Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Sechs Jahrzehnte Ehrenamt: Volker Reimer erhält Landesehrennadel

Die Landesehrennadel wurde Volker Reimer (Mitte) auf Vorschlag des Gewerbevereins verliehen.
Die Landesehrennadel wurde Volker Reimer (Mitte) auf Vorschlag des Gewerbevereins verliehen.

Seit seiner Jugend ist Volker Reimer in Mutterstadts Vereinswelt aktiv. Nun wurde der 71-Jährige für sein langes Engagement mit der Landesehrennadel ausgezeichnet.

Seit fast 60 Jahren ist Volker Reimer, Vorsitzender des Mutterstadter Gewerbevereins, inzwischen ehrenamtlich aktiv. Dafür wurde der 71-Jährige nun mit der Landesehrennadel geehrt. Vorgeschlagen wurde er von seiner Stellvertreterin im Gewerbeverein, Ursula Willersinn-Belzer.

Hauptberuflich war der gebürtige Mutterstadter Reimer eigentlich als Verwaltungsbeamter bei der Gemeinde beschäftigt. Doch seine Frau führt ein Hotel, den Jägerhof – und so steckt er natürlich mit drin im Gewerbeverein. Dort war er schon einige Jahre aktiv, bevor er 2010 Vereinsvorsitzender wurde. „Der Gewerbeverein vertritt die Mutterstadter Selbstständigen“, erklärt Reimer. Er dient als Sprachrohr auch gegenüber der Gemeinde. Während der Umgestaltung des Ortskerns brachte Reimer etwa beim Thema Parkplätze die Perspektive der Gewerbetreibenden ein.

Seine Doppelrolle als Verwaltungsmitarbeiter und Vereinsvorsitzender habe nie jemand als Nachteil verstanden. Im Gegenteil: „Es hat sich ergänzt, weil ich immer wusste, was gerade im Ort los ist“, sagt er. Auch für die Bürgermeister habe es dadurch kurze Wege zum Gewerbeverein und damit zu den Selbstständigen in Mutterstadt gegeben.

Vorstände standen Schlange

Reimers ehrenamtliche Laufbahn begann mit 15 Jahren beim Handharmonika Verein, bei dem er auch jahrelang als Vorsitzender und Dirigent aktiv war. Eine wichtige Station war seine Zeit bei der Arbeitsgemeinschaft Vorständekonferenz Mutterstadter Vereine und Organisationen (AVK). Entstanden war sie einst aus der Idee heraus, die Terminvergabe für den Mutterstadter Wald besser zu regeln. „Es gab mehr Vereine als Termine. Die Waldfeste waren für viele Vereine eine wichtige Einkommensquelle. Vorstände standen schon früh morgens Schlange, um einen Termin zu erhalten“, soReimer. So sollte die Nutzung der Walderholung gerechter geregelt werden.

Auch die Mutterstadter Kerwe prägte Reimer als Mitglied der Kerwegemeinschaft mit seinem Engagement, speziell mit der Entstehung der Zeltkerwe ab Ende der 70er Jahre. „Vorher war das eine reine Vergnügungskerwe. Wir haben sie um eine zentrale Veranstaltung erweitert.“ Also neben den Fahrgeschäften auf dem Messplatz am Palatinum werden seither Zelte auf dem Parkplatz am Rathaus aufgebaut, wo es Essen und Trinken gibt und die Besucher sich zum gemütlichen Beisammensein treffen können.

Aus der Kerwegemeinschaft zog Reimer sich 2019 gesundheitsbedingt zurück. „Am Kerwewochenende hatten wir einige Tage lang rund um die Uhr mit der Veranstaltung zu tun. Teilweise haben wir sogar auf dem Gelände geschlafen. Irgendwann geht das nicht mehr.“

In den Fußstapfen des Vaters

Sein Engagement führt Reimer auf seinen Vater zurück. „Er war mein Vorbild. Er war immer schon intensiv im Ehrenamt tätig und hat mich als kleiner Junge oft mitgenommen.“ So habe Reimer schon früh an Ausflügen und Veranstaltungen teilgenommen. Geholfen habe ihm dabei immer sein Organisationstalent – so beschrieben es die Laudatoren bei der Verleihung der Ehrennadel. Für Reimer ist die Auszeichnung eine innere Befriedigung und ein Zeichen, dass seine Arbeit anerkannt werde.

„Mutterstadt ist eine lebendige Gemeinde“, sagt Reimer – allerdings nur, wenn sich weiterhin genügend Menschen einbringen. Denn die Bereitschaft, Zeit für andere zu opfern, sei nicht mehr so ausgeprägt wie früher, glaubt der Mutterstadter. „Es gibt weniger Menschen, die mit Herzblut dabei sind.“ Die Gemeinde könne Räume und Infrastruktur wie zum Beispiel die Walderholung, den Sportpark oder das Palatinum bereitstellen, aber gefüllt werden müssten sie von den Bürgern.

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