfaches. „Morgens wird ein Platz frei, nachmittags ist er schon wieder besetzt“, schildert Sozialpädagogin Cornelia Bauditz die Situation.
„Wenn sich die Frau stabilisiert hat, ist es Zeit für einen Neuanfang“, weiß Jutta Mühlhölzer, Pädagogin. „Statt sechs Monate bleiben die Frauen oft ein Jahr“, klagt die erste Vorsitzende des Vereins, Eva Maria Uebel. Die angespannte Wohnraumsituation macht die Arbeit für das Team zusätzlich schwer. Doch wenn eine Bleibe gefunden ist, ist die Arbeit des Teams noch lange nicht zu Ende: „Allen Frauen bieten wir Nachbetreuung an. Viele haben noch nie alleine gelebt“, erklärt Dorothee Zapp, Sozialarbeiterin und -pädagogin.
Kinder oft traumatisiert
„Die Gefahrenlage verschärft sich mit dem Auszug“, ergänzt Mühlhölzer. Zwar hat das Haus keine eigene Security, ist aber gut mit der Polizei vernetzt. Zum Schutz trägt auch bei, dass nur die Telefonnummer öffentlich ist, die Adresse bleibt geheim. Die Bewohnerinnen dürfen sie nicht weitergeben und auch keinen Besuch empfangen.
Die Zimmer, in denen sie unterkommen, sind schmucklos. Auf etwa 16 Quadratmetern mit Etagenbetten aus Holz, einem Kühlschrank und einer Dusche in der Ecke können Frauen mit zwei bis drei Kindern übergangsweise wohnen. Aus der Gemeinschaftsküche dringen leckere Düfte in der Mittagszeit auf den Gang. Paul schneidet mit Hilfe von Erzieherin Sabine Freyler eine schwarze Batman-Maske aus Pappe aus. Mona (beide Namen geändert) hat ihre Schmetterlingsmaske schon fertig. Ein großer Garten mit Schaukel und Wippe versteckt sich hinter dem Gebäude, wo die Kinder ungestört spielen können. Etwa die Hälfte der Bewohnerinnen haben Kinder, die oft traumatisiert sind.
Verantwortliche wünschen sich mehr Platz
Jede dritte Frau in Deutschland wird mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von physischer und/oder sexualisierter Gewalt. „Ich erzähle das heute zum ersten Mal“, bekommt das Team des Frauenhauses oft zu hören, wenn die Ratsuchenden anfangen, über Schläge und Erniedrigungen zu reden. Ein noch viel größeres Tabu war Gewalt gegen Frauen aber in den 60er und 70er Jahren.
Als die ersten Frauenhäuser in Berlin und Frankfurt im Rahmen der Frauenbewegung entstanden, fand in Ludwigshafen eine Messe zu diesem Thema statt. Deren Ergebnis war die Gründung des Ludwigshafener Frauenhauses im Februar 1982. Trotz wachsender Aufklärung und Emanzipation von Männern und Frauen in den letzten 40 Jahren hat das Team der Einrichtung viel zu tun, wünscht sich mehr Platz und braucht viel Geld.
Spendenkonto
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BIC: LUHSDE6AXXX, Frauenhaus Ludwigshafen e. V., Postfach 21 72 22, Telefon 0621 521969.