Ludwigshafen Sehnsucht nach Ferne

Placeholder-Image

Von Limburgerhof nach Frankreich und in die Südsee des ausgehenden 19. Jahrhunderts entführte die Schauspielerin Suzanne von Borsody ihr Publikum in der Kleinen Komödie. Mit Musik französischer Komponisten des Impressionismus begleitete das Trio Amanti Della Musica ihre eindringliche Lesung über den Maler Paul Gauguin.

Dessen Gemälde „Nafea“ gilt als das teuerste Bild überhaupt. Der Kaufpreis von 300 Millionen Dollar blieb bislang allerdings unbestätigt. Suzanne von Borsody hielt sich an nachweisbare Fakten und führte als Gauguins wertvollstes Bild „Der Mann mit der Axt“ an, das 2006 für 45,7 Millionen Dollar versteigert wurde. Die Nennung dieser Rekordsumme diente ihr freilich nur als Einstieg zu Paul Gauguin (1848-1903), der seine Bilder zu Lebzeiten für allenfalls wenige hundert Francs verkaufen konnte. Ihre Lesung bot weniger eine kunsthistorische Bewertung als eine stimmungsvolle biografische Übersicht, die Gauguin als einen Menschen zeigte, den es früh in die Ferne verschlug. Als Offiziersanwärter bei der Handels- und Kriegsmarine, später als Privatmann gelangte er nach Panama, Martinique und Polynesien. Als er im Sommer 1891 im Hafen von Papeete, der Hauptstadt Tahitis, ankam, fand er nicht vor, wonach er sich sehnte. Die Missionare hatten dafür gesorgt, dass die Einwohner französisch und katholisch geworden waren. „Dies war ja Europa!“ zitierte Borsody aus Gauguins 1901 veröffentlichten Aufzeichnungen. „War ich einen so langen Weg gekommen, um zu finden, wovor ich geflohen war?“ Der Künstler suchte, was sich an Echtem und Schönem unter dem neuen Putz der französischen Importe bewahrt hatte, und fand es abseits der Stadt, „weit fort von den europäischen Häusern, diesen Gefängnissen“. Die Landschaften malte er in glühenden Farben, die Menschen beschrieb er als „schwarze Geschöpfe mit Kannibalenzähnen“ und wusste doch, dass er für sie der Wilde war. „Die Zivilisation fällt nach und nach von mir ab“, stellt er fest, bevor Geldmangel und eine Augenerkrankung ihn nach Frankreich zurückkehren ließen. Zwei Jahre später machte er sich erneut auf nach Tahiti und kehrte nie wieder nach Europa zurück. Suzanne von Borsody bewies, welch exzellente Vortragskünstlerin sie ist. Das Trio Amanti Della Musica mit dem Ludwigshafener Gitarristen Sigi Schwab ergänzte Musik von Fernando Sor, Gabriel Fauré, Émile Desportes, Erik Satie und anderen.

x