Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Schulen und Corona – heftige Kritik an der Stadtverwaltung

„Die Stadt will vieles einfach aussitzen“, bemängelt ein Ludwigshafener Vater und spielt dabei auch auf das Thema fehlende Luftf
»Die Stadt will vieles einfach aussitzen«, bemängelt ein Ludwigshafener Vater und spielt dabei auch auf das Thema fehlende Luftfilter an Schulen an.

Hohe Inzidenzen, hoher Krankenstand: Auch im zweiten „Corona-Winter“ ist die Situation an den Ludwigshafener Schulen schwierig. Bei manchem Lehrer steigt der Frust, weil schon lange bekannte Probleme unverändert einfach weiter bestehen – ein Vater äußert offene Kritik an der Stadtverwaltung.

„Wie im letzten Winter auch, sitzen die Kinder alle 20 Minuten zum Stoßlüften bei fünf Grad Celsius im Klassenraum, haben die Jacken an und müssen mit kalten Fingern schreiben – es hat sich nichts geändert.“ Die Ludwigshafener Lehrerin, die dies im RHEINPFALZ-Gespräch erzählt, möchte anonym bleiben. Frustriert ist sie vor allem deshalb, weil in der weiterführenden Schule, in der sie arbeitet, keine CO2-Ampeln zur Verfügung stehen und auch nur diejenigen Räume mit Lüftungsgeräten ausgestattet wurden, in denen die Fenster nicht geöffnet werden können.

Kritisch sieht die Lehrerin zudem, dass sich geimpfte Schüler im Unterricht aktuell nicht mehr testen müssen – dies also höchstens freiwillig noch tun, während die ungeimpften Schüler zweimal pro Woche zum Selbsttest verpflichtet sind. Schon mehrfach sei es am Ende so gewesen, dass auch geimpfte Schüler „positiv“ waren. „Wann ist Corona endlich vorbei?“, das fragten sich nicht nur viele Schüler, sondern auch etliche Lehrer, die im Moment an der absoluten Belastungsgrenze arbeiteten.

Keine Dienstlaptops

„Viele Kollegen haben Kinder, die derzeit in Quarantäne müssen, andere Lehrer sind selbst an Corona erkrankt oder auch einfach erkältet, dürfen aber mit Husten und Schnupfen nicht in die Schule kommen.“ Diejenigen Lehrkräfte, die dann noch übrig bleiben, müssten zusätzliche Vertretungsstunden übernehmen, säßen dann teilweise aber auch nur noch vor drei oder vier Kindern. „Den Schülern, die krank zu Hause oder in Quarantäne sind, müssten wir eigentlich Arbeitsaufträge zur Verfügung stellen, aber das schaffen viele von uns gar nicht“, sagt die Lehrerin – das Streamen des Unterrichts sei nach wie vor Utopie, weil unter anderem keine Dienstlaptops für die Lehrer vorhanden seien.

Kritik an der unzureichenden Ausstattung der Ludwigshafener Schulen äußert auch Christoph Hinkel. Der Oggersheimer hat zwei Kinder und sagt: „Die Stadt macht als Schulträger in dieser Krise einen miserablen Job.“ Dass es nach fast 24 Monaten Pandemie kaum Luftfilter oder CO2-Ampeln in den Ludwigshafener Schulen gebe und viele der Einrichtungen auch im Jahr 2021 noch keinen Breitbandanschluss für schnelles Internet haben, sei ein Armutszeugnis. „Die Stadt bemüht sich erst gar nicht darum, Geld auszugeben, und will vieles einfach aussitzen“, ist Hinkels Eindruck. Zudem gingen Renovierungen an den Schulen nur sehr schleppend bis gar nicht voran: „Innerhalb der Stadtverwaltung herrscht Hilflosigkeit“, lautet seine Einschätzung in diesem Zusammenhang.

Gesundheitsamt überfordert

Auch in Gesprächen mit Ludwigshafener Schulleitern spiegelt sich die schwierige Corona-Situation wieder. „Ich muss die 3G-Dokumentation für das Kollegium machen, das Portal für die Teststatistik und die Testbestellung noch befüllen sowie unsere Corona-Fälle melden.“ Dass die Jobbeschreibung einer Schulleiterin einmal so aussehen würde, hätte vor der Pandemie wohl kaum einer geglaubt. Für Ingrid Wendling-Thiel von der Oppauer Goethe-Mozart-Grundschule sind solche organisatorischen Abläufe derzeit aber Alltag. Und als ob es nicht schon genug wäre, bringt die vierte Welle ein weiteres Aufgabenfeld mit sich. „Die Mitarbeiter des Gesundheitsamts sind überlastet und kommen mit den Quarantänebescheiden nicht mehr hinterher“, erzählt Wendling-Thiel. „Das übernehmen wir jetzt auch noch.“

Abstand für Grundschüler schwierig

Als größte Herausforderung im Grundschulbereich nennt die Schulleiterin allerdings die Umsetzung der Hygieneregeln: „Für die Kinder ist es einfach schwierig, die geforderten 1,5 Meter Abstand zu halten und die Maske immer korrekt über der Nase zu tragen“, sagt Wendling-Thiel. Insgesamt machten die Kinder es gut, aber dass Grundschüler auch den körperlichen Kontakt suchen, gehöre einfach zum Schulalltag dazu.

Froh ist Wendling-Thiel darüber, dass die Grundschulen seit diesem Schuljahr sogenannte PES-Kräfte einstellen dürfen. „Das sind pädagogische Fachkräfte – wie zum Beispiel Lehramtsstudenten –, die sich parallel zum Unterricht um zwei oder drei Kinder besonders intensiv kümmern, oder sie außerhalb des regulären Unterrichts auch sprachlich fördern, um in der Pandemie entstandene Lücken zu schließen“, erklärt die Schulleiterin.

Seit November seien drei solcher PES-Kräfte an der Goethe-Mozart-Schule im Einsatz. „Wenn alle im Kollegium gesund sind, dann bringt das auch was“, sagt Wendling-Thiel. Derzeit gebe es jedoch auch im Kollegium mehrere Corona-Fälle, diese Lehrkräfte fielen damit 14 Tage aus und die PES-Kräfte übernähmen entsprechend deren Aufgaben. „Wir kommen an die Grenzen“, sagt die Schulleiterin in diesem Kontext.

Verunsicherung bei Abiturienten

„Die Belastung für Lehrer ist hoch“, resümiert auch Andreas Klaes. Als Schulleiter des Edigheimer Wilhelm-von-Humboldt-Gymnasiums hat er aber natürlich ebenfalls im Blick, wie es seinen Schülern nach fast zwei Jahren Pandemie geht. „Man merkt, dass die Kinder aus dem Tritt sind“, sagt er. Verunsicherung herrsche insbesondere bei den Abiturienten, für die bald die Prüfungsphase ansteht: „Über die gesamte Oberstufenzeit sind diese Schüler jetzt schon mit Einschränkungen durch die Corona-Pandemie konfrontiert.“

Unbedingt vermieden werden sollte aus Sicht von Klaes ein erneuter Wechselunterricht. Hierfür hilfreiche Luftfilter fehlen aber auch am Humboldt-Gymnasium. „Davon haben wir insgesamt sechs Stück, und zwar in Aufenthaltsräumen, die sich sonst nicht anders lüften lassen“, erzählt Klaes. Ausgestattet worden sei unter anderem das Lehrerzimmer.

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