Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Rodenstein Records: Förderer der regionalen Musikerszene

Eng mit Rodenstein Records verbunden: (von links) Thomas Siffling, Fritz Münzer und Olaf Schönborn.
Eng mit Rodenstein Records verbunden: (von links) Thomas Siffling, Fritz Münzer und Olaf Schönborn.

Eine eigene Platte bei einem Plattenlabel herausbringen – das ist immer noch der Traum vieler Musiker. Doch Geld verdient man damit heute nicht mehr. Aber was macht dann eigentlich noch ein Label, haben wir Olaf Schönborn, Chef des Ludwigshafener Labels Rodenstein Records, gefragt.

Der Jazzer Olaf Schönborn leitet das Label Rodenstein Records, das eine lange Tradition hat. „Rodenstein Records gibt es seit den 1970er-Jahren, die Gründer sind der Mannheimer Fritz Münzer und der Ludwigshafener Wolfgang Lauth“, erzählt Schönborn. Saxophonist Münzer und Pianist Lauth machten zusammen Musik und waren feste Größen in der Jazzszene. Gemeinsam hatten sie bereits den erfolgreichen Musikverlag Emanon. Der Name ist ein Musikerwitz für Sachen ohne Titel, der sich erklärt, wenn man ihn rückwärts liest. „Rodenstein Records machte Radioproduktionen und LPs und arbeitete schon damals mit den bekannten Bauer Tonstudios Ludwigsburg zusammen“, erinnert sich Schönborn.

Den Namen Rodenstein Records habe Münzer gewählt, der an der Bergstraße wohnte, nicht weit vom Rodensteiner Land, benannt nach dem Grafengeschlecht und ihrer Stammburg. „Der Name sollte auch edel klingen“, sagt Schönborn. Münzer wollte die regionale Szene fördern. Unter anderem produzierte er ein Album mit Joy Fleming. Zu den jungen Musikern der Region gehörten Olaf Schönborn und Thomas Siffling, die öfter mit Lauth und Münzer spielten. Münzer holte Siffling und Schönborn in die Leitung des Labels, sie sollten langfristig Rodenstein Records übernehmen. Fritz Münzer ist 2007 gestorben, Thomas Siffling konzentrierte sich später auf einen Rodenstein Ableger, Jazz ’n’ Arts. Zu den Musikern, die bei Rodenstein Records erschienen sind, gehören Jens Bunge, Xiaomei Deng, Asli Kiliç, Allen Blairman, Fola Dada, Jutta Glaser, Moi et les Autros, Alberto Menéndez oder auch Nicole Metzger.

Lange Liste an Aufgaben

Bis Anfang der 90er-Jahre sei ein Label noch für die gesamte Produktion eines Tonträgers nötig gewesen, erklärt Schönborn. Das begann mit dem Konzept für ein Album und ging weiter mit der Zusammenstellung der Titel, der Organisation der Aufnahmen in einem Studio, manchmal der Verpflichtung weiterer Musiker zur Unterstützung, der Mischung und Produktion eines Master-Bands, das in ein Presswerk kommt, in dem die Platten dann hergestellt werden. Nicht zuletzt gehört das Bewerben des Produkts zu den Aufgaben, also die Bemusterung von Musikjournalisten, Radio- und TV-Sendern, Fachzeitschriften. Am Ende steht schließlich der Vertrieb – den hat Rodenstein meist selbst gemacht. „Früher haben Thomas und ich noch die Platten selbst zu ,Saturn’, ,Phora’, ,Prinz’ und den anderen Läden gebracht“, erinnert sich Schönborn.

Und die ganze Arbeit muss natürlich bezahlt werden. Da gibt es verschiedene Modelle. Im Normalfall bezahlen die Musiker die Leistungen selbst und einigen sich mit dem Label über die Verwertungsrechte. Zwischen den Urhebern, also Komponisten und Musikern, und dem Label wird vereinbart, wie die Tantiemen aufgeteilt werden. Diese Vergütungen zahlen die Nutzer der Musik, also Rundfunksender, Veranstalter oder DJs. Damit die Verwerter die Verwendung buchen und bezahlen können, nutzen sie den Labelcode. Mit diesem wird das Produkt auch in der internationalen Datenbank Phononet registriert und auffindbar. Möglich ist, die Künstler behalten alle Rechte und bezahlen alle Leistungen, oder das Label hat die Verwertungsrechte und teilt sich die Einnahmen mit den Künstlern.

Eigene CD bringt Künstler weiter

Die Zeiten, in denen mit dem Verkauf von Tonträgern Geld verdient wurde, sind aber längst vorbei. Musik wird anders konsumiert, heute meist als Stream aus dem Internet. Und das erklärt Schönborn auch allen Interessenten. „Meine erste Frage ist immer ,Wofür willst Du eine CD verwenden?’“ Für noch unbekannte Künstler kann eine CD ein Werbeträger in eigener Sache sein, eine Art Visitenkarte. Freilich muss da das Gesamtpaket stimmen, zu dem ein digitales Pressekit mit professionellen Fotos, Biografie und dem Hintergrund der Produktion gehört. Oder jemand macht eine CD, um sie bei seinen Auftritten zu verkaufen. Da braucht er keinen Vertrieb und keine aufwendige Gestaltung. Je nachdem vermittelt Schönborn die nötigen Kontakte und Infrastruktur und berät bei allen Schritten.

Nun macht Schönborn als Musiker selbst auch Platten – warum? „Ich liebe Platten, am liebsten Vinyl, aber auch CDs, weil ich gerne etwas in die Hand nehme, mir anschaue, lese, welche Musiker mitspielen“, sagt er. Und es gibt einen weiteren Effekt, den er bei sich und anderen Musikern beobachtet hat: „Eine CD-Produktion bringt dich als Künstler weiter.“ Das Album wird ein künstlerisches Statement, was einige Selbstreflexion erfordert. Weil es natürlich richtig gut klingen soll, werden Arrangements besonders sorgfältig entwickelt und besonders intensiv geprobt, damit die Aufnahmen im Studio nacheinander eingespielt werden können. Inzwischen ist es auch möglich, als ambitionierter Amateur gute Aufnahmen zu Hause zu machen – freilich gibt es dann noch Luft nach oben, auch in Sachen Mix und Mastering. Schönborn sieht sich als Berater, Dienstleister und Vermittler, je nach Bedürfnissen und Budget der Künstler.

Im Netz

Die Website des Rodenstein Labels mit Katalog und Bestellmöglichkeit: www.rodensteinrecords.com

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