Ludwigshafen Süchtig nach Falten
Dannstadt-Schauernheim. Kleine Kunstwerke aus Papier schaffen und das mit eigentlich eher ungeschickten Händen? Machbar! Redakteurin Constanze Junk hat sich bei der Gruppe „Aktiv in Schauernheim“ im Origami versucht und sich erstaunlicherweise ganz ordentlich geschlagen.
„Heute müsst ihr nicht ganz so akkurat arbeiten“, sagt Susanne Koppetsch-Karl. Puh, Glück gehabt. Wenn es um Malen, Kleben oder eben Falten geht, war Ordentlichkeit noch nie meine Stärke. Aber der gefaltete und gesteckte Kranz, der heute hergestellt wird, verzeiht vieles und „sieht komplizierter aus als er ist“, erzählt die Kursleiterin. 21 Blatt Papier liegen vor mir. Ich habe mich für Gelb, Pink und Lila entschieden. Jedes zehn mal zehn Zentimeter groß. Sieht machbar aus. Allzu klein wird der Kranz also nicht werden. Zumindest meiner nicht. Heidi Vosa sitzt neben mir. Sie ist eine der sieben Teilnehmerinnen des Kurses, der seit zwei Jahren angeboten wird. Die Schauernheimerin scheint schon zu den Fortgeschrittenen zu gehören. Sie braucht nämlich etwas mehr Herausforderung und schneidet sich ein 15 mal 15 Zentimeter großes Blatt Papier zurecht. In 16 kleine Stücke. 16! Ich bleibe derweil bei meinen Notizzettel großen Blättern. Schritt für Schritt erklärt Susanne Koppetsch-Karl wie gefaltet werden muss. Wir üben mit fünf Blättern, die uns später die einzelnen Faltabläufe zeigen: Nummer eins sieht aus wie ein Haus mit zwei Kanten unten drunter. Nummer zwei, wie die folgenden auch aufbauend auf Nummer 1, bringt mit dem Joint-Griff den Lacher des Tages. Hier muss mit einem Griff wie beim Zigaretten drehen zwischen den Kanten ein Knick entsteht. Bei Nummer drei wird die untere Kante umgeklappt und das Papier sieht aus wie ein Schiff. Nummer vier bekommt mit zwei Knicks zwei Taschen an der Seite und mit einem Knick in der Mitte des Schiffs, das mittlerweile wie ein Hut aussieht, ist das Kranzstück fertig. Jetzt, da wir alle Schritte kennen, geht es ans Falten. Der Joint-Griff führt zur Verwirrung. „Denk es dir als Regenrinne“, rät Heidi Vosa ihrer Nachbarin und knickt eifrig ihre kleinen Quadrate zurecht. Respekt, das sieht nach Frickelei aus. Aber es wird. Ich schlage mich derweil erstaunlich gut in der japanischen Papierfaltkunst und bin überrascht von mir. Ich falte und falze, ziehe die Kanten mit dem Falzbein, einem dickeren Spatel mit Spitze, nach. Vor mir liegen neun ansehnliche Kranzteile als, es ans erste Zusammenstecken geht. Die Beine der Krempe müssen in die gefaltete Tasche. Klappt. Anfängerglück? Nein, Talent, beschließe ich. Weiter geht’s. Sieben Teile fehlen ja noch. Und auch die sind flott fertig und gesteckt. „Ach, das sieht ja hübsch aus. So schön bunt“, kommentieren die Frauen meinen fertigen Kranz. Ja, recht haben sie. Ich schmunzle in mich hinein. „Glauben Sie mir, das macht richtig süchtig“, sagt Helga Petersen. Und ja, irgendwie kann ich mir das vorstellen, während ich meinen Kranz betrachte. Es weckt einfach den Ehrgeiz. Und wenn mir mal irgendeiner dumm kommt, kann ich jetzt lachend sagen: Vorsicht, ich kann Origami! |cju